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Ernst August: Der Schlagabtausch geht weiter

Post vom Prinzen Ernst August: Der Schlagabtausch geht weiter

Ernst August Prinz von Hannover antwortet in einem Brief an die Hannoversche Allgemeine Zeitung seinem früheren Verteidiger Jochen Heidemeier. Heidemeier hatte in einem Gerichtsverfahren ein Geständnis abgegeben, das der Prinz nicht autorisiert hatte, und dieses Vorgehen in der HAZ verteidigt: "Ich habe keine Fehler gemacht."

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Ernst August Prinz von Hannover

Quelle: dpa

Hannover. Ernst August hat seinen früheren Anwalt wegen versuchten Prozessbetruges angezeigt und klagt auf Schmerzensgeld. Der Prozess beginnt am 7. September vor dem Oberlandesgericht Celle. Der Schlagabtausch zwischen dem Prinzen und seinen Exanwalt aber hat schon jetzt begonnen.

Der Brief im Wortlaut:

In der Ausgabe Ihrer Zeitung vom 13. Juli 2011 zitieren Sie meinen früheren Verteidiger Dr. Heidemeier mit der Aussage, sein Auftrag vor der Berufungsverhandlung vor dem Landgericht Hannover im November 2004 habe gelautet "Ernst August darf nicht ins Gefängnis kommen. Dies habe er erreicht".

Soweit Herr Heidemeier damit offensichtlich behaupten will, ihm sei von mir freigestellt worden, dieses Ziel auch mit einem erfundenen und lügnerischen, angeblich von mir stammenden "Geständnis" zu erreichen, ist diese Behauptung nicht neu, aber nach wie vor eine grobe Unwahrheit.

Ich habe Herrn Heidemeier seit Übernahme meines Mandats im Februar 2000 immer wieder auch in Gegenwart des mittlerweile verstorbenen Rechtsanwalt Dr. Edzard Blanke und meinem internationalen Rechtsanwalt Salim Ghalia gesagt, dass ich den Diskothekenbetreiber Brunlehner vor dem hinlänglich bekannten Hintergrund zwei Ohrfeigen gegeben habe, und dass dessen Aussage, ich hätte ihn zusammen mit mehreren Personen angegriffen und ihn mit einem Schlagring krankenhausreif geschlagen, eine üble Verleumdung war. Herr Heidemeier wusste zudem, dass mehrere Zeugen meine Darstellung, die ich bereits gegenüber der kenianischen Polizei am Tag nach dem Vorfall abgegeben hatte, als wahr bestätigten.

An dieser Situation hatte sich nicht das Geringste geändert, als ich mit Herrn Heidemeier am Vortag der Berufungshauptverhandlung in Hannover zusammentraf. In Gegenwart von Dr. Blanke, Herrn Ghalia und Herrn Mauritz von Reden habe ich bei dieser Gelegenheit wiederholt, dass ich lieber ins Gefängnis ginge als etwas "zuzugeben", das ich nicht getan habe. Wenn Herr Heidemeier behauptet, ich hätte ihm sozusagen eine carte blanche gegeben, sagt er die Unwahrheit.

Dass er vor dieser Besprechung bereits einen schriftlichen sogenannten Deal mit der Staatsanwaltschaft abgeschlossen hatte, der sich eng an den lügnerischen Aussagen von Brunlehner orientierte, wussten weder ich noch meine übrigen Berater. Er hat es uns verschwiegen. Wenn ich davon erfahren hätte, hätte ich ihm sofort das Mandat entzogen und es wäre zu der fatalen Verhandlung vom 24. November 2004 erst gar nicht gekommen. Da mein damaliger Verteidiger mich aber geradezu zweifach hinterging, erfuhr ich erst nach der Verhandlung vom 24. November 2004 im Internet, was dort angerichtet worden war und sich rasant in den nationalen und internationalen Medien verbreitete.

Ich schrieb Herrn Heidemeier sofort und mehrfach mit der Frage an, wer für die in der Hauptverhandlung offenbar abgegebenen Erklärungen verantwortlich sei. Nach längerem Schweigen bestritt er mir gegenüber schriftlich, die ihm in den Medien zugeschriebenen Erklärungen überhaupt abgegeben zu haben, ohne erklären zu können, wie die im Hauptverhandlungsraum anwesenden Journalisten dazu kommen konnten, übereinstimmend von eben seinen Erklärungen zu berichten.

Bekanntlich habe ich danach ein Wiederaufnahmeverfahren angestrengt, in dessen Verlauf bewiesen worden ist, dass Brunlehners Aussagen, die dem von Herrn Heidemeier erfundenen angeblichen Geständnis zu Grunde lagen, schlichte Lügen waren, abgesehen davon, dass Brunlehner kurioserweise bestritt, von mir überhaupt geohrfeigt worden zu sein, was andere Zeugen aber übereinstimmend bestätigt haben.

Schließlich weise ich mehr am Rande auf Folgendes hin: Vor dem Landgericht Hannover habe ich auf anwaltlichen Rat die zunächst eingeklagten € 250.000,- Schmerzensgeld auf den mehr symbolischen Betrag von € 5.000,- reduzieren lassen, weil uns zugetragen worden war, dass Herr Heidemeier nicht vermögend ist und bekanntlich eine anwaltliche Haftpflichtversicherung im Falle einer vorsätzlichen Tat nicht eintritt.

Der von Herrn Heidemeier angerichtete Schaden ist mit Geld sowieso nicht wiedergutzumachen.

Prinz Ernst August von Hannover

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Schmerzensgeld

Der frühere Verteidiger von Ernst August Prinz von Hannover, Jochen Heidemeier, wehrt sich gegen den Vorwurf, dem Adeligen im Jahr 2004 vor dem Landgericht Hannover durch ein unautorisiertes Geständnis Schaden zugefügt zu haben. „Ich habe keine Fehler gemacht und würde heute in derselben Situation noch genauso handeln wie damals“, sagte Heidemeier der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung.

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