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Entstellte Iranerin verzichtet auf „Auge-um-Auge“-Vergeltung

Nach Säure-Angriff Entstellte Iranerin verzichtet auf „Auge-um-Auge“-Vergeltung

In letzter Sekunde verzichtet Ameneh Bahrami darauf, ihren Peiniger nach dem „Auge-um-Auge“-Prinzip zu blenden. Dieser gibt weinend an, er bereue seine „schreckliche Tat“ zutiefst. Nicht für ihn, sondern sich selbst verzichte sie auf Rache, sagt die entstellte Iranerin.

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In letzter Sekunde verzichtet Ameneh Bahrami darauf, ihren Peiniger nach dem „Auge-um-Auge“-Prinzip zu blenden.

Quelle: dpa

Teheran. Die Iranerin Ameneh Bahrami, seit einem Säure-Attentat eines verschmähten Verehrers entstellt und blind, hat auf die umstrittene Bestrafung ihres Peinigers verzichtet. Die Vergeltung nach dem „Auge-um-Auge“-Prinzip, bei der Bahrami ihren Peiniger mit ätzender Flüssigkeit blenden sollte, sei für Sonntag geplant gewesen, berichtete der staatliche iranische Sender IRIB. Bahrami habe in letzter Sekunde auf den Racheakt verzichtet.

Die 33-Jährige sagte der Nachrichtenagentur ISNA, sie habe ihrem Peiniger verziehen. „Ich habe dies aus diversen Gründen getan: wegen Gott, für mein Land und für mich selbst.“ Außerdem habe ihre Familie die Rache nicht gewollt. Nun fühle sie sich befreit.

Ein Mann hatte Bahrami 2004 Schwefelsäure ins Gesicht geschüttet, weil sie seine Heiratsanträge abgelehnt hatte. Nach islamischem Recht erlaubt das „Auge-um-Auge“-Prinzip Opfern, dem Täter gleiches Leid zuzufügen. Bahrami bekam 2008 in einem Gerichtsurteil das Recht zugesprochen, dem Täter unter Betäubung Säure in die Augen zu träufeln. Sie lebt nach Angaben des Münchner mvg Verlags, bei dem ihr Buch „Auge um Auge“ erschienen ist, von Buchverkäufen und von Geld, das sie für Interviews bekommt.

Die Wende in dem Fall kam überraschend. Im Mai wollte Bahrami die Aktion noch ausführen, was großen Medienrummel auslöste. Der Eingriff wurde verschoben. Bahrami erklärte sich bereit, für etwa zwei Millionen Euro auf ihre Rache zu verzichten. Die iranische Justiz hatte zwar zugunsten der Frau entschieden, soll Bahrami aber gebeten haben, das Urteil - auch wegen internationaler Kritik - nicht zu vollstrecken.

Laut Verlag erklärte Bahrami nun, sie habe von keiner Seite einen Cent bekommen, auch keinen Schadenersatz. Mit der Forderung nach zwei Millionen Euro habe sie nur die Menschenrechtsorganisationen bloßstellen und den Beweis antreten wollen, dass diese im konkreten Fall keine Hilfe leisten.

Zum Hintergrund von Bahramis Entscheidung gab es nun unterschiedliche Angaben. Dem mvg Verlag sagte Bahrami am Telefon, sie habe diesen Entschluss schon vor sieben Jahren gefasst und sei von iranischer Seite nicht unter Druck gesetzt worden. Ihr Anwalt erklärte allerdings, dass er weder etwas von der geplanten Urteilsvollstreckung noch der Entscheidung seiner Mandantin gewusst habe. „Ich weiß von nichts, Ameneh wollte unbedingt die Vollstreckung des Urteils und hatte für einen Verzicht bestimmte Bedingungen“, sagte Ali Sarafi der ISNA, ohne auf diese Bedingungen einzugehen.

Peiniger bleibt in Haft, bis Schadensersatz bezahlt wurde

Der Iran begrüßte die Entscheidung Bahramis, auf die Vergeltung zu verzichten. „Das war in der Tat sehr tapfer von ihr“, sagte Oberstaatsanwalt Abbas Dschafari Dolatabadi. Ihr Peiniger Madschid Mowahedi habe schon für den Eingriff auf dem Krankenhausbett gelegen, als Bahrami ihre Entscheidung verkündete. „Der Mann bleibt trotzdem solange in Haft, bis ein Schadenersatz bezahlt ist.“ Wie hoch dieser ausfallen wird, sagte Dolatabadi nicht. Bahrami teilte mit, dass sie bis jetzt 150.000 Euro für ihre Behandlung bezahlt habe - und sie mindestens diesen Betrag fordern werde.

Unter Tränen erklärte Mowahedi im Staatsfernsehen, dass er nicht mehr damit gerechnet habe, dass Bahrami ihm verzeihe. „Umso dankbarer bin ich ihr für ihre Großzügigkeit und ich bereue zutiefst meine schreckliche Tat.“ Auch die Familie Bahramis zeigte sich im iranischen Fernsehen erleichtert. „Diese Vergeltung wird meiner Tochter mehr Frieden bringen als die Rache“, sagte Amenehs Vater. Die Iranerin lebt derzeit in Spanien, wo sie medizinisch behandelt wird. Trotz mehrerer Operationen ist sie auf einem Auge vollkommen und auf dem anderen fast blind.

dpa

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