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Der Skandal-Koffer auf dem Roten Platz

Werbeaktion von „Louis Vuitton“ Der Skandal-Koffer auf dem Roten Platz

Ein riesiger Werbepavillon auf dem Roten Platz sorgt für Empörung in Moskau. Der Kreml befiehlt die sofortige Demontage des Mega-Koffers. Die Verantwortung für den Skandal will niemand übernehmen.

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Erregt die Gemüter: Der riesige Pavillon der Modefirma Louis Vuitton auf dem Roten Platz in Moskau.

Quelle: dpa

Moskau. Für Moskaus Denkmalschützer ist es ein Schock, und Touristen in der größten Stadt Europas reiben sich verwundert die Augen. Mitten auf dem historischen Roten Platz versperrt ein riesiger gelbbrauner Koffer den Blick auf Zwiebeltürme und Kremlzinnen. Die gigantische Kiste ist der Werbepavillon eines Modeunternehmens - und eine "riesige Sauerei", wie Kommunistenchef Gennadi Sjuganow den Aufbau direkt am Mausoleum von Revolutionsführer Lenin nennt.

Auch der Kreml zeigt keine Toleranz: Sofort müsse der 10 Meter hohe und 34 Meter lange Koffer aus der malerischen Kulisse entfernt werden, befiehlt ein Mitarbeiter von Präsident Wladimir Putin. Der Rote Platz gilt als der mit Abstand wichtigste Platz des Riesenreichs. Alljährlich am 9. Mai feiert hier die Staatsspitze mit Veteranen den Sieg der Sowjetunion über Hitler-Deutschland 1945. Nur selten werden Großereignisse mit Publikum erlaubt, wie vor kurzem ein Konzert der Operndiva Anna Netrebko. Als der deutsche Hobbypilot Mathias Rust 1987 die Luftabwehr der damaligen UdSSR überwindet und nahe der Basiliuskathedrale landet, ist dies eine Weltsensation.

Den umstrittenen Pavillon hat das Modeunternehmen Louis Vuitton erst vor wenigen Tagen aufstellen lassen - in Zusammenarbeit mit dem benachbarten Nobelkaufhaus GUM. Bis zum 19. Januar sollte in dem begehbaren Koffer eine Ausstellung zu sehen sein, deren Erlös einer Stiftung zugutekommt. Doch auch die Verwaltung des GUM fordert nun den sofortigen Abbau. Die Konstruktion sei größer als vereinbart, zudem müsse Rücksicht genommen werden "auf die Gefühle in Teilen der Gesellschaft", sagt ein Sprecher des berühmten Einkaufstempels. Der Aufschrei vieler Moskauer ist groß - auch im Internet.

Zwar sind die Bewohner der russischen Megametropole Werbung auf Schritt und Tritt gewöhnt. "Aber dies ist eine Verhöhnung russischer Staatssymbole", schreibt etwa "Dmitri89". Und der User "vladMKB" meint: "Das beschädigt das Ansehen des Roten Platzes." Für den russischen PR-Experten Ilja Koroljow ist der Riesenkoffer ein Beweis für eine immer aggressivere Politik von Unternehmen in der teuersten Stadt Europas. "In Millionenstädten wie Moskau oder Berlin muss Werbung immer kreativer werden, um der Reizüberflutung zu entgehen", sagt Koroljow dem Radiosender Echo Moskwy.

In seltener Eintracht schimpfen nun Moskauer Denkmalschützer, Politiker und der Kreml über den Fremdkörper auf dem Roten Platz. Die Verantwortung will jedoch keiner übernehmen. "Wir sind für Bauten auf dem Roten Platz nicht zuständig", teilt etwa die Stadtverwaltung von Moskau mit. Und der Kreml betont: "Die Errichtung wurde nicht mit dem Präsidialamt abgesprochen." Vielleicht sei die Montage ja ein "Missverständnis" gewesen, sagt ein Abteilungsleiter der Stadtverwaltung.

Der Koffer passe sowieso besser in den Gorki-Park. Für die kremlkritische Zeitung "Nowaja Gaseta" ist der Pavillon ein Beispiel für die "offenkundige Zerstörung des Kulturerbes der Stadt". In der Boomtown Moskau mit ihren geschätzten 14 Millionen Einwohnern sei der "schnelle Rubel" wichtiger als geschichtsträchtige Bauten.

Für Schmiergelder werde jede noch so große Sünde genehmigt. Der Oppositionelle Gennadi Gudkow meint, der Koffer habe kaum ohne Zustimmung aus dem Kreml aufgestellt werden können. Immerhin gehöre der Rote Platz zu den am besten bewachten Orten Russlands. Demnach hätten Sicherheitskräfte tagelang wegschauen müssen. "Das einzig Positive an diesem Skandal ist, dass der Kreml wenigstens einmal auf die öffentliche Meinung hört", sagt Gudkow. Nur wenige Stunden nach der Kreml-Kritik beginnen Arbeiter mit dem Abbau des Koffers.

dpa

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