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13:43 19.12.2016
Olli wird den „Mobilitätsmarkt revolutionieren“, meint der Bahnchef Rüdiger Grube. Quelle: Deutsche Bahn AG
Berlin

Auf dem Euref-Campus in Berlin-Schöneberg verbindet sich die Vergangenheit der Industriestadt Berlin mit der Hoffnung auf ein Revival. Um den gigantischen Gasometer herum, der bis 2015 Günther Jauchs Sonntags-Talk beherbergte, haben mehrere Konzerne ihre Denkfabriken für Elektromobilität angesiedelt – Cisco, Philips, Schneider und die Deutsche Bahn. Vor den Bürohäusern steht ein Gutteil der elektrisch getriebenen Car-Sharing-Flotte Deutschlands und saugt Strom.

Olli – so heißt Deutschlands erster selbstfahrender Kleinbus. Das von der Bahn unterstützte Fahrzeug bietet Platz für bis zu zwölf Passagiere und soll bald weitläufige Firmenarreale und ruhige Vororte vernetzen. Bahnchef Rüdiger Grube spricht von einer Revolution.

Auf den Sträßchen dazwischen fährt Olli. Das knuddelige Ding für bis zu zwölf Passagiere ist der erste autonom fahrende Kleinbus auf deutschen Straßen. Zumindest auf solchen, die zu einem Privatgelände gehören. Denn eine Zulassung für das autonome Fahren auf öffentlichem Straßenland ist in Deutschland noch eine Sache der fernen Zukunft – im Gegensatz zu den USA, wo Brüder von Olli bereits in Vororten autonom herumkurven. Auch in der Schweiz, in Finnland und in Amsterdam sind selbst fahrende Busse unterwegs. Der Bus wurde von der US-Firma Local Motors gebaut, ein Viertel seiner Teile stammt aus dem 3D-Drucker. Local Motos hat in Berlin eine weitere Fabrik aufgebaut – der Produktion einer Olli-Flotte steht also nichts mehr im Wege. Die Deutsche Bahn untersützt den Testbetrieb, daher prangt ein großes DB-Logo auf dem Test-Olli.

Mitarbeiter nutzen Busse kostenlos

Auch in Leipzig ist ein ähnliches Gefährt unterwegs. Auf dem Gelände der Bahn-Tochter Schenker im Logistikzentrum kurvt der „EZ 10“ der Firma EasyMile herum. Beide Busse fahren nach einem festgelegten Fahrplan auf einer fixen Route über das Gelände und können von Mitarbeitern kostenlos genutzt werden.

Die Bahn sieht sich als Vorreiter auf dem Markt der autonomen Fahrzeuge in Deutschland, sagt Bahnchef Rüdiger Grube. Gerade stellte er „seinen“ Olli Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) vor - natürlich mit Probefahrt. Zur Sicherheit ist immer ein Fahrer mit an Bord – nein, natürlich nennt er sich anders, nämlich „Steward“ – der Olli notfalls per Joystick steuern kann. Das ist auch immer mal wieder nötig. Im Erkennen von Hindernissen ist Olli zwar gut, niemand muss fürchten, überrollt zu werden. Doch Olli ist ein lernendes System, und er lernt nicht eben schnell. Zurzeit dreht er seine Runden noch auf „virtuellen Schienen“. Eine Steuereinheit auf dem Dach gleicht das vor ihm liegende Terrain mit der abgespeicherten GPS-Karte ab. Ist aber ein Hindernis im Weg, etwas ein haltendes Auto, bleibt der Bus einfach stehen. Herumkurven kann er zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht.

Bahnchef spricht von einer Revolution

Der ideale Olli soll all das können, unterstützt von Watson, IBMs künstlicher Intelligenz. Sein Einsatzgebiet wären sowohl weitläufige Firmenareale als auch ruhige Vororte – wenn die Straßenzulassung kommt. Per App kann er dann Mitfahrerwünsche empfangen und die günstigste Route für alle Mitfahrer berechnen, zum Bahnhof, zur Post, zum Supermarkt, zur Kita und zurück nach Hause.

Grube sprach von nichts weniger als einer Revolution. Bis 2018 investiert das Unternehmen rund eine Milliarde Euro - auch in Tests für autonom fahrende Lkw-Kolonnen - und hält zusätzlich 50 Millionen Euro zur Startup-Förderung bereit.

„Autonome Fahrzeuge werden den Mobilitätsmarkt revolutionieren“, meinte der Bahnchef. „Kunden können öffentliche Verkehre genau dann nutzen, wenn sie das Angebot brauchen. Ein neuer großer Markt für individuelle öffentliche Mobilität entsteht.“ Über fahrerlose Züge indes äußerte sich Grube nicht.

Von RND/Jan Sternberg

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