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Emsländerin verärgert Einheimische mit YouTube-Videos

Stadt, Land, Frust Emsländerin verärgert Einheimische mit YouTube-Videos

Unter dem Titel „Deprimierendes Emsland“ hat eine Emsländerineine ganze Reihe kurzer Videoclips ins Internetportal YouTube gestellt. Es sind Momentaufnahmen, die einen Einblick geben ins Emsländer Leben - und die Einheimischen verärgern.

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Der YouTube-Kanal der Emsländerin "Deichkönigin".

Quelle: YouTube

Im Emsland, da ist die Welt ein bisschen heiler als anderswo. Ems und Hase plätschern durch sattgrüne Wald- und Wiesenlandschaften, sanft wellt sich der Hümmling, und sonntags ist die Kirche voll. Die Emsländer haben viel Arbeit, und sie haben anständige Kinder. Solche, die nur ganz selten mal dummes Zeug anstellen. Das hat der Verbrechensforscher Christian Pfeiffer neulich herausgefunden. Also alles prima im Nordwesten, ein Flecken zum Wohlfühlen. Nur nicht für die „Deichkönigin“. Ihr nämlich schlagen das Emsland und seine Bewohner mächtig aufs Gemüt.

„Deprimierendes Emsland“, unter dem Titel hat die „Deichkönigin“ eine ganze Reihe kurzer Videoclips ins Internetportal YouTube gestellt. Es sind Momentaufnahmen, festgehalten mit einer Digicam von bescheidenen technischen Möglichkeiten, die einen Einblick geben ins Emsländer Leben. Der jüngste Clip zeigt eine Handvoll lustiger Schützenjungs auf der Harener Kirmes, sie singen etwas, das geht so: „Rötörötörö“. Ein anderer Film ist aus dem Bus heraus aufgenommen: Hinter verregneten Scheiben stemmt sich ein Kühlturm in den bleigrauen Himmel, der Film hat den Namen „Lingen – ein Sommermärchen“. Ein anderer wiederum dokumentiert die Ereignislosigkeit an einer Meppener Tankstelle: Ein Pappaufsteller, der für Brötchen von der Tanke wirbt, wiegt sich im Wind, ein Auto rauscht rein ins Bild und wieder raus.

„Es ist einfach nichts los hier“, sagt die „Deichkönigin“, „und das finde ich so bedrückend und skurril zugleich.“ Diese Stimmung weiß sie mit ihren statischen, ungeschnittenen und überhaupt ziemlich kommentarlosen Clips ganz gut zu vermitteln. Die Ironie an der Sache muss sich der Zuschauer selbst erarbeiten. Was allerdings nicht ganz so schwerfällt bei Filmen, die „Herbstkirmes in Meppen“ heißen und ein regungsloses Karussell zeigen, die Technobeats wummern, und keine Menschenseele ist zu sehen.

Zur „Deichkönigin“ hat sich die junge Frau selbst gekrönt, sie möchte über sich nicht viel mehr verraten als dieses Pseudonym. Natürlich hat auch sie vom ausgeprägten Gemeinschaftssinn der Emsländer gehört, ihrem kollektivistischen Wesen, aber die Frau hat gute Gründe davon auszugehen, dass die Emsländer sie nicht allzu gern unter sich wissen. Denn neben reichlich Zuspruch finden sich auf ihrer YouTube-Seite auch allerlei Unflätigkeiten und Verwünschungen. „So was wie dich brauchen wir hier nicht“ zählt noch zu den harmlosen Mitteilungen. Also filmt die Deichkönigin lieber heimlich weiter. Sie sagt: „Ich will schließlich nicht auf einem Schützenfest stehen und dort welche verpasst bekommen.“

So weit würden die Damen und Herren von der Kreisverwaltung sicher nicht gehen. Aber schön finden auch sie es nicht, wie im Netz über ihren Landstrich gelästert wird. „Kein Kommentar“, heißt es bei der Pressestelle des Landkreises.

Da ist selbst die „Deichkönigin“ ein bisschen mitteilsamer. Aus dem Emsland stammt sie nicht, sagt sie. Vor ein paar Jahren ist sie dorthin gezogen. Und eigentlich will sie auch wieder weiterziehen. „Ich will mich hier gar nicht integrieren“, sagt die Filmerin, „nicht Teil dieser Vereinsmeierei sein.“ Ihr Blick auf das Emsland ist denn auch der Blick einer Fremden. Einer überheblichen Städterin vielleicht? Nein, sagt die „Deichkönigin, einfach nur der Blick einer Fremden, die dem Idyll vom friedvollen Landleben und dem fröhlichen Miteinander nicht traut.

Den YouTube-Kanal von "Deichkoenigin" mit der Videoreihe "Deprimierendes Emsland" finden Sie hier.

Der Artikel wurde aktualisiert.

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