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Bundeswehr unterstützte den Panzersammler

Kriegswaffen im Keller Bundeswehr unterstützte den Panzersammler

Die Geschichte um den Weltkriegspanzer aus einem Heikendorfer Villenkeller wird immer skurriler. Die Bundeswehr half nicht nur der Staatsanwaltschaft bei der Beschlagnahmung. Sie war zuvor schon bei der Instandsetzung des Motors hilfreich – gegen Bezahlung.

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Der Panzer wurde mit einem Großaufgebot Anfang Juli abtransportiert.

Quelle: Carsten Rehder

Heikendorf / Kiel. Experten unterstützten den 78-Jährigen bei der Überholung des Motors seines Panzers vom Typ Panther. "Für die Unterstützungsleistung wurden Herrn F. 28.317 Euro in Rechnung gestellt und fristgerecht bezahlt", sagte ein Sprecher des Bundesamtes für Ausrüstung dem "Flensburger Tageblatt". Das Bundesamt war am Donnerstag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Die Bundeswehr hat aus dem Keller einer Villa in Heikendorf nahe Kiel einen Panzer aus dem Zweiten Weltkrieg geholt. Sie stellte auch ein Flakgeschütz sicher.

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Laut Staatsanwaltschaft steht nun aber fest, dass es sich bei dem Panzer um eine Kriegswaffe handelt. Mitarbeiter der Wehrtechnischen Dienststelle (WTD 41) in Trier halfen dem 78-Jährigen von 2011 bis 2014 bei der Instandsetzung des Motors. "Der Motor wurde vom 28. November bis 2. Dezember 2011 in Heikendorf von zwei Mitarbeitern der WTD 41 ausgebaut", sagte ein Sprecher dem Blatt.

Anschließend wurde er zu einer Fachfirma transportiert. "Dort erfolgte die Instandsetzung mit Unterstützung von WTD-Mitarbeitern." Im März 2014 brachten die Soldaten den Motor wieder zurück und bauten ihn ein. Fünf Tage lang dauerte das. Doch die Freude des Finanzmanagers währte nicht lang. Anfang Juli beschlagnahmte die Staatsanwaltschaft den Panzer – ebenfalls mit Hilfe der Bundeswehr. Neun Stunden lang brauchten knapp 20 Soldaten für die komplizierte Bergung des Panzers.

Kriegswaffen im Sinne der Kriegswaffenliste

Gegen den Sammler wird wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz ermittelt. Laut dem Bundesamt für Ausrüstung wurde die Restaurierung des Panzers aber nicht unterstützt. "Herr F. ist seit 1982 Mitglied im Verein der Freunde und Förderer der Wehrtechnischen Studiensammlung. Er hat dem Verein Geld und Sachspenden zukommen lassen", sagte der Sprecher.

Dem Zeitungsbericht zufolge geht das Bundesamt davon aus, dass der Panther demilitarisiert ist. Ein Gutachten kommt laut Staatsanwaltschaft dagegen zu dem Schluss, dass nicht nur der Panther, sondern auch ein ebenfalls bei der Durchsuchung sichergestelltes 8,8-Zentimeter-Flakgeschütz und ein Torpedo Kriegswaffen im Sinne der Kriegswaffenliste sind. "Es konnte bei wesentlichen Teilen keine Demilitarisierung entsprechend vorgegebener Richtlinien festgestellt werden; auch liegen keine ordnungsgemäßen Bescheinigungen zum Besitz vor", teilte Oberstaatsanwältin Birgit Heß mit.

Wie gelangte der Rentner in den Besitz der Waffen?

Wie am Donnerstag ebenfalls bekannt wurde, haben die Ermittler bei ihrer zweitägigen Aktion noch weitere, mögliche Kriegswaffen entdeckt: einen Granatwerfer aus dem Zweiten Weltkrieg sowie eine Panzerabwehrrakete aus Beständen der Bundeswehr. Sie stellten zudem verschiedene Kurz- und Langwaffen sowie pulverförmige Substanzen sicher, die dem Sprengstoffgesetz unterliegen könnten. Bei den Waffen und dem Pulver liegen aber noch keine Ergebnisse der Gutachter vor. Die Staatsanwaltschaft untersucht weiterhin, wie der 78-Jährige in den Besitz der einzelnen Gegenstände gelangte.

Der Heikendorfer soll in seinen Garten auch Kunst aus der NS-Zeit gestellt haben. In diesem Zusammenhang war er im Zuge von Ermittlungen nach wieder aufgetauchter Nazi-Kunst auch ins Visier der Beamten geraten. Den Panzer zumindest will der Heikendorfer in England als Schrott gekauft haben. Restauriert wurde das Gerät offenbar in den 1980er Jahren in Solingen (Nordrhein-Westfalen). Ein mittlerweile 76 Jahre alter Handwerker, der den Panzer dort fünf Jahre lang wieder auf Vordermann brachte, sagte dem "Solinger Tageblatt", "das war schon eine aufwendige Arbeit". Für ihn sei klar gewesen, dass der Panzer schon damals nicht mehr kampftauglich war und damit nicht gegen Gesetze verstieß. Die Probefahrten sollen 1984 begonnen haben.

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