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"Ich habe noch Pläne für das Leben"

Eines der letzten Interviews mit Bud Spencer "Ich habe noch Pläne für das Leben"

Es war wahrscheinlich eines der letzten Interviews, das er gab: Im Frühjahr sprach Bud Spencer mit Carsten Bergmann übers Älterwerden, seinen Erfolg im Internet, seinen Weggefährten Terence Hill – und auch über den Tod. "Ich bin sehr neugierig, was mich dann erwartet", sagte Bud Spencer.

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Ein Mann mit Ausstrahlung: Bud Spencers Körper waren die 86 Lebensjahre anzumerken, sein Geist aber war hellwach, als wir ihn zum Interview trafen.

Quelle: Jan-Philipp Strobel/dpa

Die italienische Filmlegende Bud Spencer ist tot. Der Schauspieler starb nach Angaben seiner Familie am Montag in Rom im Alter von 86 Jahren. "Mit größter Trauer müssen wir euch mitteilen, dass Bud zu seiner nächsten Reise fliegt", erklärte die Familie am Abend im Internetdienst Twitter.

In Erinnerung an den Schauspieler veröffentlichen wir folgendes Interview aus dem Frühjahr mit Bud Spencer – es ist wahrscheinlich eines der letzten gewesen, das er gegeben hat: Darin spricht er über Terence Hill, den Tod und Facebook. Es ist im April 2016 erschienen.

Seniore Spencer, wie fühlt es sich an, wenn man als lebender Mythos verehrt wird?
Ich sehe das nicht so. Ich habe doch nur das gemacht, was sich damals richtig anfühlte.

Aber Ihre kräftigen Rechts-links-Ohrfeigen mit abschließendem Bud-Hammer auf den Kopf der Bösewichte sind schon legendär.
Damals schienen unsere Filme oberflächlich, aber offenbar konnten wir einige wichtige Dinge vermitteln. Gemeinsam mit Terence Hill haben wir unser Publikum mit dem größtmöglichen Respekt behandelt. Wir wollten nichts mit Sachen zu tun haben, die an der Kinokasse zwar gut funktionierten, aber nicht zu uns passten. Bei uns gab es nichts Vulgäres, keine Gewalt, keinen Sex oder böse Worte.

Lebensweisheiten auf 368 Seiten: "Was ich euch noch sagen wollte ..." (19,99 Euro, ISBN 9783862655298, Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag).

Sie sind mittlerweile 86 Jahre alt, sagen aber von sich selbst, im Kopf fühlten Sie sich wie 28. In welcher Zeit ist es schwieriger, 28 zu sein? 1957 oder 2016?
Für einen 28-Jährigen ist es heute viel schwieriger in Europa. In den späten Fünfziger- und Sechzigerjahren erlebten wir einen Wirtschaftsboom, mit jeder Menge Enthusiasmus für neue Erfahrungen. Heute ist es so, dass sich die ganze Situation verkompliziert hat. Die Unterschiede in den sozialen Klassen wachsen, die europäische Gesellschaft wird immer älter und älter, die Zukunft sieht für jeden Einzelnen viel komplexer aus, als es früher der Fall war.

Als Sportler und Schauspieler waren Sie es gewohnt, immer schnell nach vorne zu gehen. Das macht Ihr Körper heute nicht mehr mit. Wie schaffen Sie es dennoch, jeden Tag mit diesem Elan anzugehen?
Ich mache genau diese Dinge, die mir mein Körper erlaubt. Zum Glück kann ich noch klar und geradeaus denken. Bücher zu schreiben war die beste Medizin, gegen das Älterwerden im Kopf anzukämpfen. Ich versuche ja auch ein paar körperliche Übungen. Ich muss aber zugeben, dass ich ein wenig faul bin. Ein gutes Essen würde ich immer vorziehen, doch leider haben sie mich auf Diät gesetzt.

