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Deutsche Weltrekorde am laufenden Band

Wattengel bis Mopsrennen Deutsche Weltrekorde am laufenden Band

Höher, schneller, weiter: Wer meint, Superlative zu schaffen, kann sich in Hamburg registrieren lassen. Dort sitzt das Rekord-Institut für Deutschland und zertifiziert Bestmarken, die keiner braucht, aber trotzdem ganz lustig sind.

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Zertifizierter Wattengel-Rekord in Deutschland: In Brunsbüttel legen sich 380 Menschen ins Watt, um dort auf dem Rücken liegend den Hampelmann zu machen.

Quelle: RID

Hamburg. Es besteht aus Kopi-Luwak-Kaffee, italienischen Trüffeln, feinsten Safranfäden, Limetten-Kaviar und ist mit brasilianischem Blattgold überzogen. Konditormeister Stefan Kopetz aus Freising verkaufte das gerade mal im Durchmesser 16 Zentimeter große und fünf Zentimeter hohe Törtchen bei einer Dessertparty in Dubai – für 2015 Euro. Damit gelang dem Konditor ein Weltrekord: Das „Golden Eve“ soll das bisher teuerste Törtchen sein, das jemals auf der Erde verkauft wurde. Das will zumindest Rekordrichter Olaf Kuchenbecker herausgefunden haben, bevor er dem Konditor bei einer Feierstunde in Bayern die Urkunde überreichte.

Ob die meisten Küsse in einer Minute, das größte Feuerwehrauto aus Bierkisten oder das teuerste Törtchen: In Hamburg werden Weltrekorde aus Deutschland zertifiziert. Hier eine Auswahl der skurrilsten Superlative.

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Das Deutsche Rekord-Institut will Lücke schließen

Wenn es in Deutschland um Bestmarken geht, ist Kuchenbecker mit Stoppuhr und Maßband zur Stelle. 13 Jahre lang leitete er für die Londoner Zentrale der Guinnes Worlds Records (Guinnes Buch der Rekorde) das deutsche Büro, oft war er als „offizieller Rekordrichter“ in Fernsehshows zu sehen. Vor zwei Jahren gab die weltweit bekannteste Rekordzentrale den Standort in Hamburg auf und betreut den deutschen Markt seither von der Londoner Zentrale aus. Kuchenbecker nutzte die Lücke und gründete ein eigenes Rekord-Institut für Deutschland (RID). „Die deutschen Bewerber finden in London oft kein Gehör, sie haben lange Wartezeiten und wollen ihre Bewerbungen nicht auf Englisch verfassen“, begründet er. Oder, und das ist meistens der Fall, sie werden abgelehnt, weil ihre Rekordversuche nicht interessant genug für die lukrativen Fernsehformate von Guinness sind.

Das Guinness-Buch der Rekorde ist mit einer Auflage von insgesamt über 150 Millionen seit dem Gründungsjahr 1955 immer noch das meistverkaufte Buch nach Bibel und Koran. Auch wenn er das niemals schlagen könnte, will Kuchenbecker im Herbst doch selbst ein Rekordbuch herausgeben. Immerhin 4000 Superlative aus Deutschland soll es enthalten.

Auf der Suche nach dem Außergewöhnlichem: Olaf Kuchenbecker und sein Deutsches Rekord-Institut in Hamburg vergeben Urkunden für Weltrekorde.

Quelle: Fröhlich

Weltrekorde in Mikrodisziplinen

Deutschlands neue Weltrekordzentrale sitzt in Hamburg-Niendorf, in einem rekordverdächtig kleinem Büro im Gewerbegebiet. Täglich gehen bei Kuchenbecker Anrufe, Umschläge und E-Mails von Menschen ein, die ihre mutmaßlichen Bestmarken anpreisen. Ob das größte aus Getränkekisten gestapelte Feuerwehrauto (4700), die meisten mit einem Gewicht im Haar zerschlagenen Bretter (zehn in einer Minute), der schwerste Kürbis (790 Kilogramm), die meisten gleichzeitig gemachten Wattengel (280), die am tiefsten spielende Band (Way to Bodhi, 15,22 hz), die weiteste Laufband-Strecke in High-Heels (10er-Team, 35,5 Kilometer in 30 Minuten), die schnellste Rückwärtsschussfahrt auf Skiern (128 km/h), der größte künstlich erzeugte Wirbelsturm (34,43 Meter im Mercedes-Benz-Museum), die meisten Leute, die in einem Sack hüpfen (55), das weltgrößte Mopsrennen (170 Hunde). Die Liste der Mikrodisziplinen scheint unerschöpflich.

