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Wilde Kängurus im Herzen Frankreichs

Ausgebüxte Bennetts leben im Pariser Umland Wilde Kängurus im Herzen Frankreichs

Frei von natürlichen Fressfeinden fühlen sich ausgebüxte Bennett-Kängurus in der Nähe von Paris heimisch. Seit mehr als 40 Jahren pflanzen sie sich fort und überstehen selbst die kalten Winter. Wenn nur der Mensch nicht wäre.

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Frei von natürlichen Fressfeinden fühlen sich ausgebüxte Bennett-Kängurus in der Nähe von Paris heimisch. Seit mehr als 40 Jahren pflanzen sie sich fort und überstehen selbst die kalten Winter.

Quelle: Philippe de Mauroy/Centre d_études de Rambouillet et de sa foret/dpa

Paris. Lange wussten nur wenige Eingeweihte, was da durch den Wald hoppelt. "Vor 20 bis 25 Jahren war das alles noch ein großes Geheimnis", sagt Stéphane Walczak vom regionalen Jagdverband. Doch inzwischen sind die kleinen Kängurus so etwas wie das inoffizielle Maskottchen der Region – selbst die Schülerzeitung der Grundschule im Ort Émancé trägt das Beuteltier im Namen.

Seit Ende der Siebzigerjahre leben die Bennett-Kängurus in freier Wildbahn im Waldgebiet von Rambouillet. Wahrscheinlich büxten damals ungefähr 25 Tiere aus einem Gehege aus. Die Wildparkbetreiber hätten das nicht an die große Glocke gehängt, erzählt Walczak. Die Kängurus kamen mit der neu gewonnenen Freiheit gut klar und zeugten schnell Nachwuchs, inzwischen sind es Schätzungen zufolge etwa hundert Tiere.

Etwa hundert Tiere

In den Neunzigerjahren hätten Studenten gelbe Hinweisschilder mit Kängurusymbolen aufgestellt. Das Outback war nun offiziell im Wald von Rambouillet angekommen. "Mensch und Känguru kommen gut miteinander klar", erzählt die Bürgermeisterin von Émancé, Christine David. Auch wenn es hin und wieder zu Zwischenfällen kommt: Verirrt sich eines der Tiere in einen privaten Vorgarten, muss schon mal die Feuerwehr anrücken. Und die Gemeinde ist darauf eingestellt, nach Zusammenstößen von Autos und Kängurus Bescheinigungen auszustellen – sonst glaube die Versicherung den Fahrern nicht.

Bennett-Kängurus sind eine Form des Rotnackenwallabys und vor allem auf Tasmanien südlich von Australien beheimatet. Doch auch das 200 Quadratkilometer große Waldgebiet von Rambouillet ist laut der Experten für die Kängurus ein idealer Lebensraum. Unter dem Schutz einer dichten Laubdecke finden sie alles, was ihnen schmeckt: Blätter, Gräser und kleine Sträucher.

Tapfer im Winter

Natürliche Feinde hat das Wallaby hier kaum, selbst der Fuchs wagt sich nicht an die bis zu 20 Kilogramm schweren Männchen mit ihren scharfen Klauen heran. Einziger Konkurrent ist das Reh. Selbst im Winter, bei knapperem Nahrungsangebot, schlägt sich das kleine Känguru tapfer. Allerdings werden zwischen 15 und 20 Tiere jährlich Opfer des Straßenverkehrs. Einer der möglichen Gründe, warum sich die Känguru-Population in Rambouillet auf gleichbleibendem Niveau hält. 

Außerdem sei es schwer, das beliebte Ausflugsgebiet, mit zehn Millionen Besuchern jährlich als friedlichen Rückzugsort zu beschreiben, wendet Stéphane Walczak ein. Die geschützte Zone im Süden des Waldes ist außerdem begrenzt. Diesen Vorzug hat die tasmanische Heimat dann doch: Sie ist nicht so dicht besiedelt.

Von Winnie Bennedsen

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