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Die Fitness-Pilger von Bogotá

Erst laufen, dann beten Die Fitness-Pilger von Bogotá

In Kolumbien verbindet man mit dem neuesten Trend Körperkult und Religion. Für die Kolumbianer ist das kein Widerspruch. Besonders Models haben Monserrate – Kolumbiens höchstgelegene Basilika – als Trainingsort für sich entdeckt.

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Schön sportlich: Monserrate ist Kolumbiens höchstgelegene Basilika, die Models für ihr Training aufsuchen – und für Bilder in den sozialen Medien.

Quelle: Facebook

Bogota. Beten und Trainieren – und das im hautengen Outfit, passt das zusammen? Auf Bogotás Hausberg schütteln die Models bei dieser Frage nur müde lächelnd den Kopf. Der Monserrate ist mit 3152 Metern der berühmteste Berg der kolumbianischen Hauptstadt, vielleicht sogar in ganz Kolumbien. Um hinauf zur Basilika mit dem Bild des gefallenen Jesus zu gelangen, gibt es zwei Wege: Den komfortablen mit der Seilbahn oder eben den Pilgerweg zu Fuß. Ein perfektes Training für straffe Körper und festen Glauben.

Pilgerweg als Laufsteg

Stolze 600 Höhenmeter gilt es auf dem Weg zur Spitze zu überwinden. Der Aufstieg hinauf über den vor ein paar Jahren neu angelegten Steinweg ist eine sportliche Herausforderung. Nicht nur wegen der dünnen Höhenluft. Sondern vor allem, weil er eine wirklich harte Vorbereitung voraussetzt. Ungeübte sollten es erst gar nicht versuchen.

Und der Pilgerweg ist ein ideales Klettertraining für Bauch, Beine und Po. Daran glauben zumindest zahlreiche Models, die sich morgens früh auf den Weg hinauf in die luftigen Höhen machen. So ist aus Bogotás bekanntem Pilgerweg auch ein sehenswerter Laufsteg geworden, der sich bestens für Selfies in den sozialen Netzwerken eignet.

"Training, Monserrate", schreibt Model Rosita Arias und postet Bilder bei Facebook. Bei Instagram schreibt sie: "Ich danke Gott für das Leben und alles, was er mir gegeben hat." Tausende Likes sind ihr sicher. Und Connie Samanda schreibt "Monserrate: Fitness, gesundes Leben, gesunder Körper". Mile Martinez wiederum stellt sich gleich mit drei weiteren Models zum "Po-Posing".

In der Basilika ist mit der Modenschau vorbei

Was für Europäer eher ungewöhnlich ist, ist für kolumbianische Verhältnisse kein Widerspruch. Vor allem junge Menschen bekennen sich zu Gott und zu ihrem christlichen Glauben. Posts im hautengen Outfit, vermischt mit einem digitalen Glaubensbekenntnis, sind die Regel, nicht die Ausnahme. Körperkult und Religion schließen sich in einem Land, in dem die Kirchen noch voll sind, nicht aus. Daher gehört der Dank an die himmlischen Kräfte für den eigenen schönen Körper zum Posting-Standard.

Pfarrer der Basilika ist Padre Sergio Duarte. "Ich selbst gehe zweimal in der Woche diesen Weg. Ich steige zunächst zum Aufwärmen hinab und gehe dann wieder hinauf", sagt der 60-jährige Geistliche. Er selbst braucht nur eine knappe halbe Stunde, der Mann ist die dünne Höhenluft und den Aufstieg eben gewohnt.

Bei aller Begeisterung für die freizügigen Outfits, ist es in der Basilika mit der Modenschau allerdings vorbei. Fast alle Models ziehen sich eine Jacke über, um niemanden in der Kirche in Verlegenheit zu bringen. Gebetet wird auf dem Monserrate dann doch noch nach althergebrachter Kleiderordnung.

Von Tobias Käufer

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