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Panorama Die Okertalsperre ist auf Grund gelaufen
Nachrichten Panorama Die Okertalsperre ist auf Grund gelaufen
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22:44 30.11.2011
Die Okertalsperre hat immer weniger Wasser. Quelle: Rainer Surrey
Schulenberg

Alle suchen das alte Schulenberg. Denn das alte Schulenberg ist zum Teil wieder aufgetaucht. „Das werden wir in unserem Leben nicht noch mal sehen können“, ist sich Jutta Witte sicher. „Wir sind doch beide schon über 60.“ Gemeinsam mit Ehemann Albert ist sie aus dem Landkreis Hildesheim zur Okertalsperre gefahren, um die Überreste des einstigen Harzer Dorfes zu sehen, das beim Bau des Stausees 1955 abgerissen und dann geflutet wurde. Wegen der anhaltenden Trockenheit ist die Talsperre so leer wie seit 1960 nicht mehr.

Jede Sekunde fließen zwar 185 Liter Wasser hinein. In der selben Zeit verliert der größte Stausee im Westharz aber auch 1300 Liter. Seit Mitte Oktober gab es im Harz fast keinen Regen und Schnee. Jeden Tag sinkt der Pegel so um zehn Zentimeter. Nur noch knapp 23 Prozent des Volumens ist gefüllt. Der See gibt frei, was seit Jahrzehnten nicht mehr zu sehen war. Und das ist eine Attraktion für Besucher.

Viel ist es allerdings nicht, was die versunkene Ortschaft Schulenberg, die am Hang oberhalb des Sees neu aufgebaut wurde, von sich zeigt. Wenige schwarze Mauern ragen aus dem Schlamm heraus. Deutlich ist die ehemalige Durchfahrtsstraße zu erkennen. Abgefallen von längst entsorgten Bootsstegen liegen ein paar gesunkene Fässer auf dem Boden des Sees. Ist das Becken voll, dümpeln sie in fast 30 Metern Tiefe. „In meiner Zeit war der Pegel noch nie so weit runter wie jetzt“, sagt Norbert Blume mit Blick auf die zerklüfteten Uferhänge. „Hier könnte man für eine Marsmission üben.“ Blume ist der Talsperrenmeister.

Seit 30 Jahren arbeitet der gebürtige Harzer für die Harzwasserwerke an der Okertalsperre. Er überwacht die Uferlinie, den Wasserstand und das über einen Stollen angeschlossene Wasserkraftwerk. Denn der Stausee wird im Gegensatz zu den Schwestertalsperren Grane, Ecker und Söse nicht zur Trinkwassergewinnung genutzt. Hier wird Strom produziert. Und dieser Punkt macht Talsperrenmeister Blume am ehesten Sorgen. Sinke der Pegel noch um weitere acht Meter, sei es aus mit dem Strom aus Wasser, sagt er. „Dann verdienen die Harzwasserwerke kein Geld mehr.“ Einmal, 1960, stand das Wasser bereits so tief. Die Trinkwasserversorgung aus dem Harz sei dagegen nicht gefährdet, versichert das Unternehmen. Noch seien trotz anhaltender Trockenheit gut 50 Millionen Kubikmeter gespeichert.

Alles andere, was sich derzeit oberhalb des Wasserspiegels abspielt, betrachtet Blume leicht amüsiert. Die Spaziergänger, die an den steilen, zerklüfteten Hängen, an die sonst die Wellen schlagen, rauf- und runterklettern. Die Souvenirjäger, die jahrzehntealtes, verwittertes Holz wegen der skurrilen Formen vom Grund aufsammeln. Die Begeisterung, mit der die Touristen jeden der trockengelegten Hänge fotografieren. „Wenn sie hinterher noch zum Kaffeetrinken einkehren, ist es gut“, sagt Blume. Der Westharz steckt in der Krise. Jeder Besucher ist willkommen.

Die Bedienung im Gasthaus Brückenschänke, dessen Außenbereich nun eher Aussichtsplattform als Seeterrasse ist, ist vor allem gestresst. „Alles wegen Schulenberg. Alle gucken sich die Steinchen an. Schlimm!“, sagt sie und schnauft dreimal durch. Normalerweise ist das Lokal in dieser Jahreszeit nicht so voll. Sie bedient alleine. Weit unter ihr liegt der Ausflugsdampfer MS „AquaMarin“ an der einzigen Anlegestelle, die so weit hinunter reicht. „Wir fahren trotzdem“, sagt Reeder Michael Römermann. „Die Gäste finden es spektakulär.“ Und Norbert Blume bleibt professionell gelassen. „Die Natur gleicht alles aus“, sagt er. Die nächsten Tage soll es regnen.

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