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Ferienhausbesitzer fürchten um Eigentum

Zittern auf Gran Canaria Ferienhausbesitzer fürchten um Eigentum

Auf Gran Canaria fürchten Spanier und Ausländer um ihre Wohnungen. Ihre Immobilien sollen laut eines kanarischen Gesetzes touristisch genutzt werden. Seit der Plan in diesem Sommer veröffentlicht wurde, bangen Tausende Apartmentbesitzer um ihr Eigentum.

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Auf Gran Canaria fürchten Spanier und Ausländer um ihre Wohnungen.

Quelle: fotolia

Madrid. Für Walter Schmidt ist Gran Canaria „ein Stück Heimat“. Der 70-Jährige aus Remscheid besitzt gemeinsam mit seiner Frau in Playa del Inglés im Süden der Insel ein Apartment, in dem er sechs Monate im Jahr verbringt. Im Oktober fährt er wieder hin, im Auto und mit der Fähre. Ein wenig nervöser als sonst. Ein kanarischer Anwalt ist vor kurzem für ihn zum Grundbuchamt der Gemeinde gegangen und hat festgestellt, dass die Wohnanlage, deren Verwalter Schmidt seit einigen Jahren ist, dort als „touristisch“ eingestuft wird. Es darf dort, außer Kurzzeiturlaubern, eigentlich keiner wohnen.

Die Wohnanlage nicht weit vom Strand gibt es schon seit 1968. Schmidts Vater war einer der Ersten, die sich dort einkauften. 30 Deutsche, ein Schweizer und eine Spanierin haben hier ihren Erst- oder Zweitwohnsitz. „Touristisch genutzt wurden die Wohnungen noch nie“, sagt Schmidt. Als ihm der Anwalt empfahl, Einspruch gegen die Einstufung als touristische Anlage zu erheben, meinte der Remscheider: „Das müssen wir doch nicht.“ Doch der Anwalt empfahl ihm: „Das sollten Sie ernst nehmen!“

Von 16.000 Einwohnern sind 11.000 Ausländer

In der Gemeinde San Bartolomé de Tirajana, zu der Playa del Inglés gehört, leben mehr als 16.000 Menschen – schätzungsweise 11.000 von ihnen Ausländer, vor allem Deutsche, Briten und Skandinavier – in Wohnungen, Apartments oder Häusern, die eigentlich touristisch genutzt werden sollten. Sie leben dort offiziell angemeldet. Das hat jahrzehntelang niemanden gestört. Doch vor zwei Jahren erließ die kanarische Regionalregierung ein Gesetz, das sie im Mai dieses Jahres mit einem Dekret weiter ausführte, in dem für diese Wohnungen die „Pflicht, sich an die touristische Nutzung zu halten“, festgeschrieben wird. San Bartolomé de Tirajana ist die erste Gemeinde, die nach diesem Gesetz einen Raumordnungsplan erlassen hat, in dem genau zwischen Gebieten unterschieden wird, in dem Residenten leben dürfen – und wo nicht. Seit der Plan in diesem Sommer veröffentlicht wurde, fürchten Tausende Apartmentbesitzer um ihr Eigentum.

Die Urlaubsinsel

Gran Canaria, nach Teneriffa und Fuerteventura die drittgrößte der Kanarischen Inseln, zählt zu den beliebtesten Urlaubsinseln der Deutschen. Die fast kreisrunde, 1560 Quadratkilometer große Vulkaninsel liegt 210 Kilometer westlich vor der Küste Südmarokkos und hat etwa 815 000 Einwohner. Auf der „Insel des ewigen Frühlings“, wie Gran Canaria auch genannt wird, herrschen fast durchgängig Temperaturen über 20 Grad. Pro Jahr besuchen 2,8 Millionen Menschen Gran Canaria. Besonders beliebt sind die touristischen Zentren im Süden der Insel wie Maspalomas, Playa del Inglés und San Agustín. Mit 32 Prozent kommen die meisten Urlauber aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, gefolgt von Reisenden aus Skandinavien (29 Prozent) und Großbritannien (21 Prozent). Gran Canaria gilt als Rentnerinsel, sie eignet sich aber auch für Aktivurlaub. Die felsige Landschaft lädt zum Wandern ein, die Strände zum Wassersport

„Ich fühle mich betrogen“, sagt der 53-jährige Norweger Frederick Clederly. Er lebt seit 17 Jahren auf Gran Canaria, das ganze Jahr über, und betreibt dort einen Friseursalon. Vor sieben Jahren kaufte er sich eine Wohnung in Playa del Inglés in einer Anlage, die zu 51 Prozent als Aparthotel und zu 49 Prozent als Wohnhaus für Residenten genutzt wird. Doch nach dem Raumordnungsplan dürfen hier nur Touristen unterkommen. „Niemand hat mich gewarnt, nicht der Notar, nicht mein Anwalt, nicht die Bank“, schimpft Clederly. „Ich versuche, ein guter Bürger zu sein – und so behandeln sie mich!“

Noch ist es nicht mehr als eine Drohung, die über den Köpfen von Schmidt und Clederly schwebt, und noch wissen sie nicht einmal genau, worin die Drohung in ihrem konkreten Fall besteht. Eine Bürgeinitiative, die sich „Plataforma Técnica Apartamentos Sur de Gran Canaria“ nennt, interpretiert die neue Rechtslage so, dass die Residenten enteignet werden können. Das Dekret zum „Gesetz über die touristische Erneuerung und Modernisierung der Kanaren“ erwähnt diese Möglichkeit im Falle der Weigerung, notwendige Renovierungen am Wohnungsbesitz durchzuführen. Doch die Renovierung einer touristisch genutzten Anlage muss andere Standards erfüllen als die einer Privatwohnung. „Wir haben keinen zweiten Feuerlöscher auf den Gängen“, sagt Walter Schmidt. „Die könnten wir ja noch problemlos anbringen. Aber wir haben auch keine zweite Feuerleiter und keinen Rettungsschwimmer am Swimmingpool.“

Hotelbesitzer könnten Wohnungen übernehmen

Die größten Sorgen machen sich die Residenten in gemischt genutzten Anlagen, so wie der Norweger Clederly. Er fürchtet, dass er seine Wohnung an den Hotelbetreiber in derselben Anlage abtreten muss, gegen eine symbolische Miete, ohne Kontrolle über sein Eigentum. Die kanarische Tourismusministerin María Teresa Lorenzo hat diese Woche vor dem Regionalparlament angekündigt, erst einmal eine „gründliche Studie“ über die Residenten in eigentlich dem Tourismus vorbehaltenen Zonen durchzuführen. „Das Letzte, was diese Leute jetzt brauchen, ist unnötiger Alarm“, sagte sie. Beruhigt hat sie die Residenten damit noch nicht.

Von Martin Dahms

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