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Schläfst du schon?

Psychotricks im Kinderzimmer Schläfst du schon?

Ein Buch will Kinder mit Psychotricks zum schnellen Einschlafen bringen. Eltern sind begeistert. Kritiker sprechen dagegen von Manipulation und Optimierungswahn.

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Oft dauert es lange, bis Kinder so friedlich schlafen: Abendliche Rituale wie das Vorlesen einer Geschichte können helfen.

Quelle: Techniker Krankenkasse/dpa

Hannover. An den Anfang hat der Autor eine Warnung gestellt. "Lesen Sie dieses Buch niemals laut in Gegenwart von Personen, die gerade ein Auto oder irgendein anderes Fahrzeug bedienen", steht da in fetten Buchstaben. Es ist der selbstbewusste Beginn eines Buches, das in den USA seit Wochen die Bestsellerlisten anführt. Der Grund: Die Geschichte ist zum Einschlafen. Und zwar angeblich garantiert.

Eltern kennen das von ihren Kindern zu Genüge: Endlose Argumentationsketten, die belegen sollen, dass ihr Kind noch gar nicht müde sei und eigentlich noch Hunger habe. Um dann im Bett auch nach drei vorgelesenen Geschichten hellwach und mit großen Augen zu fragen, ob man ihnen noch einmal ganz genau erklären könne, wer eigentlich Häuser erfunden habe. Und Länder.

Genau für diesen Augenblick hat der schwedische Verhaltenspsychologe und Linguist Carl-Johan Forssén Ehrlin seine Geschichte "Das Kaninchen, das so gern einschlafen will" erfunden. Er arbeitet, so ist im Vorwort zu lesen, mit "kraftvollen psychologischen Techniken" – und die beschränken sich offenbar nicht bloß auf reine Langeweile, wie etwa der Kinderbuchklassiker Bobo Siebenschläfer.

Ehrlins Sätze und Wiederholungen sind nicht nur unspannend, sie erinnern zudem an autogenes Training. So soll der Vorleser fett gedruckte Passagen ("alle schlafen jetzt!") stark betonen, kursive Texte ("Er ist so müde, dass er nicht mehr herumlaufen kann.") leise und langsam sprechen und bei bestimmten Worten beim Sprechen gähnen und den Namen des Hasen Konrad durch die des Kindes ersetzen.

Glaubt man den Kommentaren im Internet, wirkt das Buch Wunder. Eltern beschreiben, dass sie ihre Abende wieder im Wohnzimmer verbrächten, weil das Kind nach 15 Minuten eingeschlafen sei. Andere schreiben nur: "Danke!". Ehrlin, der bisher als Managementtrainer gearbeitet hat und Vater eines Zweijährigen ist, steht seit Wochen an der Spitze der Amazon-Bestsellerlisten.

Allerdings gibt es auch Kritik an den Psychotricks. Von "Manipulation" ist die Rede und vom "Optimierungswahn", der nun in den Kinderzimmern angekommen sei. Wer seinen Kindern Nähe und Vertrauen gebe, habe solche Tricks nicht nötig. Die "Welt" tadelt die Einschlafhilfe mit den Methoden von Managerseminaren gar als "Literaturmissbrauch". Bücher seien nicht dazu da, Leser einzuschläfern.

Der Autor selbst macht darauf aufmerksam, dass das Buch harmlos sei, erklärt aber, er und der Verlag übernähmen "keine Verantwortung für eventuelle Schäden". Man mag es kaum laut sagen: Sehr beruhigend klingt das nicht.

Du wirst gaaaaanz müde: Manipulation oder Hilfe? Das „Einschlafbuch“ wird kontrovers diskutiert.

Quelle: Amazon/Screenshot
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