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Die Blogger aus der ersten Reihe

Fashion Week: Die Blogger aus der ersten Reihe

Schauen, Partys und Horsd’œuvre: Am Mittwoch beginnt die Fashion Week in Berlin – und in den vorderen Reihen sitzen neben Einkäufern und Promis auch Modeblogger. Sie sind wichtiger Teil des Modekarussells.

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Von Mittwoch an laufen bei der Fashion Week in Berlin wieder die Models über die Laufstege.

Quelle: dpa

Der Stapel mit Einladungen ist groß, auf der Fensterbank liegen sie nach Datum sortiert. Einladungen für die großen Modenschauen am Bebelplatz, die After-Show-Partys, die Showrooms, in denen die Labels ihre Kollektionen bei Prosecco und Horsd’œuvre präsentieren, und die Messen wie „Bread & Butter“ oder „Bright“. So langsam hat sich Jessica Weiß durch die Karten und Mails gewühlt und nach Relevanz gewichtet. Bekommen hat sie alle Einladungen, sagt sie. Von Mittwoch an wird die 25-Jährige auf der Fashion Week in Berlin in den vorderen Reihen sitzen, neben Einkäufern, Modejournalisten und deutschen Stars und Sternchen. Jessica Weiß schreibt im Internet auf lesmads.de über die neuen Kollektionen der Designer und informiert über die wichtigsten Events. Weiß ist Deutschlands erfolgreichste Modebloggerin.

Am Mittwoch beginnt die Fashion Week in Berlin. Neben Models und Designern sind es vor allem die Modeblogger die in dieser Woche im Mittelpunkt stehen. Hier einige Beispiel-Blogs: Iloveponys: http://iloveponysmag.com/

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Mode- und Fashionblogs gibt es Tausende. Sie heißen in Deutschland Stilinberlin, Modepilot, Styleclicker, Iloveponys, Glamcanyon oder Lachsbrötchen, international haben sich die Schreiber von Sartorialist, Stylebubble, Facehunter und Jak & Jil einen Namen gemacht. Die international bekannten Blogger sitzen in den ersten Reihen der „großen vier“: Paris, Mailand, London und New York. „Les Mads“, kurz für „Les Mademoiselles“, gehört dazu. Die Designer laden ein, die Blogger kommen, fotografieren, schreiben, stellen alles online – und machen kostenlos Werbung. Auch in Berlin soll das in diesen Tagen so funktionieren.

Die Blogger drängen sich langsam neben die Modejournalisten etablierter Magazine auf die vorderen Plätzen bei den Schauen der Modewochen. Waren früher die Moderedakteurinnen und Einkäufer das wichtigste Publikum der Designer, gehören die Blogger heute dazu. „In Berlin ist noch eine gewisse Hierarchie in der Sitzordnung vorhanden. Die Printredakteure der wichtigen Modemagazine treffen sich in der Front Row mit den C-Promis, doch die erste Reihe wird auch durch bekannte Bloggergesichter aufgelockert“, berichtet Katharina Charpian von www.iloveponysmag.com.

Die 24-jährige Bloggerin ist jetzt bereits das vierte Mal bei der Berliner Fashion Week dabei. Die Shows von Perret Schaad, Vladimir Karaleev und Esther Perbandt sind ihre Höhepunkte. „Ich versuche, meine Erlebnisse in meinem eigenen Stil festzuhalten. Von den kommerziellen Designern und Labels halte ich mich fern.“ Denn sie weiß: Ein einziger Post in einem bekannten Blog kann den Umsatz eines kleinen Labels in die Höhe treiben. „Ein kleiner Online-Vin-
tageshop aus Deutschland schrieb mir mal, dass ich durch meine Blogveröffentlichung seine Existenz gesichert habe“, sagt Jessica Weiß von „Les Mads“.

