Traut man britischen Reiseführern, dann ist auch ein deutscher Biergarten kein Ort für Sorglosigkeit: Dort stehen Klappbänke, die hochferdern können, wenn am anderen Ende plötzlich einer aufsteht.
Es ist Ferienzeit, und da zieht es einige Engländer doch tatsächlich nach Germany. Reiseführer und andere landeskundliche Beschreibungen helfen bei der Orientierung in dem exotischen Land.
Beginnen wir mit den einfachen Dingen. Leider sehen die Deutschen nicht wie Deutsche aus. Das ist die erste Enttäuschung. Keine Dirndl, keine Lederhosen. „Am ehesten bekommt man diesen Anblick noch in Bayern zu Gesicht“, informiert der Klassiker „Culture Shock Germany“.
Die gute Nachricht: Der Bedarf an Kuckucksuhren kann nicht nur im Schwarzwald, sondern in jedem guten touristischen Fachgeschäft gedeckt werden. „Die Uhren sind dort viel billiger als in fast allen anderen Teilen der Welt - aber Vorsicht! Es gibt enorme Qualitätsunterschiede.“ Der 450-Seiten-Wälzer „Germany for Dummies“ enthält eine ganze Seite nur mit Ratschlägen für „cuckoo clock shoppers“.
Wenn man in Deutschland an den Strand will, sollte man vorgewarnt sein. „Es ist schon ein Schock, wenn Leute, die man für achtbare Ehepaare mittleren Alters halten würde, oben ohne oder sogar splitternackt durch die Öffentlichkeit stolzieren“, schreibt Cathy Dobson in ihrem Buch „Planet Germany“. Selbst in öffentlichen Anlagen - von denen eine auch noch Englischer Garten heißt! - kann man unvermittelt vor einem entblößten Teutonen stehen, der dort seine Bratwurst grillt.
Was Dobson „besonders fasziniert“, ist die ersprießliche Körperbehaarung: „Der Rest der Welt gibt Unmengen an Geld dafür aus, Beine und Achselhöhlen von Haaren zu befreien, während die Deutschen diese Körperregionen geradezu zu düngen scheinen.“
Sämtliche englischsprachige Deutschlandführer warnen vor einem Besuch in der Sauna. Denn dort wird man genötigt, sich vollends zu entkleiden! Badehosen sollen angeblich unhygienisch sein. „In the mixed changing rooms the full horror emerges“, schildert Dobson mit Gefühl für Dramatik.
Gefahr droht auch im Biergarten. Dort stehen Klappbänke, die wie eine Wippe hochfedern können, wenn am anderen Ende plötzlich einer aufsteht. Die Eingeborenen können offenbar damit umgehen, aber für den ahnungslosen Besucher sind Unfälle vorprogrammiert.
Am gefährlichsten ist es natürlich auf der Autobahn. Dort gelten nur die Gesetze der Aerodynamik und das Recht des stärkeren Motors. Dobson schärft ihren Lesern ein: „Die linke Fahrbahn ist ausschließlich für Porsche, BMW und Mercedes reserviert. Und da auch bitte nur Fahrzeuge in dunklen Farben.“ Eine landestypische Besonderheit: In Deutschland werden Autos als heilige Tiere verehrt. Nie anfassen! Nie dagegen lehnen! Nur anbeten!
Deutsche erscheinen beim ersten Kontakt nicht übermäßig freundlich, aber das müsse man nicht persönlich nehmen, untereinander sind sie genauso kurz angebunden. Dagegen legen sie in manchen Situationen Wert auf eine gewisse formelhafte Höflichkeit. So wird zum Beispiel erwartet, dass man sich am Telefon mit Namen meldet, auch wenn man sich gar nicht kennt und der Name dem anderen folglich nichts sagt. „Das ist besonders wichtig, wenn Sie ein Zimmer buchen“, schreibt der auflagenstarke Reiseführer „Lonely Planet Germany“.
Wer nach all diesen Merkwürdigkeiten verwirrt ist, kann sich damit trösten, dass es allen so geht. Greg Nees beginnt sein Buch „Germany - Unravelling an Enigma“ mit dem Satz: „Die Deutschen sind nicht nur dem Rest der Welt ein Rätsel, sondern auch sich selbst.“
dpa
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Kommentare
@exot rolo – 29.07.10
wen meinst du denn mit "die deutschen". Gehörst du auch zu denen, die alle ansprechen und sich selbstverständlich ausnehmen? Dieses sich selbst kleinmachen und bemeckern, das ist etwas, was viele von UNS deutschen (jawohl, ich gehöre dazu, manchem ist das ja peinlich) sehr gut können. lass die briten sich doch über uns amüsieren, aber die selbstabwertungen, die lass bitte sein, das ist pubertär. das gilt natürlich nur, wenn du deutscher bist. aber wenn nicht, was machst du dann noch hier??? Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenHumor ist, wenn man trotzdem lacht! Exot – 28.07.10
Lustig! Die Autoren haben vergessen zu erwähnen, dass die Deutschen nur im Dunkeln ausgehen (in Diskotheken beginnt es daher erst ab 22.30 Uhr sich langsamst zu füllen) und ohne Alkohol gar keine Stimmung aufkommt. In Südamerika wird im Gegensatz dazu bei Sonne abgehottet. Und in bester Stimmung sind dort nicht nur einsame Frauen, sondern immer Paare auf der Tanzfläche.Immerwährend wird in Deutschland über das Wetter gemeckert. Meckern ist überhaupt eine besondere Eigenschaft der Deutschen. So meckern auch jedes Jahr die deutschen Bauern über ihre Missernten. Eleganz und Chic sind in Deutschland rar. Man liebt es lässig und bequem in Jeans, T-Shirt und Turnschuhen.
Kurioserweise wird an deutschen Supermarktkassen penetrant gedrängelt, obwohl es die Leute hinterher gar nicht eilig haben. Und an zahlreichen Ecken sitzen zu jeder Tageszeit Männer mit Bierflasche. Die sieht man in Deutschland überall: in der U-Bahn, am Strand, am Kiosk, etc. etc. pp.
Die deutschen Spielplätze sind gähnend leer. Und die Geräte werden immer kaputt gemacht. Und wenn mal Kinder spielen ist die Nachbarbeschwerde obligatorisch.
Weil er meistens nicht weiß, was er in seiner Freitzeit machen soll, geht der Deutsche pausenlos shoppen. Und zwar bevorzugt bei Lidl, Aldi und Penny.
Der viel besungene deutsche Wald ist als Freizeitmöglichkeit ja auch für die meisten Deutschen vollkommen uninteressant ("Da sieht ja alles gleich aus!"). Wenn ich hier nicht leben würde, also Erholungsurlaub würde ich in Deutschland auch nicht machen - *lach*. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
na dann mal her Jonas – 27.07.10
mit den kleinen Engländerinnen. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden90. Geburtstag paulchen – 27.07.10
Well, we do our very best!Allerdings tun mir die Engländer auch leid, da sie ihr ungenießbares Bier und ihr schreckliches Essen in Deutschland nicht bekommen! lol Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Humor ist wenn man trotzdem lacht... Charles Windsor – 27.07.10
You know the British humor, don't you? Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenKommentar schreiben