Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Panorama Experten klagen über Sicherheitslücken in Reisebussen
Nachrichten Panorama Experten klagen über Sicherheitslücken in Reisebussen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:28 04.07.2017
Der Reisebus-Unfall auf der Autobahn 9 in Bayern ist eines der schwersten Unglücke der vergangenen Jahre. Die genaue Ursache ist noch nicht klar, doch der Bus ist auf ein Stauende aufgefahren. Quelle: dpa
Anzeige
Münchberg

Nach dem verheerenden Unfall auf der Autobahn 9 in Nordbayern ist eine Diskussion über Sicherheitslücken in Reisebussen entbrannt.

Erst seit November 2015 müssen Busse mit einem Notbremssystem ausgestattet sein. Dieses lasse sich aber leicht abschalten, kritisierte der Kraftfahrtexperte des TÜV Rheinland, Hans-Ulrich Sander, am Montagabend im ZDF. „Die Abschaltbarkeit eines solches Notbremssystems halte ich für verkehrt. Die sollten nicht deaktivierbar sein“, sagte er und forderte, diese Gesetzeslücke müsse schnell geschlossen werden.

Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer, sagte im ARD-Brennpunkt am Montagabend: „Das große Problem liegt in den Innenraum-Materialien der Busse: Sie sind deutlich leichter entflammbar als die, die die Deutsche Bahn verbauen muss.“

Der Fahrer eines Reisebusses hat offenbar das Ende eines Stau übersehen. Er fuhr auf einen Sattelzug auf – mindestens 31 Menschen wurden dabei teilweise schwer verletzt.

Bei dem Brand eines Reisebusses nahe Münchberg waren am Montag 18 Menschen ums Leben gekommen. 30 weitere Reisende wurden verletzt - einige von ihnen schwer.

Die Opfer waren auf dem Weg aus Sachsen in Richtung Gardasee. Der Bus war aus noch ungeklärter Ursache auf einen Lastwagen aufgefahren und in Brand geraten. Nur ein Stahlgerippe blieb übrig. In dem Fahrzeug saßen 46 Reisende sowie zwei Fahrer.

Auch Professor Hermann Winner, Experte für Autonomes Fahren an der TU Darmstadt, erklärte auf dpa-Anfrage: Damit solche Unfälle nicht mehr passieren, seien nicht abschaltbare Notbremssysteme wichtig, die auf Stau-Enden reagierten. Bis Reisebusse ganz autonom fahren, werde es noch dauern. Die heutige Technik könne viele besondere Situationen noch nicht beherrschen.

Fahrer erst vor wenigen Jahren ausgezeichnet

Bei Notbremsassistenten erkennen Kameras und Radarsensoren Hindernisse auf der Fahrbahn, machen mit Warnlicht und Warnton auf die Gefahr aufmerksam und bremsen automatisch, wenn der Fahrer nicht reagiert. Damit lässt sich ein Aufprall zumindest abmildern, bei den modernsten Notbremsassistenten im Idealfall auch ganz verhindern. Allerdings sparen sich manche Busunternehmen, was gesetzlich nicht zwingend vorgeschrieben ist.

Laut dem Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer war der Unglücksbus drei Jahre alt und zuletzt im April vom TÜV ohne Beanstandung überprüft worden.

Der Fahrer, der den Reisebus zum Unfallzeitpunkt lenkte und starb, war demnach seit mehr als zehn Jahren bei seiner aktuellen Firma beschäftigt und wurde vor vier Jahren für langjähriges unfallfreies und sicheres Fahren ausgezeichnet.

Von dpa/RND/zys

Anzeige