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Vierlinge von 65-Jähriger zu Hause

Drei Monate nach der Geburt Vierlinge von 65-Jähriger zu Hause

Bei ihrer Geburt wogen sie noch nicht einmal ein Kilo. Jetzt haben sich die Vierlinge der 65-Jährigen Annegret R. so gut ins Leben gekämpft, dass sie aus der Klinik entlassen werden konnten.

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Die älteste Mutter Deutschlands Annegret Raunigk und ihre Tochter Lelia, eine Aufnahme von 2005: Neuere Aufnahmen gibt es kaum. Der Kölner Privatsender RTL hat die 65-Jährige exklusiv unter Vertrag.

Quelle: Patrick Lux/dpa

Berlin. Sie gilt bislang als die umstrittenste Geburt des Jahres: Im Alter von 65-Jahren brachte die Berlinerin Annegret R. am 19. Mai Vierlinge zur Welt. Geboren in der 26. Schwangerschaftswoche, mit zarten 655 bis 960 Gramm und einer Größe von nur 30 bis 35 Zentimetern, kämpften sich Neeta, Dries, Bence und Fjonn ins Leben. Nach drei Monaten auf der Frühchenstation der Berliner Charité konnten die Ärzte das Mädchen und die drei Jungen nun nach Hause entlassen.

"Wenn extrem unreife Frühgeborene sich dem eigentlichen Entbindungstermin nähern, ist die Zeit für den Abschied aus dem Krankenhaus gekommen. Häufig sind sie sogar schon einige Wochen vor diesem Termin soweit, dass sie nach Hause können", sagte Professor Christoph Bührer, Neonatologie-Chef der Berliner Charité, am Donnerstag. Die Vierlinge gelten weltweit als einzigartig, weil ihre Mutter sie in einem relativ hohen Alter zur Welt brachte – rund 15 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin. "Alle vier haben sich seitdem gut entwickelt und wiegen inzwischen mehr als 2,5 Kilogramm", erläuterte eine Charité-Sprecherin.

Geburt per Kaiserschnitt

Annegret R., die das Krankenhaus schon wenige Tage nach der Geburt verlassen konnte, hatte die Kleinen mit abgepumpter Muttermilch aufgepäppelt. Die Lehrerin hat bereits 13 größere Kinder. Ärzten zufolge hatte sie die Schwangerschaft – ermöglicht durch Samen- und Eizellenspenden in der Ukraine – erstaunlich gut bewältigt. Am Tag vor der Geburt stellte sich Annegret R. in der Klinik vor, weil es ihr nicht gut ging: Bluthochdruck. In der Nacht setzten dann vorzeitige Wehen ein. Die Geburt per Kaiserschnitt am nächsten Tag lief den Ärzten zufolge gut, zwei der Kinder atmeten von Anfang an bereits spontan.

Trotzdem ist der Fall umstritten. "Eine solche Schwangerschaft kann und darf für niemanden ein Vorbild sein", sagte etwa der SPD-Experte Karl Lauterbach im April. Aus ärztlicher und ethischer Sicht werde hier eine Grenze überschritten." Bei künstlichen Befruchtungen im hohen Alter sei das Risiko von Frühgeburten erheblich und die Wahrscheinlichkeit von bleibenden Schäden sehr hoch. In Deutschland wurden seit 1997 mehr als 200.000 Kinder nach einer künstlichen Befruchtung geboren. Zwar handelt es sich bei Annegret R. um einen Extremfall, doch bei unerfülltem Kinderwunsch suchen Paare generell immer später Hilfe.

In den rund 130 Kinderwunschzentren deutschlandweit sind die Patientinnen meist über 30, Tendenz steigend: Waren sie 1997 bei einer künstlichen Befruchtung im Schnitt noch 32,6 Jahre alt, entschieden sie sich 2013 erst im Alter von etwa 35 Jahren für diesen Schritt, wie aus jüngst verfügbaren Zahlen aus dem sogenannten IVF-Register hervorgeht. "Das optimale Fruchtbarkeitsalter liegt immer noch bei unter 30 und nicht über 30 Jahren", betont Tina Buchholz, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin.

Von Anja Sokolow und Andrea Barthélémy

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