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Wenn das Computerspielen zum Job wird

Geschäft der Gamer boomt Wenn das Computerspielen zum Job wird

Millionen Fans gucken ihren Helden beim Zocken zu. Das Geschäft der Gamer boomt. Aber ihre Karriere ist kurz. "Das ist wie beim Fußball: Mit 30 lassen die Reflexe nach", sagt Dennis Gehlen. Ein Blick in die Welt derjenigen, die mit Computerspielen Geld verdienen.

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Einer spielt, viele gucken zu. Und einige, die ihr Hobby zum Beruf machen, können davon leben.

Quelle: shutterstock

Hannover. Als Teenager hätte Dennis Gehlen nicht im Traum gedacht, dass er mal vom Zocken leben würde. Denn am Anfang war alles nur Spaß: Er war 14 Jahre alt, als er 2001 in die virtuelle Fantasiewelt der Computerspiele eintauchte. Über das Internet konnte er gegen Gegner auf der ganzen Welt antreten und seine Erfolge mit einem breiten Publikum teilen.

Das machte ihn berühmt, und mit 25 Jahren machte er sich als professioneller Spieler unter dem Namen TaKe selbstständig. Heute leitet der 30-Jährige TaKeTV, die größte deutschsprachige Firma für elektronische Wettkämpfe. Inzwischen verfolgen mehr als 15 Millionen Zuschauer jährlich diesen Kanal.

Enorme Summen winken

Das Geschäft mit dem Zocken boomt. Computerspieler erobern die Unterhaltungsbranche, und die Stars der Szene verdienen mit dem Spielen enorme Summen: Die erfolgreichsten US-Zocker bekommen laut Gehlen bis zu eine Million Dollar pro Monat. In Deutschland sei es um die 100.000 Dollar.

Die meisten Spiele laufen über das Livestreaming-Videoportal Twitch. Fans können dort Spieler live dabei beobachten, wie sie sich durch die Levels von "Counter-Strike" oder "League of Legends" kämpfen. Dabei kommentieren die sogenannten Let’s Player ihr Spiel.

Lukrative Werbeplattform

Auf dem Streaming-Portal Twitch werden überdies Wettkämpfe im elektronischen Sport übertragen, bei denen Spieler oder Mannschaften in Computerspielen gegeneinander antreten. Schon 2013 verzeichnete Twitch monatlich bis zu 45 Millionen Zuschauer. Heute sind es laut Gehlen fast eine Milliarde.

Globale Unternehmen haben die Gamerszene längst als lukrative Werbeplattform entdeckt. Gehlen hat Werbeverträge mit Partnern wie etwa Red Bull. Durch Zocker wie ihn wollen die Firmen junge Konsumenten erreichen. Denn die Reichweite der Computerspieler ist groß. "Wir erreichen mehr Leute als beim Handball", sagt Gehlen.

Reichlich Zeit vorm Bildschirm

Selbst die Sportler aus der realen Welt investieren in E-Sport. Stars wie Basketballer Shaquille O‘ Neal oder Baseballspieler Alex Rodriguez haben sich bei besonders erfolgerichen Teams eingekauft. Und auch das Fernsehen überträgt bereits Computerspiele. Der Privatsender Sky Sports sicherte sich die Rechte für "Counter-Strike".

Wird Zocken der neue Fußball? Gehlen ist davon überzeugt. Der sportliche Mann mit den großen dunklen Augen entspricht so gar nicht dem Klischee vom pickligen Computerspieler. Tatsächlich verbrachte er als Gamer aber reichlich Zeit vor dem Bildschirm: Sechs Tage die Woche sendete er je sieben Stunden live. Die Filme produzierte er in seiner 55-Quadratmeter-Wohnung. Er trainierte hart,  zockte bis zu 14 Stunden am Tag. "Danach bist du körperlich und geistig fertig", sagt Gehlen.

Nur wenige verdienen Geld

Spieler wie er verdienen Geld durch Werbung, Produktplatzierung und Fans. Ab einer bestimmten Zuschauerzahl bietet Twitch dazu die Möglichkeit, den Spieler für monatlich 4,99 Dollar zu abonnieren. Einige spenden zusätzlich viel Geld für ihre Helden hinter dem Bildschirm. "Die Leute wollen Authentizität", erklärt Gehlen den Erfolg. Im Fernsehen sei vieles aufgesetzt. Der Mix aus Unterhaltung, persönlichen Anekdoten und Talent der Spieler komme da gut an.

Jedoch ist es heute schwerer, sich einen Namen zu machen. Die Konkurrenz ist groß und das Geschäft professionell geworden. Nur wenige verdienen wirklich Geld damit. Auch Gehlen verlässt sich nicht mehr nur auf seinen Erfolg als Spieler. "Das ist wie beim Fußball: Mit 30 lassen die Reflexe nach."

Seit August  konzentriert er sich auf das Management seines neuen E-Sports-Studios in Krefeld. Den Standort wählte er, um bei seiner Familie und seiner Freundin zu sein, denn Urlaub hat er fast nie. Seine Berufswahl hat er trotzdem nie bereut. "Es hat mir immer Spaß gemacht – und was gibt es Schöneres, als sein Hobby zum Beruf zu machen?"

Von Alessandra Röder

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