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Panorama Trump und das deutsche Dorf der Großmäuler
Nachrichten Panorama Trump und das deutsche Dorf der Großmäuler
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09:12 18.09.2015
Die Großeltern von Donald Trump stammten aus Kallstadt. Sie hießen Drumpf. Quelle: Frederic J. Brown
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Kallstadt

In einer Fernsehdokumentation, die ein US-Sender wohl als lustigen Beitrag zum aufziehenden Wahlkampf gesendet hat, geht es um die Ahnen des republikanischen Sprücheklopfers Donald Trump. Seine Großeltern stammen aus Kallstadt, und eben die Einwohner dieses Dörfchens haben in den umliegenden Ortschaften angeblich den Ruf, allesamt „Brulljesmacher“ zu sein, auf Hochdeutsch: Angeber.

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Darüber lacht Amerika und nach und nach der Rest der Welt: Trump, das Großmaul, aus dem Dorf der Großmäuler. So einer will Präsident werden? Abgesehen davon, dass man schon im nahen Oggersheim den Ausdruck „Brulljesmacher“ nicht kennt, müssen sich die schenkelklopfenden US-Medien mal wieder sagen lassen, dass es mit ihrer Weltläufigkeit so weit nun auch wieder nicht her sein kann.

Ohne Weiteres hätten sie in Erfahrung bringen können, dass man die Großmäuligkeit und Lautsprecherei keineswegs allein dem Kallstadter nachsagt, sondern dem Pfälzer an sich. Niemand anders als der Oggersheimer und Vorzeige-Pfälzer Helmut Kohl hat in seiner Doktorarbeit aus den Fünfzigerjahren des vorigen Jahrhunderts so über seine pfälzischen Landsleute geurteilt (Seite 48): „Neben einem ausgeprägten Sinn für Toleranz besteht jedoch häufig ein allzu starkes und unangenehmes Selbstgefühl. In diesem ,lautstarken’ Auftreten hat auch der ,Pfälzer Krischer’ seinen Ursprung.“

Saumagen wichtiger als Millionen Dollar

So gesehen ist Donald Trump schuldlos: Er hat es einfach im Blut. Nicht anders als Kohl auch. Fragt man in Kallstadt nach den berühmtesten Kindern des Ortes, nennt übrigens kein Mensch Trump, auch nicht die Ketchup-Familie Heinz, die ebenfalls von hier aus nach Übersee ging. Alle verweisen auf die begnadete Köchin und legendäre Wirtin Luise Henninger (1871–1951).

Sie war es, die den längst in Vergessenheit geratenen Saumagen wiederentdeckte und aus dem einstigen Arme-Leute-Essen eine Pfälzer Delikatesse machte. Kallstadter Saumagen kann man auch trinken. In dem Weinberg gleichen Namens wächst ein respektabler Riesling.

Die Großeltern von Trump wollten übrigens seinerzeit wieder zurück in die heimelige Pfalz. Die bayerischen Behörden – die Pfalz gehörte damals zu Bayern – nahmen sie aber nicht wieder auf, weil sie als „illegale Auswanderer“ galten. Wenn die amerikanischen Wähler über den „Law and Order“-Mann Donald Trump hören, dass er ein Nachfahre von „Illegalen“ ist, haben sie wirklich was zu lachen.

Reinhard Urschel

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