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Dresdener Wahrzeichen ist der Anziehungspunkt des Kirchentages

Frauenkirche ist der Star Dresdener Wahrzeichen ist der Anziehungspunkt des Kirchentages

Die Frauenkirche ist ein, sie ist vielleicht sogar das Wahrzeichen Dresdens. Auch im vergangenen Jahr besuchten sie wieder zwei Millionen Menschen aus aller Welt. Die Gottesdienste sind immer bestens besucht. Nicht selten hat Pfarrer Sebastian Feydt am Sonntagmorgen vor 1000 Menschen zu predigen

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In einer langen Schlange warten am Freitag vor der Frauenkirche Gäste auf Einlass.

Bei der ersten Info muss man sich ausnahmsweise mal aufs Hören und aufs Sagen verlassen. Tatsächlich sollen in diesen Tagen schon vier Uhr in der Früh die ersten Kirchentagsteilnehmer aufstehen, um zwei Stunden später zu den Ersten zu gehören, die die morgendliche Andacht in Dresdens prominentesten Gotteshaus erleben können. Laut Pfarrer Sebastian Feydt (45) sind es in aller Herrgottsfrühe gut 400 Christinnen und Christen, die dieses erste Kirchentagsangebot in Anspruch nehmen. Feydt selbst steht da freilich noch nicht verkündigend zur Verfügung: „Ich bin nun mal kein Frühaufsteher, die Morgenandacht auf der Aussichtsterrasse überlasse ich also lieber meinem Kollegen Treutmann.“

Seit gut zwei Jahren darf Feydt in der Frauenkirche auf der ersten Pfarrstelle „dienen“. Ein besserer Terminus fällt dem Pfarrer, der zuvor in der Leipziger Bethlehemgemeinde Basisarbeit leistete, nicht ein. Feydt kann in der Frauenkirche keine Kirchgemeinde betreuen, denn die gibt es bei diesem Gotteshaus nicht, man gehört rein organisatorisch zur nahen Kreuzkirchen-Gemeinde. Feydt möchte aber den Dienst in Deutschlands wohl prominentester Kirche nicht missen. Zudem er ja auch „ohne eigene Schäfchen“ beispielsweise schon 400 Kinder und 100 Erwachsene hat taufen können.

Der evangelische Kirchentag in Dresden ist am 2. Juni mit einem Forum zum Thema „Bibelarbeit“ fortgesetzt worden. Die Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche Margot Käßmann sprach darüber hinaus über die Kinderarmut in Deutschland und die NATO-Kampfeinsätze in Libyen.

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Die Frauenkirche ist ein, sie ist vielleicht sogar das Wahrzeichen Dresdens. Auch im vergangenen Jahr besuchten sie wieder zwei Millionen Menschen aus aller Welt. Die Gottesdienste sind immer bestens besucht. Nicht selten hat Feydt am Sonntagmorgen vor 1000 Menschen zu predigen. „Gut, dass da meine zitternden Beine hinter der Kanzel versteckt sind“, sagt der Pfarrer.

An den Kirchentagstagen ist die Frauenkirche von sechs Uhr in der Früh bis weit nach Mitternacht, wenn in der Unterkirche noch immer Andacht bei den Friedensnächten gehalten wird, offen für alle. Zu den prominenten Gästen gehört auch der Historiker Fritz Stern (86). Stern, der seit 1938 in den USA lebt, hatte schon an manch einem prominenten Ort der Welt seinen Auftritt, eine Talkrunde in der Frauenkirche ist aber auch für ihn was Besonderes. „Ich bin sehr ergriffen, hier sprechen zu können“, sagt er und freut sich sichtbar über den Beifall, als er den „Heroismus der Leipziger und Dresdener“ benennt, die mit vielen anderen Ostdeutschen für die Friedliche Revolution gesorgt hatten. Stern hat viele Lebensphasen erlebt – die fünfte mit dem Erlebnis der deutschen Wiedervereinigung ist für ihn jenes, das ihn glücklich macht: „1989 war mein schönstes Jahr.“

Der Evangelische Kirchentag in Dresden ist eröffnet. Fünf Tage lang wollen 120.000 Gläubige von diesem Mittwoch an über Politik und die Bibel diskutieren. Das Laientreffen soll den Christen Mut machen - vor allem im Osten, wo sie in der Minderheit sind.

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Fritz Stern redet. Und auch draußen hören ihm die Menschen Dank Tonübertragung zu, weil an den Kirchentüren das Schild „Kirche überfüllt“ prangt. Von ziemlich weit her sind Jürgen und Elvira Baumann nach Dresden gekommen. Die Ostfriesen aus Bunde nahe der holländischen Grenze reihen sich ein in eine lange Reihe der Wartenden, die die Mittagsandacht in der Frauenkirche erleben wollen. „Ein besseres Ambiente für einen Kirchentag als Dresdens Frauenkirche können wir uns nicht vorstellen“, sagt Baumann und nimmt die Wartezeit mit mehr als 1000 Gleichgesinnten ohne Murren in Kauf. Das Anstehen, wie man es in einem wohlhabenden Land eigentlich nicht mehr gewohnt ist, lassen sich auch Sylvia und Karl-Harmut Seyerle aus Darmstadt im wahrsten Sinn gefallen: „Was für ein Atmosphäre! Besonders gefällt mir das Schild von der überfüllten Kirche. Wenn das doch auch sonst und nicht nur an dieser wunderbaren Frauenkirche der Fall wäre ...“ Sie werden noch mal wiederkommen, hängen sie doch an den Kirchentag noch einige Tage Urlaub dran, Standort Campingplatz Moritzburg.

Pfarrer Feydt macht beste Miene zum anstrengenden wie auch beglückenden Kirchentagsspiel. Natürlich weiß er, dass mit zigtausenden Besuchern an wenigen Tagen das Kunstwerk Frauenkirche wieder mal an die Grenze seiner Belastbarkeit kommt. Das aber sei nichts Neues. Trubel herrsche doch meistens hier. Das seit gut fünf Jahren fertiggestellte Haus muss ständig gut gewartet werden. Als Beitrag zur Energie-Effizienz wurde gerade eine neue Beleuchtung eingebaut, auch galt es, für besseres Klima zu sorgen, und die Kirchenbänke mussten aufgefrischt werden. Feydt: „Wir stehen gern im Zentrum dieser Stadt und das natürlich auch zum Kirchentag. Wo kann man sonst so eindrucksvoll von Schuld, Vergebung und Versöhnung Kenntnis nehmen?“, fragt der Pfarrer.

Thomas Mayer

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