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Ein Bilderbuch für die ganze Welt

Neuer Ikea-Katalog mit Rekordauflage Ein Bilderbuch für die ganze Welt

Der neue Ikea-Katalog kommt in Rekordauflage – und erscheint jetzt sogar in Südkorea. Trotzdem müssen die Kunden des Unternehmens dort weiterhin auf Geschirr und Besteck aus Schweden verzichten.

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219 Millionen Exemplare in 49 Ländern und 34 Sprachen: Ikea kann rühmen, das Produkt mit der weltweit größten Druckauflage zu erzeugen.

Quelle: IKEA Deutschland

Hannover. Die Neuen heißen Önskedröm, Sinnerlig oder Skogsta. Und schon bei der bloßen Erwähnung solcher Namen wissen zig Millionen Menschen weltweit nicht nur sofort, wovon die Rede ist. Sie wissen auch, dass jetzt wieder dieser Moment kommt, wo man am liebsten seine Einrichtung auf den Müll werfen und noch mal ganz von vorn anfangen würde. Damit es einmal, nur einmal so aussieht wie auf diesen tollen Bildern im neuen Ikea-Katalog.

219 Millionen Exemplare verteilt der schwedische Konzern dieser Tage über die Erde – und kann sich somit rühmen, das Produkt mit der weltweit größten Druckauflage zu erzeugen. In 49 Ländern und 34 Sprachen erfahren die Fans von Billy und Co., dass das Trendthema Nummer eins aus Ikea-Sicht Kochen und Essen ist. In Südkorea, wo in dieser Saison erstmals der Katalog erscheint, wird dabei genau so für die Küchenzeilen Metod und Fyndig geworben wie in Deutschland, Rumänien oder Australien.

Unterschiede gibt es dennoch: In der südkoreanischen Variante etwa fehlt die Abteilung Geschirr/Besteck komplett. Den Grund vermochte die deutsche Dependance gestern nicht zu nennen, schloss jedoch nicht aus, dass die fundamental anderen Essgewohnheiten der asiatischen Kunden dahinterstecken. Varianten von Woks und Stäbchen gehören eben nicht zum schwedischen Grundsortiment.

Seit 1951 der allererste Ikea-Katalog verteilt wurde, hat sich vieles geändert. So spielt etwa das Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit inzwischen eine große Rolle in der Werbung des Möbelkonzerns. In der aktuellen Saison betont man stolz, dass die gesamte Leuchtenkollektion im September auf die umweltfreundliche LED-Technik umgestellt wird.

In Zeiten von Bloggern und Trendschnüfflern im weltweiten Netz hat sich um die Kollektion der pfiffigen Schweden längst ein gigantischer Hype entwickelt. Jede Neuheit wird gründlich beguckt und beurteilt, selbst ernannte Stil-Päpste heben oder senken den Daumen über Tablet-Halter Rimforsa und Holzkiste Knagglig. Diesem Druck beugen sich längst auch Zeitschriften und küren in ihren Online-Auftritten die "Lieblinge der Redaktion" aus dem neuen Sortiment. Womit bewiesen wäre, dass auch das Internet nicht so ganz ohne Print-Produkte auskommt.

Als ob das alles noch nicht genug Aufmerksamkeit wäre, haben Ikeas PR-Strategen jetzt noch einen draufgelegt. Der (inzwischen irgendwie emeritierte) Literaturpapst Hellmuth Karasek hat für ein Werbevideo d ie neue Auflage des Katalogs rezensiert, als halte er das Werk eines Pulitzer-Preisträgers in den Händen.

Dass man auf den 328 Seiten der deutschen Ausgabe gnadenlos niedergeduzt wird, erregte ebenso seinen gespielten Unmut wie die Tatsache, dass es "mehr Bilder als Personen" gibt. Und stellt erstaunt fest: "Die Personen müssen sich zwischen die Möbel drängen, sie kommen selten zu Wort, sie reden kaum zusammenhängend – und trotzdem hat das Buch einen solchen Erfolg."

Die Reaktionen auf Karaseks Auftritt fallen durchaus gemischt aus, und tatsächlich ist die Gratwanderung zwischen Persiflage und plumper Werbung nicht durchweg gelungen. Seinen Zweck hat das Filmchen aber prompt erfüllt: Zum ersten Mal hat es der Ikea-Katalog bundesweit sogar bis in die Feuilletons geschafft.

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