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Der Bikini - Eine Enthüllungsgeschichte

Zum 70. Geburtstag des Zweiteilers Der Bikini - Eine Enthüllungsgeschichte

Wenig Stoff, der für viel Aufregung sorgte: Vor 70 Jahren stellte ein Franzose auf einer Pariser Modenschau erstmals einen Bikini vor. Seitdem wird er in allen Varianten getragen – auch oben ohne.

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Vier Stoffdreiecke, nur zusammengehalten durch Kordeln: Tänzerin Micheline Bernardini zeigt 1946 den ersten Bikini.

Quelle: dpa

Das Teilchen ist so knapp, umso ausführlicher ranken sich die Geschichten darum. Der Bikini, der wenig Stoff, dafür viel Haut zeigt, feiert heute seinen 70. Geburtstag. Am 5. Juli 1946, es ist ein heißer Tag in Paris, das Thermometer zeigt 35 Grad im Schatten, gibt es einen Bademodenwettbewerb im noblen Ferienort Molitor, der für Furore sorgt. Louis Réard, ein gelernter Automechaniker, der die Unterwäschenboutique seiner Mutter übernommen hat, will den kleinen Prototyp seines Bikinis groß herausbringen.

Nackttänzerin präsentierte ersten Bikini

Das Problem – wer soll ihn auf der Schau präsentieren? So wenig Stoff will keines der seriösen Models tragen. Nur die Nackttänzerin Micheline Bernardini aus dem Moulin Rouge lässt sich dazu überreden. Augenzeugen berichten davon, dass ein Raunen durch die Menge geht, als Mademoiselle Bernardini sich zeigt – mit winzigen Stoffdreiecken am Körper, die mit einer Collage aus Zeitungstexten und Schlagzeilen bedruckt sind.

Nach der Modenschau bekommt die Tänzerin 50.000 begeisterte Briefe. Réards Entwurf hat einschlagen wie eine Bombe, passend zum Namen. Er benennt seine Kreation nach dem Bikini-Atoll, dem Ort, wo wenige Tage zuvor die US-Amerikaner im Pazifik die Atombombe testen. Bikini, ein Wort, das nunmehr weltweit bekannt wird, heißt übersetzt "Land der Kokusnüsse".

Das gefällt dem stolzen Erfinder, der seine Designidee so beschreibt: "Er ist so klein, dass er alles über die Trägerin enthüllt bis auf den Mädchennamen ihrer Mutter." Nach der gelungenen Präsentation in Paris meldet er den Bikini zum Patent an. In der Folge prozessiert Réard häufig und gerne, wenn der Begriff missbräuchlich genutzt wird. Dem ohnehin schlechten Image des unbeliebten Mode-Seiteneinsteigers ist das nicht gerade zuträglich. 

Übliger Badeanzug wog nass knapp vier Kilo

Es wird noch dauern, bis der Bikini gesellschaftlich tragbar wird. Bis dahin müssen die Frauen den üblichen Badeanzug aus Wolle anziehen, der im nassen Zustand knapp vier Kilogramm wiegt. In Hollywood hat der Zweiteiler zunächst Badeverbot, ebenso an den Stränden Italiens, Portugals oder Spaniens. Die katholische Kirche belegt ihn mit einem Bann, in Passau ist der Bikini sogar bis 1968 in öffentlichen Schwimmbädern strengstens verboten. In Rio de Janeiro gründet sich gar ein Anti-Bikini-Verein.

Doch all die Verbote und Anfeindungen können den Siegeszug der bauchfreien Modeprovokation am Ende nicht aufhalten. Nicht zuletzt deshalb, weil Filmstars wie Brigitte Bardot, Marilyn Monroe, Sophia Loren oder Anita Ekberg im Bikini auf der Leinwand überzeugen – auch als Statement zur Emanzpation.

1953 posiert die erst 18-jährige Brigitte Bardot am Strand von Cannes in einem Bikini mit Blumenmuster. "Eine neue Bombe ist geplatzt", schreibt Ghislaine Rayer, Autorin des Buches "Bikini, die Legende", das zum 70. Geburtstag des Badeanzugs in Frankreich herausgekommen ist, "und am nächsten Tag spricht die ganze Welt nur vom Bikini von BB."

Der Durchbruch kam mit Ursula Andress in "007 jagt Dr.No"

Zehn Jahre später wird die Szene im Bond-Film "007 jagt Dr.No" zum Klassiker. Ursula Andress entsteigt in einem knappen weißen Bikini den Fluten und verdreht der Doppelnull Sean Connery den Kopf. Die Szene aus dem Agentenfilm von 1962 kurbelt nicht nur die Absatzzahlen für Bikinis an, sondern macht später den "Dr. No"-Bikini zur teuersten Badebekleidung der Welt: Bei einer Auktion 2011 wird er für rund 60.000 Dollar versteigert.

Bis heute ist der Bikini aus den Bademodenkollektionen nicht mehr wegzudenken. Mal knapp, mal etwas üppiger – aber immer zweigeteilt. So auch die Meinung über den Bikini – toll für die einen, sexistisch für die anderen. Beim Miss Teen Wettbewerb Ende Juli in den USA gibt es zumindest kein Schaulaufen im Bikini mehr. Das sei überholt, heißt es.

Tragende Rolle

Der Monokini verzichtet auf das Oberteil. Entworfen wurde diese Oben-ohne-Mode im Jahr 1964 von dem Österreicher Rudi Gernreich. Die kühne Badeversion des Modedesigners löste damals internationale Entrüstung aus.

Der Monokini kommt aus Österreich.

Quelle: dpa

Der Tankini besteht aus zwei Teilen. Das Oberteil bedeckt einen Teil des Bauches und ist stets ärmellos.

Der Burkini gehört zu den jüngsten Varianten. Die Mischung aus Burka und Bikini geht auf die Designerin Aheda Zanetti zurück. Bei dem zweiteiligen Schwimmanzug mit integrierter Haube wird der ganze Körper bedeckt - nur Hände, Füße und Gesicht bleiben frei.

Der Burkini ist eine Mischung aus Burka und Bikini.

Quelle: dpa

Der Mikrokini bedeckt nur das Nötigste. Ober- und Unterteil bestehen aus Stoff-Dreiecken. Zusammengehalten werden die Teile von Schnüren oder Kordeln. Bei vielen Modellen ist der Po vollkommen unbedeckt. Entstanden ist die minimalistische Badekleidung in den frühen Siebzigerjahren – als Antwort auf das Nudismusverbot.

Der Mankini ist der Zweiteiler für den Mann. Dabei handelt es sich um eine Badehose mit Schulter- oder Hosenträgern. Bekannt wurde er durch die groteske Komödie „Borat“. Nicht an jedem Strand dürfen Männer den Mankinis tragen.

Von Heike Manssen

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