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Mexiko-Stadt tritt auf die Bremse

Dicke Luft Mexiko-Stadt tritt auf die Bremse

In der mexikanischen Hauptstadt ist die Luftqualität so schlecht wie schon lange nicht mehr. Um der Millionenmetropole wieder Luft zum Atmen zu verschaffen, müssen die Autos nun an einzelnen Tagen stehen bleiben. Langfristig dürfte nur der Ausbau des ÖPNV Abhilfe schaffen.

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Smognebel über Mexiko-Stadt.

Quelle: dpa

Mexiko-Stadt . "Luftqualität: schlecht" ist auf der Homepage der Umweltkommission von Mexiko-Stadt zu lesen. Wer das wissen will, muss freilich nicht im Internet gucken. Es reicht aus, auf dem Mittelstreifen der zehnspurigen Prachtstraße Paseo de la Reforma tief Luft zu holen. Autoabgase und Industrieemissionen machen in der Millionenmetropole das Atmen schwer. Die Bürotürme von Santa Fe im Süden sind oft vom Zentrum aus kaum zu erkennen. Mit scharfen Restriktionen für den Autoverkehr will die Stadtverwaltung das Ruder nun herumreißen. Ab Dienstag (5.4.) müssen alle Autos für einen Arbeitstag pro Woche und einen Samstag pro Monat stehen bleiben.

Wer wann nicht fahren darf, hängt von der Endziffer des Nummernschilds ab. Das Programm "Hoy no circula" (Heute wird nicht gefahren) soll bis Ende Juni in Kraft bleiben. Dann dürfte der einsetzende Regen Abhilfe schaffen.

"Unser Ziel ist es, die Luftverschmutzung zu reduzieren. Das soll einen positiven Einfluss auf die Gesundheit haben und der Bevölkerung zugute kommen", sagt die Umweltministerin von Mexiko-Stadt, Tanya Müller. Staatspräsident Enrique Peña Nieto erklärte die Angelegenheit jüngst zur Chefsache: "Wir müssen mehr tun, mutiger und entschlossener sein, um eine Verschmutzung der Atmosphäre zu verhindern, die die Bevölkerung in Gefahr bringt."

Mitte März war im Großraum Mexiko-Stadt mit seinen mehr als 20 Millionen Einwohnern erstmals seit über zehn Jahren wieder der Umweltnotstand ausgerufen worden. Die Luftverschmutzung in Verbindung mit Trockenheit und intensiver Sonneneinstrahlung hatte die Feinstaub- und Ozonwerte in die Höhe schnellen lassen.

Der Schriftsteller Carlos Fuentes setzte mit "Landschaft in klarem Licht" der mexikanischen Hauptstadt einst ein literarisches Denkmal. Wer heute von den Bergen auf die Smogglocke über der Mega-Metropole im Talkessel hinunterschaut, braucht allerdings viel Fantasie, um zu verstehen, wie Fuentes auf den Buchtitel kam.

Mexiko-Stadt erlebt jeden Tag den Verkehrskollaps - einmal morgens und einmal abends. Vor und nach langen Wochenenden bilden sich an den Ausfallstraßen kilometerlange Staus. Und fällte die "Quincena" - der Zahltag für Angestellte alle zwei Wochen - auf einen Freitag, ist überhaupt kein Durchkommen mehr.

"Öffentlichen Nahverkehr begünstigen"

Nach Angaben des nationalen Statistikinstituts sind in Mexiko-Stadt rund fünf Millionen Fahrzeuge registriert. 1992 waren es erst 2,2 Millionen. Der Autobahnring rund um die Stadt ist größtenteils bereits auf zwei Stockwerke ausgebaut. Trotzdem verbringen die Hauptstädter jeden Tag Stunden im Stau.

Mexiko-Stadt verfügt eigentlich über ein recht gutes öffentliches Nahverkehrssystem mit Bussen, Metro und sogenannten Metrobussen auf reservierten Fahrspuren. In der Innenstadt können sich Pendler zudem Fahrräder ausleihen. Das System ist allerdings längst ausgelastet. Allein die U-Bahn transportiert täglich mehr als fünf Millionen Fahrgäste. Wer im Berufsverkehr die Metro nimmt, sollte keine Angst vor intensivem Körperkontakt haben.

Seit Ende der 80er Jahre gab es in Mexiko-Stadt immer mal wieder verschiedene Formen der Beschränkung für Privatfahrzeuge. Bis vergangenes Jahr durften beispielsweise ältere Autos an bestimmten Tagen nicht fahren. Als diese Regelung gekippt wurde, waren 600 000 zusätzliche Pkw wieder täglich unterwegs.

"Die Mobilitätskrise und die Luftverschmutzung in der Metropolregion Mexiko-Stadt erfordert strukturelle Veränderungen und drastische Maßnahmen, auch wenn diese in der Bevölkerung wenig populär sind", hieß es im Februar in einem Bericht des Zentrums für strategische Studien zu Energie und Umwelt. "Diese Maßnahmen sollten den öffentlichen Nahverkehr begünstigen und die Nutzung von Privatfahrzeugen beschränken."

Viele Familien in Mexiko-Stadt haben zwei Autos. Der eigene Pkw ist Ausdruck von Selbstständigkeit und Mobilität. Doch egal wie hochmotorisiert das Auto ist, wirklich schnell unterwegs ist man damit nicht. In den Stoßzeiten liegt die Durchschnittsgeschwindigkeit auf den Straßen der Stadt zwischen acht und elf Kilometern pro Stunde.

dpa

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