Die Blogger machen kostenlos Werbung, verlinken gar noch mit Produkt und Onlineshop. „Klar weiß ich, dass wir Werbung machen, aber ein Blog entsteht nicht, um zu werben, sondern um interessante Themen subjektiv aufzubereiten – und so vielleicht auch Jungdesigner ins Rampenlicht zu rücken“, sagt Weiß. Diese neue Form der Berichterstattung hat die Modewelt und auch die Modewochen in den vergangenen Jahren verändert. „Die Deutungshoheit darüber, was Mode ist, liegt nicht mehr allein bei den Werbe- und PR-Leuten der Firmen und Redakteurinnen der Printmagazine. Blogger tragen dazu bei, dass manche Produkte wie bestimmte Stiefel oder Taschen von heute auf morgen einen Kultwert erlangen und ausverkauft sind“, sagt Catharina Rüß, Dozentin an der hannoverschen Modeschule Fahmoda.

„Les Mads“ positioniert sich als virtuelles Magazin: mit Mode, Shoppingtipps, Lifestyle und Fotografie. Was vor vier Jahren zunächst als Spaßprojekt von Weiß und ihrer Mitstreiterin Julia Knolle begann, ist längst zum Beruf geworden. Burda hat den Blog zügig unter seine Fittiche genommen. Der Verlag bietet die Technik, zahlt die Reisen quer über den Globus, die Autorinnen liefern den Inhalt. Brillen, Schuhe, Mäntel und Kleider von Acne, Weekday, Givenchy, Lanvin oder Stine Goya – geschrieben wird über das, was gefällt. Subjektiv. Und mit Herz. 650.000 Besucher hat die Webseite pro Monat.

Jessica Weiß wuppt das Projekt inzwischen alleine, Knolle stieg vor einem Jahr aus – zum Abschluss des gemeinsamen Modewahnsinns haben die beiden nun das Buch „Modestrecke“ im Berlim Verlag veröffentlicht. All ihre Erfahrungen in der Modewelt chronologisch zusammengepresst zwischen zwei Buchdeckeln, Geschichten wie die von der Modewoche in New York, als die beiden plötzlich hinter der „Vogue“-Chefin Anna Wintour saßen. All das liest sich wie eine Mail von einer guten Freundin und ist auf dem besten Weg, ein Bestseller zu werden.

Am nächsten Sonnabend stellen die Bloggerinnen ihre 222 Seiten Gedrucktes vor, im Rahmen der Fashion Week in Berlin. Natürlich.

Die Fashion Week in Berlin

Zentraler Treffpunkt der Modeleute ist er Bebelplatz in Berlin-Mitte: Hier steht das große Zelt der Mercedes-Benz Fashion Week, in dem von Mittwoch bis Sonnabend die Designer ihre Kollektionen für Herbst und Winter 2011 zeigen – insgesamt sind mehr als 40 Marken präsent.

Zu den Modenschauen hat nur Zutritt, wer persönlich eingeladen wurde. Höhepunkte sind am Mittwoch die Schauen der Wiener Designerin Lena Hoschek sowie die neuen Entwürfe des Kultlabels Lala Berlin, am Donnerstag lockt vor allem die Show von Perret Schaad die Modeleute. Freitag feiert die Mainzer Designerin Anja Gockel ihr 15-jähriges Bestehen mit Topmodel Lily Cole, und auch Kaviar Gauche schickt seine Models auf den Laufsteg, am Sonnabend sind Marcel Ostertag und Vladimir Karaleev an der Reihe. Doch am Bebelplatz geht es vor allem um sehen und gesehen werden.

Die spannenden Events finden außerhalb des Zeltes statt: So zeigen Escada, Guess, die Berliner Newcomer Mongrels in common sowie Hugo und Michalsky ihre Mode „offsite“, also abseits der Fashionweek an unterschiedlichen Orten. Auch hier haben Gäste nur mit Einladung Zutritt. Wer auch ohne VIP-Pass etwas mitbekommen will, kann eine Tour durch die Showrooms machen. Zudem finden auch einige Fachmessen wie „Bread & Butter“ und „Bright“ für Streetstyle-Mode, die Wäscheschau „5 Elements“ und die Lifestylemesse „Premium“ statt.

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