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Journalisten-Mörder sah sich als Rächer

Mord vor laufender Kamera Journalisten-Mörder sah sich als Rächer

Reporterin Alison Parker und Kameramann Adam Ward wurden vor laufender Kamera erschossen. Ihr 41-Jähriger Mörder Vester F. hat eine Art Manifest an den Sender ABC geschickt. Darin huldigt er anscheinend anderen Amokläufern. Er sah sich bis zuletzt im Recht.

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Screenshot des Interviews: Der Täter griff die Journalisten Alison Parker (links) und Adam Ward (nicht im Bild) während einer Live-Sendung am Mittwochmorgen an.

Quelle: Twitter/WDBJ TV

Moneta. Als die Schüsse fallen, interviewt Alison Parker in einem Shopping-Center gerade eine Vertreterin der örtlichen Handelskammer. Dann geht alles ganz schnell. Für einen Sekundenbruchteil sieht man noch das entsetzte Gesicht der Reporterin, Schüsse hallen, dann geht die Kamera zu Boden. Sie liegt jetzt hochkant auf dem Boden, zeigt in Richtung des Schützen. Dort steht der 41-jährige Vester F. und zielt direkt in die Linse. Der Sender WDBJ7, für den Parker und Ward arbeiteten, veröffentlicht das Standbild kurz darauf auf Twitter.

Der brutale Doppelmord vor laufender Kamera in Moneta im US-Bundesstaat Virginia beschäftigt seit Mittwoch Medien wie Öffentlichkeit gleichermaßen. Journalistin Alison Parker wurde 24, Kameramann Adam Ward 27 Jahre alt. Die interviewte Frau, eine Vertreterin der lokalen Handelskammer, wurde in den Rücken geschossen und kam ins Krankenhaus. Ihr Zustand sei stabil. Auch der Schütze ist am Ende des Tages tot. Bei dem Versuch, sich mit einem Schuss das Leben zu nehmen, verletzt er sich schwer und stirbt kurz darauf im Krankenhaus. Der Schwerverletzte war auf der Schnellstraße I66 gefasst worden, fast 280 Kilometer entfernt vom Tatort.

Am Tag nach dem Mord wird das Motiv von Vester F. nun immer deutlicher. Er war vor einiger Zeit von WDBJ gefeuert worden – zu Unrecht, wie er fand. Nach dem Mord schickte er ein Fax an den Sender ABC, das eine Art "Manifest" enthielt. ABC veröffentlichte Ausschnitte, in denen sich der 41-Jährige auf andere Amokläufer bezieht. Über den weißen Rassisten, der im Juni in einer Kirche in Charleston neun Afro-Amerikaner tötete, schreibt er: „Was Dylann Roof betrifft. Du willst einen Krieg der Rassen? DANN ZEIG WAS DU HAST, DU WEISSER… Jehova hat zu mir gesprochen, dass ich was tun soll“. Dem Vernehmen nach war F. selbst Zeuge Jehovas. Auf andere Amokläufer beziehe sich F. positiv, berichtete ABC, darunter die Killer der Columbine High School.

Die beiden Journalisten Alison Parker und Adam Ward werden vor laufender Kamera erschossen. Der Beitrag ist nicht mehr online, dafür Standbilder. Sie zeigen die Tat in Einzelszenen – und enthalten teils erschreckende Aufnahmen.

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Ein Motiv, dass sich durch das Leben des Schützen zieht: Er fühlte sich als Schwarzer und Homosexueller verfolgt. Auch den beiden getöteten Reportern warf er Rassismus vor. In seinem Schreiben bezeichnete er sich als "wütenden Menschen", der "Frieden spüren will". Es besteht wenig Zweifel daran, dass er sich bis zuletzt im Recht sah. Dafür spricht auch, dass er die Morde filmte und anschließend veröffentlichte. "Ich habe die Schüsse gefilmt, siehe Facebook", war in seinem Account zu lesen. Das Video dauert insgesamt eine Minute. Es wurde aus beiden Netzwerken rasch entfernt.

WDBJ-Manager Jeff Marks sagte Fox News, der 41-Jährige sei ein schwieriger Mensch gewesen, mit dem man nicht gut habe zusammenarbeiten können. Er habe sich schlecht behandelt gefühlt, an seinen Vorwürfen sei aber nichts dran gewesen. Er habe zwei Jahre für den Sender gearbeitet. Die Journalistin Parker, die vor etwa vier Jahren als Praktikantin bei dem Sender begann, sei dort ein "Rockstar" gewesen, sagte ihre Kollegin Kimberly McBroom. Ward war mit einer weiteren Mitarbeiterin des Senders verlobt, die beiden wollten bald heiraten. "Wir stehen alle unter Schock", sagte Nachrichtensprecherin Jean Jadhon. Im Studio höre man die Mitarbeiter weinen. "Wir lieben Euch, Alison und Adam", twitterte der Sender.

"Uns bricht das Herz", sagte WDBJ7-Manager Jeff Marks. "Dies ist ein schrecklicher Tag für unsere Familie und die Gemeinde, der wir dienen", schrieb Meteorologe Brent Watts auf Twitter. Unmittelbar nach der Tat wurden umliegende Schulen abgeriegelt, wie der Schulbezirk Bedford County auf Facebook mitteilte. "Dies ist eine von Strafverfolgern empfohlene Vorsichtsmaßnahme", hieß es. "Die Sicherheit unserer Schüler und Mitarbeiter liegt heute Morgen über allem anderen." Auch zahlreiche Straßen in der Umgebung waren gesperrt worden.

Auch das Weiße Haus äußerte sich am Mittwoch und sprach von einer schrecklichen Tat. Dieser Zwischenfall zeige erneut, wie dringend der Kongress eine Verschärfung der Waffengesetzgebung angehen müsse, sagte Sprecher Josh Earnest.

dpa/Sindermann/aks

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