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Nachrichten Panorama Ein Jahr Hausarrest für australischen Erzbischof
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11:51 03.07.2018
Erzbischof Philip Wilson beim Verlassen des Gerichtsgebäudes. Quelle: EPA
Adelaide

Adelaides Erzbischof Philip Wilson muss nicht ins Gefängnis. Das Amtsgericht in Newcastle, das etwa zwei Stunden nördlich von Sydney liegt, hat den 67-jährigen Geistlichen stattdessen zu zwölf Monaten Hausarrest verurteilt.

Damit kam Wilson relativ ungeschoren davon: Die maximale Strafe für die Vertuschung von Kindesmissbrauch beträgt in Australien zwei Jahre Gefängnis. Doch das Gericht entschied sich wegen des Alters und Gesundheitszustands des Geistlichen für Hausarrest als Strafe. Wilson leidet unter Diabetes und Alzheimer und hat eine Herzschwäche. Die Strafe kann nach sechs Monaten zur Bewährung ausgesetzt werden. Wilson war trotz der Verurteilung im Mai nicht von seiner Position zurückgetreten, sondern hatte nur seine Aufgaben abgegeben.

Opfer hätte sich Gefängnisstrafe gewünscht

Peter Creigh, der als Kind in den 1970er Jahren wiederholt von dem pädophilen Priester James Fletcher missbraucht worden war und Wilson vergeblich um Hilfe gebeten hatte, hatte vor der Urteilsverkündung noch gesagt, er wolle Wilson eingesperrt sehen, um eine Botschaft an religiöse Führer zu senden, dass institutionelle Vertuschungen nicht mehr toleriert werden.

Peter Gogarty, ein weiteres Opfer von Fletcher, der 2006 im Gefängnis gestorben ist, betonte gegenüber dem lokalen Sender ABC jedoch: „Wir haben hier in Australien Geschichte geschrieben.“ Schließlich sei Wilson der ranghöchste Kirchenbeamte, der jemals zur Rechenschaft gezogen worden sei.

Wegweisendes Urteil

Ein australischer Rechtsexperte hatte das Urteil Ende Mai ebenfalls als wegweisend bezeichnet. Laut Craig Caldicott könnte es noch weitaus mehr Anklagen lostreten. Nach Schätzungen des Anwalts liegt die Zahl vergleichbarer Fälle in der katholischen Diözese in Australien in den Hunderten. Zahlen von Missbrauchsfällen, die im Februar 2017 veröffentlicht wurden, lassen vermuten, dass der Jurist recht behalten könnte.

Eine Untersuchungskommission der australischen Regierung berichtete damals von 4444 Menschen, die als Kinder zwischen 1950 bis 2010 von katholischen Priestern missbraucht worden sein sollen. „Es gibt eine ganze Reihe von Fällen in ganz Australien, wo die römisch-katholische Kirche und auch andere Kirchen Straftaten nicht angezeigt haben“, sagte Caldicott damals gegenüber ABC Radio. „Ich vermute, dass dies jetzt die Spitze des Eisbergs sein wird.“

Schwerer Schlag für die katholische Kirche

Wilson ist zudem nicht der einzige Fall: Der ranghohe Kardinal George Pell, ein Vertrauter des Papstes, muss sich ebenfalls wegen historischen Kindesmissbrauchs vor einem australischen Gericht verantworten. Der Finanzchef des Vatikans streitet die Anschuldigungen vehement ab und plädierte Anfang Mai auf nicht schuldig.

Die Anklage Pells, einem der ranghöchsten Kardinäle des Vatikans, ist wie auch die Verurteilung von Wilson ein schwerer Schlag für die katholische Kirche. Erst Ende Dezember 2016 hatte Papst Franziskus in einem Brief an alle katholischen Bischöfe weltweit geschrieben, dass Missbrauch, Vertuschen und Leugnen sowie Machtmissbrauch eine Sünde seien. Es dürfe „null Toleranz“ in diesem Bereich geben. Solche „grauenvollen Taten“ dürften nicht mehr „in unserer Mitte begangen werden“, schrieb Franziskus. „Es sind Sünden, die uns beschämen.“

Von Barbara Barkhausen/RND

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