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Schläge mit Fleischklopfer: Eltern vor Gericht

Misshandlungen in 2300 Fällen Schläge mit Fleischklopfer: Eltern vor Gericht

Zwei Schwestern nehmen über Jahre Schläge ihrer Eltern schweigend hin. Bis die Jüngere mit 16 Jahren zur Polizei geht und ein Martyrium schildert. Mutter und Vater stehen nun vor Gericht. Es geht um rund 2300 Fälle von Gewalt.

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Die beiden Schwestern schilderten 2015 bei der Polizei regelmäßige Gewalt. Immer wieder seien sie mit Gegenständen gezüchtigt worden.

Quelle: Nicolas Armer

Berlin. In 2300 Fällen sollen Eltern aus Berlin ihre beiden Töchter misshandelt haben – mit Fleischklopfer, Latschen, Pfannenwender und Krückstock. Vor dem Landgericht wies die Mutter den Großteil der ihr zur Last gelegten fast 1500 Taten am Montag zurück. Sie habe ihre Kinder „nur in seltenen Fällen geschlagen“, erklärte die 57-jährige Nachhilfelehrerin aus dem Stadtteil Hellersdorf zu Prozessbeginn am Montag.

Entgegen der Anklage habe es keine Übergriffe aus nichtigem Anlass gegeben. Der gehbehinderte 53-jährige Vater schwieg zu den Vorwürfen. Die Staatsanwaltschaft geht von jahrelanger häuslicher Gewalt aus. Die Eltern hätten „mit ihren Erziehungsmethoden und tätlichen Übergriffen ein Familienklima aus Angst, Unterdrückung und Gewalt geschaffen“, heißt es in der Anklage.

"Für jede falsche Antwort ein Schlag"

Seit dem Grundschulalter seien die beiden Mädchen „jeweils nach Beliebigkeit den gewaltsamen und erniedrigenden Übergriffen ausgeliefert gewesen“. Zu Übergriffen sei es in der Regel aus Unzufriedenheit über schulische Leistungen und die Erfüllung von Aufgaben im Haushalt gekommen.

Die Schwestern schilderten 2015 bei der Polizei regelmäßige Gewalt. Immer wieder seien sie mit Gegenständen gezüchtigt worden. Als erste Zeugin im Prozess wiederholte die ältere Tochter schwere Vorwürfe: „Ich habe versucht, mich zu wehren, aber dann wurde meine Mutter noch aggressiver“, sagte die inzwischen 22-Jährige. Häufig sei sie von der Mutter geschlagen worden, als diese den schulischen Lehrstoff abfragte. „Für jede falsche Antwort gab es einen Schlag.“

Mutter sah Gewalt als "letztes Mittel"

Die Mutter hatte zuvor erklärt, sie habe Gewalt selten und nur als „letztes Mittel angewandt, wenn mehrfache Mahnungen nicht halfen.“ Dafür bitte sie um Entschuldigung. Sie habe ihre Kinder aber nie unter schulischen Leistungsdruck gesetzt, sagte die diplomierte Sprachmittlerin, die zuletzt als Nachhilfelehrerin arbeitete. Ihre Töchter hätten „teils über zehn Jahre zurückliegende, vereinzelte Vorfälle“ vorgebracht.

Die jüngere Tochter war 16 Jahre alt, als sie mit einer Anzeige das Verfahren um Misshandlung von Schutzbefohlenen ins Rollen brachte. Die 57-Jährige wurde vor sechs Wochen verhaftet. Die Ermittler gingen von Verdunklungsgefahr aus. Sie soll versucht haben, eine ihrer Töchter in deren Zeugenaussage zu beeinflussen.

dpa/RND

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