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Dorf kämpft um seinen Paketboten

DHL will Zusteller versetzen Dorf kämpft um seinen Paketboten

Worfelden in Hessen hat seinen Paketboten fest ins Herz geschlossen, für die Einwohner ist er "fast ein Familienmitglied". Doch nun soll er versetzt werden. Gegen die Entscheidung des Konzerns rebelliert der kleine Ort. Bisher vergebens.

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Paketbote Helmut Becker im Juli 2015 in Worfelden (Hessen): Das Dorf wehrt sich gegen die Post DHL, weil diese den Paketzusteller versetzen will.

Quelle: dpa

Büttelborn. Nach fast drei Jahrzehnten soll Helmut Becker (56) seinen Bezirk im Büttelborner Ortsteil Worfelden verlassen und ins zehn Kilometer entfernte Mörfelden-Walldorf wechseln. Die Bürger von Worfelden im Rhein-Main-Gebiet wollen ihn aber nicht ziehen lassen. Sie vertrauen dem Boten und geben ihm sogar die Hausschlüssel, damit er Pakete abgeben kann, wenn niemand da ist.

Becker gelte als "absolut integer", sagte Pfarrer Richard Luh. Er sei "fast ein Familienmitglied". Am Donnerstag soll am Bürgerhaus in Büttelborn-Worfelden protestiert werden. Zu einer vorausgangenen Aktion waren etwa 200 Leute gekommen. Der Ort hat nur rund 4500 Einwohner.

"Ein Härtefall"

Die Deutsche Post will bei ihrer Entscheidung bleiben, dass Becker im August nach Mörfelden-Walldorf wechselt. Wegen des immer stärker werdenden Online-Handels müssten die Zustellbezirke anders zugeschnitten werden, auch Worfelden. "Helmut Becker ist ein Härtefall, keine Frage", sagte Post-Sprecher Stefan Heß in Frankfurt. "Aber wir können einem Boten eine Route nicht lebenslang zusichern."

Die Post sagt, wegen des immer stärker werdenden Online-Handels müssten die Zustellbezirke anders zugeschnitten werden. Beckers Bezirk könne deshalb nicht bestehen bleiben. Das sei auch kein Einzelfall. Immerhin gebe es in Deutschland rund 100.000 Post- und Paketboten.

"Absolut integer"

Warum hängen die Bürger des Ortes im Rhein-Main-Gebiet so an dem Boten? Becker gelte als "absolut integer", sagt Pfarrer Richard Luh von der evangelischen Kirchengemeinde. Er sei "fast ein Familienmitglied". Er habe geholfen, wo er nur konnte. Sogar Hausschlüssel habe der 56-Jährige gehabt, damit er Pakete auf alle Fälle abgeben kann, erzählt Bürgermeister Andreas Rotzinger (CDU).

"Wir finden das einfach frech von der DHL, auf die Stimme eines ganzen Ortes zu pfeifen", sagt Torsten Hotz, der eine Protestaktion unter dem Motto "Wir wollen Helmut behalten" mit anschob. Immerhin fast 2000 Leute hätten für Beckers Bleiben unterschrieben – und damit knapp jeder zweite Einwohner.

Die letzte Fahrt

Auf alle Fälle wollen die Bürger Worfeldens Becker einen feierlichen Abschied bereiten, bevor er voraussichtlich ab 4. August seine neue Route hat. "Wir werden ihn fragen, wann er das letzte Mal fährt", sagt Holz. Dann wollen sie noch einmal "Danke" sagen.

Von Joachim Baier

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