Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / -3 ° Regenschauer

Navigation:
"In einer halben Minute war ich raus"

Ex-Einbrecher Hammed Khamis "In einer halben Minute war ich raus"

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter macht die georgische Mafia für einen großen Teil der in Deutschland verübten Einbrüche verantwortlich. Hammed Khamis hält das für alles andere als eine neue Erkenntnis. Er weiß, wovon er redet: Khamis war selbst mal Einbrecher, heute arbeitet er als Streetworker.

Voriger Artikel
Krankenschwester soll Patienten getötet haben
Nächster Artikel
Taucher unterbrechen Suche nach Vermissten

Hammed Khamis war früher selbst Profi-Einbrecher. 2006 gelang ihm der Ausstieg aus der Szene.

Quelle: Archiv/Horst Galuschka

Herr Khamis, der Bund Deutscher Kriminalbeamter gibt der Balkan-Mafia die Schuld für die gestiegenen Einbruchszahlen. Wie sehr deckt sich das mit der Realität?
Ganz ehrlich: Das ist doch nicht neu! Da verstehe ich Deutschland auch nicht. Alles ist hier klar geordnet, bis auf die Gesetze. Warum kommen denn diese Banden nach Deutschland zum Einbrechen? Warum nicht nach Spanien, Frankreich, Norwegen? Abgesehen von Bayern gibt es in Deutschland keine starken Gesetze. Was bekommt man denn in Deutschland für einen Einbruch als Strafe? Einen Klaps auf den Po. Für Einbrecher gibt es keine Haftstrafen.

Wieso hat die Polizei in Deutschland keine Chance gegen dieses Treiben?
Diese Gruppen kommen nach Deutschland, stellen einen Asylantrag, auch wenn sie keine Kriegsflüchtlinge sind. Die Prüfung aber dauert viele Monate. Das sind nicht einzig nur Georgier, es kommen viele Menschen aus Ländern, die keine Chance auf Asyl haben. Viele vom Balkan – Serbien, Mazedonien, Albanien. 99,9 Prozent von denen werden abgeschoben. Aber auch dann haben sie noch einen Monat Zeit bis zur Abreise. Am Ende bleiben diejenigen aber doch hier und tauchen in Familienclans ab. Hinter diesen ganzen Einbrüchen steckt also ganz klar ein strukturiertes Netzwerk. 

Zur Person

Hammed Khamis wurde 1981 in Osnabrück als elftes von 14 libanesischen Kindern geboren. Er wuchs im sozialen Brennpunkt auf und gehörte zu den Führungsleuten im Milieu. Seine Delikte: Einbruch, Betrug und Diebstahl. 2006 gelang ihm der Ausstieg. Heute arbeitet Khamis als Buchautor und Streetworker in Berlin.

Ansichten eines Banditen von Hammed Khamis, ISBN: 3942503190

Sie selbst waren lange Jahre als Einbrecher tätig, sind in kriminellen Strukturen aufgewachsen. 2006 sind Sie ausgestiegen und bekämpfen nun solche Milieus. Wie liefen Einbrüche bei Ihnen ab?
Ich selber habe mit Tipps gearbeitet. Ich wusste vorher, was in den Häusern drin ist. In einer halben Minute bin ich wieder raus gewesen. Ich hatte Autorität in der Szene. Viele sagen ja auch, es gebe eine Geheimsprache unter Einbrechern – mit Zeichen an Häuserwänden und so. Blödsinn. Das ist ein Geist. Wenn jemand weiß, dass es etwas zu holen gibt, dann holt man's raus.

Ist es wirklich so einfach? Die Polizei warnt doch immer und immer wieder vor der Gefahr?
Jeder kennt diese Regeln, aber trotzdem herrscht großer Leichtsinn. Nach dem Motto: „Was soll mir schon passieren? Was gibt’s bei mir schon zu holen?“

Und was hilft wirklich?
Psychotricks. Das klingt zwar komisch, aber man bekommt bei der Polizei kostenlos Aufkleber, auf denen steht: „Vorsicht, aufmerksamer Nachbar!“ Das ist wirklich sehr effektiv. Zumindest war das so bei mir. Wenn  ich so einen Aufkleber gesehen habe, hatte ich bei einem Einbruch immer das Gefühl, diesen Nachbarn hätte ich im Nacken. Das drückt.

Interview: Carsten Bergmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Panorama
Familiendrama mit sechs Toten in Österreich

Ein Familiendrama erschüttert Österreich. Eine Frau soll mehrere Angehörige erschossen haben.