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Die EnkeApp kann Leben retten

Robert-Enke-Stiftung Die EnkeApp kann Leben retten

Depressionen gelten in unserer Gesellschaft noch immer als großes Tabuthema. Die Robert-Enke-Stiftung bricht mit diesen Grenzen und bietet Betroffenen Auswege an. Einer davon ist die EnkeApp, die seit 2016 bereits 50.000 Mal geladen wurde. Im Interview spricht die Entwicklerin über den Erfolg.

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Helfen im Kampf gegen Depressionen: (v.l.) Julius und Johanna Rothmann von der Bornemann migardo GmbH und Alexander Hessel und Clarissa Wulf von der Robert-Enke-Stiftung.

Quelle: Sielski

Hannover. Die Bornemann migardo GmbH aus Hannover ist auf die Entwicklung von Apps mit dem Schwerpunkt SOS/Notfall, GPS und Kommunikation spezialisiert. Im vergangenen Jahr war sie an der Entwicklung der EnkeApp für die Robert-Enke-Stiftung beteiligt. Johanna Rothmann ist Mitglied der Geschäftsführung und erzählt im Interview, wie es zur der Zusammenarbeit kam und was sich hinter der preisgekrönten EnkeApp verbirgt.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit der Robert-Enke-Stiftung?

Wir hatten als Hannoveraner Familienunternehmen immer wieder Berührungspunkte mit der Robert-Enke-Stiftung und haben natürlich damals die Geschichte von Robert Enke genau so verfolgt, wie zig Tausende auch. Als wir 2012 entschieden, uns dem Thema SOS und Notruf zukünftig technisch zu nähern, hatten wir damit auch die Idee, mit unseren Produkten Menschen in schwierigen Situationen Hilfe zuteil werden zu lassen und sie durch diese Situationen zu begleiten.

Depression ist – besonders bei Sportlern – häufig ein Tabuthema. Warum ist das so?

Ich kann mir vorstellen, dass Sportler oftmals unter einem erhöhten Leistungs- und Erfolgsdruck stehen. Zusätzlich sind sie oftmals einer sehr direkten Bewertung ihrer eigenen Leistungen ausgesetzt. Dieser Umstand kann dazu führen, dass Überforderungssituationen öfter eintreten, diese allerdings vielleicht nicht gleich, oder nicht als ernstzunehmend erkannt werden. Auch, weil sie nicht in den Leistungsgedanken oder den eigenen Anspruch passen, oder Versagensängste auslösen.

Solche Tendenzen findet man nicht nur im Sport, sondern auch in anderen Teilen unserer Leistungsgesellschaft. Daher richtet sich das Angebot der EnkeApp sowie all unserer Entwicklungen nicht ausschließlich an eine bestimme Personengruppe, sondern an jeden, der in Notsituationen gewappnet sein möchte.

Der Hannover 96- und National-Torwart Robert Enke litt mehrere Jahre lang an Depression und nahm sich 2009 das Leben. Die EnkeApp soll Menschen helfen, einen Weg aus der Depression zu finden. Seit wann gibt es die App und wie funktioniert sie?

Die EnkeApp der Robert-Enke-Stiftung steht seit Oktober 2016 in den App Stores für Android und iOS kostenlos zum Download bereit, der SOS- Ruf ist kostenpflichtig. Bisher wurde die App knapp 50.000 Mal heruntergeladen

Die EnkeApp ist in unterschiedliche Funktionsbereiche aufgeteilt. Neben aktuellen und allgemeinen Informationen über die Arbeit der Robert-Enke-Stiftung finden Interessierte, Betroffene und ihre Angehörigen an vielfältiges Beratungs- und Hilfsangebot, zum Beispiel Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Thema Depression und die Möglichkeit, Stimmungsbilder aufzuzeichnen und einen Depressionstest zu machen.

Zentraler Punkt der App ist der SOS Bereich. Was verbirgt sich dahinter?

Hier findet sich zunächst die Beratungshotline, die von der Robert-Enke-Stiftung in Zusammenarbeit mit der Uniklinik RWTH Aachen angeboten wird. Darunter finden Nutzer den Gruppenruf. Dieser kann betätigt werden, um sich im Bedarfsfall mit Angehörigen oder Freunden in Verbindung zu setzen. In diesem Falle wird die aktuelle Position und die „Bitte um Hilfe“ an die zuvor eingerichtete Gruppe verschickt. Für einen akuten Notfall bietet die App außerdem einen SOS Ruf an, über den zu jeder Zeit ein Notruf in eine Notfallzentrale geschickt werden kann. Rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. Die App übermittelt sowohl den aktuellen Aufenthaltsort, als auch einen Notfallpass mit Daten, die im Fall der Fälle lebenswichtig sein können. Ihm wird umgehend richtig geholfen, indem die Notfallzentrale alle relevanten Maßnahmen einleitet und parallel dazu den hinterlegten Notfallkontakt informiert. Diese Funktion ist das Herzstück all unserer Entwicklungen. Wir haben uns lange damit beschäftigt, diese Funktion technisch auszureifen und für die Appnutzer einfach bedienbar zu gestalten. Im Notfall zählt schließlich jede Sekunde.

Wie lief die App bisher? Wird sie von Erkrankten und deren Umfeld gut angenommen?

Die EnkeApp wird unheimlich gut angenommen. Wir freuen uns, dass die Robert-Enke-Stiftung mit der App wohl nicht nur Betroffene, sondern vor allem Angehörige und das soziale Umfeld erreicht. Das Ziel der App: Sie soll Barrieren abbauen und helfen, sich im Alltag bewusst mit der Erkrankung auseinander zu setzen, sie zu enttabuisieren – auch im sozialen Umfeld. Wie könnte das besser funktionieren, als durch ein Miteinander und einen Austausch in der eigenen Familie und im Freundeskreis?

Wie konnte die App Erkrankten bereits helfen? Gibt es Beispiele?

Vor allem der Gruppenruf wird rege genutzt. Die Kommunikation über die App erleichtert offensichtlich den Austausch, auch in eher ernsten Situationen.

Von RND/Romy Görke

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