Mit Charme und Nachdruck vertritt Margot Käßmann die Anliegen der Kirche in der Öffentlichkeit: Nicht erst seit ihrer Wahl zur Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) vor vier Monaten ist Hannovers Bischöfin Aushängeschild und Sprachrohr der Protestanten. Auf ihre sympathische Art eroberte die Mutter von vier erwachsenen Töchter die Herzen vieler Menschen und verbarg auch nicht Schicksalsschläge wie eine Krebserkrankung und ihre Scheidung nicht. Mit ihrer Kritik am Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr stieß Käßmann seit Jahresbeginn auf für sie ungewohnt heftigen Protest. Die bislang schwierigste Prüfung für sie in Kirchenämtern wird allerdings der Umgang mit ihrer Alkoholfahrt, bei der sie mit 1,54 Promille gestoppt wurde.
Mit der Wahl der populären Käßmann als erster Frau an die Kirchenspitze hatte die EKD Modernisierungswillen bewiesen. Zugleich war die Entscheidung für eine starke Führungsperson eine Notwendigkeit: Die Kirche ist in der Krise - nicht nur, weil die Wirtschaftslage die Steuereinnahmen einbrechen lässt. Seit Jahren schrumpft die Zahl der Mitglieder und die Prognosen sagen weitere dramatische Rückgänge voraus. Käßmann wird die Weitsicht und Durchsetzungskraft zugetraut, die nötig sind, um die von ihrem Vorgänger Wolfgang Huber angestoßenen Strukturreformen der Kirche weiterzuführen.
Bisher hatte Käßmann meist in sozialen Fragen das Gehör der Politik gesucht, sei es in Sachen Kinderarmut, Pflegenotstand oder bei der Behandlung von Flüchtlingen. Ihr offener Umgang mit einer Krebserkrankung stieß auf Sympathie und bei ihrer Ehescheidung pochte sie auf Wahrhaftigkeit, sich zu verstellen und eine heile Welt vorzugaukeln, sei falsch. Auch eine Kirchenvertreterin könne als Mensch scheitern, hatte sie für sich geltend gemacht - und trotz mancher Kritik hinter den Kulissen geschlossenen Rückhalt in der Kirche erhalten.
Die im oberhessischen Marburg geborene Käßmann (51) studierte in Tübingen, dem schottischen Edinburgh, Göttingen und Marburg. Sie war Mitglied im weltweiten Zentralausschuss des Ökumenischen Rates der Kirchen und Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages. In ihrer Freizeit spielt sie mit ihrem Hund und joggt um den Maschsee in Hannover.
dpa
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Kommentare
Zweierlei Maß sapmi – 24.02.10
@rollo"Euer Herz erschrecke nicht!" Unter diesem Thema stand Kässmanns Neujahrspredigt, in welcher sie auch meinte:"All diese Strategien, sie haben uns lange darüber hinweggetäuscht, dass Soldaten nun einmal Waffen benutzen und eben auch Zivilisten getötet werden!"
Mein Herz erschrak sehr, als ich las, dass die Bischöfin Kässmann mit 1,54 Promill Alkohol im Blut eine "rote Ampel" überfuhr. Wo ist der Unterschied zwischen dem waffentragenden Soldaten und einem alkoholisierten Autofahrer, der bei "Rotlicht" über eine Kreuzung prescht, und damit das Töten unschuldiger Menschen in Kauf nimmt?
Zuspruch für Frau Käßmann Rollo – 24.02.10
Frau Käßmann hat einen Fehler gemacht und dieser Fehler wird bestimmt auch entsprechend geahndet. Ihre Arbeit war bisher aber gut, besonders ihre mutigen Worte zu dem schäbigen Krieg gegen das afghanische Volk, in dem sich auch Deutschland so heftig engagiert.Mir ist durch Frau Käßmann die Kirche auf jeden Fall näher gebracht worden.
betrunken predigen? Restalkohol – 23.02.10
wollte sie eigentlich auch am Sonntag nach dem schweren Suff noch predigen?Mit 1,54Promille nach 23.00Uhr hätte sie am nächsten Tag um 10:00 Uhr immerhin noch fast 0,5Promille, weill man in 11 Stunden max. nur 1,0 Promille abbauen kann.
Ihr "Problem" ist doch eigentlich nur, erwischt worden zu sein...
Tja, das war es wohl mit dem Aufrbruch der byebye – 23.02.10
Kirche zu neuen Ufern. So sympatisch sie auch aufgetreten ist, so viel sie hätte erreichen können, so erbärmlich ist sie gescheitert...Fehltritt? Andreas – 23.02.10
Das ist ja wohl der Gipfel. Wir reden bei der Trunkenheitsfahrt dieser Dame von einer Straftat, wie kann man da von von einem Fehltritt sprechen. Wahrscheinlich sind dann die Kindesmissbrauchsfälle bei der katholischen Konkurrenz auch nur Fehltritte.