Ihre Freundschaft zu Terence Hill hält bis heute an. Sie verbindet ein inniges Verhältnis.
Meine Freundschaft zu Terence ist wirklich sehr besonders. Ich bin total glücklich, jemanden kennengelernt zu haben, der weder im Beruf noch in seinem sonstigen Auftreten irgendwelche Macken hat. Im Grunde sind wir total unterschiedlich und doch verbinden uns die gleichen Werte, für die wir einstehen: die Bedeutung von Familie und Freundschaft. Wir waren nie eifersüchtig aufeinander.

Wie läuft so ein Wiedersehen zwischen Ihnen dann ab?
Terence kommt mich mit seiner Frau Lori in Rom besuchen und es gibt immer ordentlich Spaghetti mit Tomatensoße. Der Klassiker.

Bud Spencer ist tot. Das berichtete die Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf seinen Sohn Guiseppe Pedersoli.

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In Ihrem Buch schreiben Sie über Ihr Leben, dass der letzte Gong geschlagen hätte. Denken Sie viel über den Tod nach?
Ja, weil ich hoffe, durch meinen Tod meinen Horizont zu erweitern. Ich bin sehr neugierig, was mich dann erwartet. Ich will es aber nicht beschleunigen. Ich habe noch Pläne für das Leben in dieser Welt.

Zum Beispiel entdecken Sie das Internet neu. Ihre "Facebud"-Seite hat über eine Million Fans. Ihre ersten Schritte im Web waren jedoch ein echter Wettkampf.
Für mich war es – und ist es nach wie vor – eine große Herausforderung, mit dem Internet und den sozialen Medien umzugehen. Es dauerte lange, bis ich überhaupt die vielen Möglichkeiten kapiert hatte. Das alles zu verstehen war wirklich schwierig. Auf der anderen Seite hat es mich auch sehr berührt, wenn mir die Menschen ihre privaten Geschichten erzählt haben. Was mich wirklich sehr glücklich macht, ist, dass die Mehrheit meiner Fans wirklich sehr, sehr jung ist. Das hält auch mich jung.

Seit 56 Jahren sind Sie nun mit Ihrer Frau Maria verheiratet. Was ist das Geheimnis Ihrer Ehe?
Um eine Ehe über so eine lange Zeit aufrechtzuerhalten, braucht es mehr als Liebe. Gegenseitiger Respekt ist wichtig, man muss es genießen, zusammen zu sein und jeden Tag das Leben gemeinsam zu erleben. Maria ist nicht nur meine Frau, sie ist die wunderbare Mutter unserer drei Kinder. Sie ist etwas ganz, ganz Besonderes. Heute nun passt sie auch auf mich auf, wir werden gemeinsam alt.

Interview: Carsten Bergmann

Zum Interview im Frühjahr

Der Bart war grau, der Krückstock gab ihm den nötigen Halt, die Augen waren klar: Bud Spencer, der 86-jährige Italo-Haudegen, fiel der Alltag körperlich nicht mehr so leicht wie noch in früheren Zeiten. Das Alter hatte Spuren hinterlassen. Sie waren ihm anzusehen, als das Interview geführt wurde.

Olympiaschwimmer , Schauspieler, Jurist, Unternehmer, Musikproduzent – Bud Spencer, 1929 als Carlo Pedersoli auf die Welt gekommen, war ein Tausendsassa und längst nicht müde, Neues auszuprobieren. Der Italiener entdeckte das Internet als Plattform, um mit seinen Millionen Fans in aller Welt zu kommunizieren. Über seine digitalen ersten Schritte schrieb er im dritten Teil seiner Autobiografie.

128 Filme drehte Bud Spencer von 1967 an, 17 davon gemeinsam mit seinem Prügelkumpel Terence Hill (77), die bis zuletzt eine tiefe Freundschaft verband.

Bud Spencer wurde in Neapel geboren und wuchs in einer Industriellenfamilie auf. Nach seiner Sportkarriere als Schwimmer schloss er sein Jurastudium in Rom ab. Den Durchbruch als Schauspieler feierte Bud Spencer 1970 mit dem Film "Die rechte und die linke Hand des Teufels" und "Vier Fäuste für ein Halleluja".

cab

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