600 neue Rekorde in knapp zwei Jahren

In Zeiten von Selbstdesign und Sozialen Netzwerken floriert das Geschäft mit den Rekorden, die keiner braucht, aber doch ganz lustig erscheinen. Rund 600 neue Bestmarken haben der 47-Jährige und seine zwei freien Mitarbeiter – eine Polizeikomissarin und ein Eventmanager – seit Gründung des Instituts beurkundet.

Kuchenbecker begibt sich oft auch selbst auf die Suche nach ungeschlagenen Leistungen. Sein Ziel: Täglich zwei neue Rekorde im weltweiten Netz zu verbreiten. Er muss bekannt werden. Mit buchhalterischer Genauigkeit recherchiert der Hamburger kleine skurrile Sensationen, von deren Existenz bisher niemand wusste. Was ist üblich, was geht über die Norm hinaus? Was lässt sich kategorisieren? Welche Rekorde sind signifikant, welche ziehen im besten Fall Rekordbrecher nach sich?

Kuchenbecker: "Ich brauche Beweise"

Das Telefon klingelt, und ein Bäckermeister aus Karlsruhe möchte wissen, „obsch denn für den gröschten Frankfurter Kranz eine Urkunde gäbsch“. 70 Kilogramm Mehl, 500 Eier, 50 Kilogramm Krokant, führt er aus, 70 Meter seit das gute Stück lang, der Bürgermeister persönlich habe es angeschnitten .... „Ich brauche Beweise“, sagt Kuchenbecker. „Fotos, ein Video, Aussagen von Menschen, die das bezeugen.“ Das sei kein Problem, sagt der Anrufer und verabschiedet sich zufrieden. In der Post ist der Brief eines Mannes, der über seine Mutter sagt, sie könne im Wasser stehen, ohne dass sie mit den Füßen den Boden berührt. Er hat auch ein Foto beigelegt – allerdings sieht man darauf nur einen Kopf, der aus dem Wasser guckt. „Das wird wohl eher nichts. Wir wollen ja glaubwürdig bleiben“, sagt Kuchenbecker.

4000 Euro für das persönliche Rekord-Paket

Die Überprüfung der Rekorde ist kostenlos. Die Einnahmen stammen von Firmen, Vereinen und Fernsehshows, die den gelernten Kaufmann buchen, um ihre Rekordidee mit einer Werbeveranstaltung zu kombinieren. Das Standardpaket kostet 4000 Euro inklusive Pressearbeit und persönlicher Anwesenheit eines Rekordrichters.

Als weiße Westen vom Dienst überwachen sie die mehr oder weniger sinnreiche Events, die sich effektvoll vermarkten lassen. Nicht jeder vermeintliche Rekord findet Gefallen. Manches geht auch einfach schief – wie der Versuch von Sänger Thomas Anders bei „Stern TV“,  seinen eigenen Rekord im Eischneeschlagen zu toppen. Gescheitert ist auch die Stadt Hannover, als sie am Tag der Herzgesundheit versuchte, die längste Bocksprungkette der Welt zu bilden – von 1000 angepeilten Teilnehmern kamen nur knapp 300. Immerhin machte Oberbürgermeister Stefan Schostok den Anfang. Kuchenbecker selbst hat auch schon einmal einen Rekord aufgestellt: Mit seiner Band Suzie & The Seniors spielte der Hobbybassist an 26 Orten Hamburgs innerhalb von zwölf Stunden. Mittlerweile rangiert eine Band aus Köln mit 32 Auftritten vorn. Kuchenbecker sieht sich geschlagen.

Von Sonja Fröhlich

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