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Chucks im neuen Design: Muss das sein?

Hersteller überarbeitet Turnschuh Chucks im neuen Design: Muss das sein?

Sie sind der Lieblingsschuh von Anzugträgern und Hippies – bisher. Denn nach 98 Jahren bekommen die Chucks ein neues Design. Converse will mit dem neuem Modell eine neue Ära einläuten. Muss das wirklich sein?

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Neues Design und angeblich auch mehr Komfort: Der Chuck Taylor All Star II.

Quelle: Converse

Hannover. Eigentlich ist er mehr eine Krankheit als ein Turnschuh. Ein Schuh aus Gummi und Leinen, der nach kürzester Zeit ausgelatscht an den Füßen klebt und bei jedem Schritt quietscht. Ein Schuh, der weder vor Kälte noch Nässe schützt, und schon gar nicht vor Schweiß.

Ein Schuh, angefertigt – ach nein – zusammengeklebt, seit der Zeit, als das Fußbett noch gar nicht erfunden war. Ein Schuh, der trotz Stinkefüßen und brettharter Sohle so gut läuft wie Rekordrenner Usain Bolt – zumindest über die Ladentische. Der Converse Chuck Taylor All Star, kurz Chuck, ist ein Schuhwunder.

Trotz ungebremsten Erfolgs hat das Unternehmen – mittlerweile gehört es zu Nike – seinem Kultschuh jetzt eine Runderneuerung verpasst. Der Nachfolger Chuck Taylor All Star II soll das Unmögliche möglich machen: mehr Komfort für den Klassiker, ohne seine treuen Träger zu verschrecken, die seit Jahren die gleichen Stofflatschen kaufen.

Das neue Design, so hofft Converse-Chef Jim Calhoun, soll der Marke „zu noch mehr Popularität“ verhelfen und der „Beginn einer neuen Ära“ sein. Alles gut und schön. Aber muss das sein?

Fest steht: Noch immer sind die alten Chucks die Ikone unter den Sneakers und mit einer Milliarde Paaren das meistverkaufte Schuhmodell der Modegeschichte. Und das, obwohl sie seit ihrer Geburtsstunde vor 98 Jahren immer gleich aussahen. Oder gerade deshalb.

Der erste Schuh der Marke All Star war schwarz mit weißen Schnürsenkeln und Sohlen und kam 1917 auf den Markt. Die von Marquis Converse in den USA gegründete „Converse Rubber Shoe Company“ hatte die Gummisohle eigens für die frühen Basketballspiele auf Parkettboden entwickelt.

Basketballlegende und Converse-Mitarbeiter Chuck Taylor entwickelte den Schuh weiter. Bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin dribbelte sich die gesamte amerikanische Basketballmannschaft in Chucks zur Goldmedaille. Getreu dem Converse-Motto „From the court, to the field, to the street“ wurden die Chucks straßentauglich – ein Selbstläufer der Popkultur.

Die Hippies, die Punks, John F. Kennedy, Elvis Presley, James Dean, Kurt Cobain, The Ramones, sie alle trugen den Stofftreter. Auch heute tauchen die weißen Plastikkappen auf den roten Teppichen auf: Vampirfilmdarstellerin Kristen Stewardt kombinierte sie zum Abendkleid.

Allerdings verschwanden die Chucks zwischenzeitlich aus den Geschäften. 2001 meldete Converse Konkurs an, schloss alle amerikanischen Fabriken und ließ in Asien produzieren. Seine Rettung verdankt der Turnschuh dem Sportartikelhersteller Nike, der Converse 2003 kaufte. Der wiederkehrende Erfolg des Basketballschuhs geht auf seine Anarcho-Attitüde zurück. Die Chucks sind ein Lebensgefühl oder besser: das Sehnsuchtsgefühl, ein bisschen Punk sein zu wollen.

Und Converse hat es lange dabei belassen: Mit hohem Schaft oder ohne, ohne Schnürsenkel, auch mal in Leder oder mit Winterfutter, aber an Form und Design änderte sich so gut wie nichts. Wer cool sein wollte, wartete, bis das perfekte Weiß der Kappe schmutzig und staubig war. Und dann ab in die Waschmaschine. Und wieder von vorn. Bis der Schuh aus allen Nähten platzte.

Und jetzt das: mit Lunarlon-Sohle, wie sie auch im gehypten Air Max von Nike stecken. Mit langlebigeren Tencel-Fasern, Anti-Rutsch-Zunge, Mikro-Futter, Wildleder-Innenseiten. Und Fußbett. Mal ehrlich: Hätte James Dean Einlegesohlen gewollt?

Klar, äußerlich soll sich so gut wie nichts geändert haben. Der schwarze Streifen auf der Sohle ist weg, das Logo ist nicht mehr aufgeklebt, sondern aufgestickt, die Ösen sind farbig und nicht mehr weiß. Die Chucks 2.0 wirken edler, erwachsener.

Jetzt kann man sie auch zum Anzug tragen – das wirkt modisch – aber eben nicht mehr rebellisch. Der unangepasste Charakter ist dahin. Oder scheint das nur so? Auch der Preis ist neu: Statt 60 Euro kostet der Low-Top 75 Euro, der High-Top 80 Euro.

Seit Nike mit Großflächenplakaten, Trailern auf Facebook und Twitter für die Chucks reloaded wirbt, schreit die Anarcho-Gemeinde im Netz auf: "Schade, dass man das Gute immer versauen muss", schreiben die Kritiker. "Classic bleibt Classic! Oder einfach: "Nein!"

Leute, denkt weiter, beschwichtigt CEO Jim Calhoun: "Die Kinder wachsen auf in einer Welt, die Komfort kennt und erwartet – und unbequeme Dinge nicht hinnehmen wird." Auch wenn es die alten Modelle wohl noch eine Weile gibt, ist es Zeit, sich zu verabschieden. Die Einzigen, die sicher jubeln, sind wahrscheinlich: Orthopäden.

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