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Die „72 Jungfrauen“ des Londoner Bürgermeisters
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Humoristisches Romandebüt Die „72 Jungfrauen“ des Londoner Bürgermeisters

London wird für die Olympischen Spiele zum Hochsicherheitstrakt: Gerade hat das britische Militär weitere 1200 Soldaten in die Hauptstadt beordert. Die Terrorangst während der Spiele führt dazu, dass die Armee ihre eigene Hauptstadt besetzt.

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Konservativer Exzentriker: Der Londoner Bürgermeister Boris Johnson.

Quelle: dpa

London. Mehr als 18.000 Mann werden nun während der Spiele dort Dienst tun. Und was macht Londons konservativer Bürgermeister Boris Johnson? Er ist auf dem besten Weg, in Deutschland zum Bestsellerautor zu werden – mit einer Terror-Satire. „72 Jungfrauen“ heißt Johnsons literarisches Debüt, das jetzt bei uns erscheint. Das nennt man Timing.

72 dunkeläugige Schönheiten warten im Paradies auf heilige Krieger. Die islamistischen Attentäter, die im Zentrum von Johnsons Roman stehen, sind allerdings äußerst schusselig. Sie wollen den US-Präsidenten als Geisel nehmen, während dieser vor dem britischen Unterhaus eine Rede hält. Mit einem geklauten Krankenwagen schaffen sie es tatsächlich vor das streng bewachte Parlament, was an einer Verkettung unglücklicher Umstände, Bürokratismus und purer Unfähigkeit liegt. Genüsslich beschreibt der 52-jährige Johnson in seinem Buch, das an einem einzigen Vormittag spielt, wie sich britische und amerikanische Sicherheitsleute in Kabbeleien und Kompetenzwirrwarr gegenseitig lahmlegen.

Das Buch ist bereits sieben Jahre alt. 2005 war „BoJo“, wie der Boulevard den exzentrischen Bürgermeister nennt, noch Unterhaus-Abgeordneter und Herausgeber des konservativen Magazins „The Spectator“. Wie Phönix aus der Asche kam der in New York geborene Alexander Boris de Pfeffel Johnson bei der Bürgermeisterwahl 2008 in das Spitzenamt der City Hall. Der gelernte Journalist schlug dabei keinen Geringeren als das kommunalpolitische Schwergewicht Ken Livingstone aus dem Feld – und verteidigte im vergangenen Mai sein Amt. An dem Politikersohn mit türkischen Wurzeln führt inzwischen in Londons Kommunalpolitik kein Weg mehr vorbei. In England liebt man den Politflegel, oder man hasst ihn – in jedem Fall macht er die Politik unterhaltsamer. Auch wenn er bei jeder Gelegenheit abwinkt, werden dem Mann mit der losen Zunge sogar Ambitionen auf das Amt des Premierministers nachgesagt.

Der Konservative mit der blonden Starkstromfrisur ist jedenfalls so schnell nicht aus der Bahn zu werfen. Wenn er vollmundig verkündet, London werde bei Olympia die „größte Show auf Erden“ aufführen und sei sowieso die „großartigste Stadt der Welt“, dann entwickelt er bei seinen Landsleuten eine enorme Überzeugungskraft.

Nicht als Schriftsteller, sondern in seiner Funktion als Bürgermeister hat Boris Johnson über die Olympischen Spiele gerade auch gesagt: „London wird sehr, sehr sicher sein.“ Für Satire ist kein Platz mehr.

Jan Sternberg

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