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Fernbusse sorgen für Ärger in Innenstädten

Neue Verkehrsstudie Fernbusse sorgen für Ärger in Innenstädten

Das Unfallrisiko auf deutschen Autobahnen ist hoch. Trotzdem steigen immer mehr Reisende auf Fernbusse um. Denn diese bieten neben günstigen Preise auch kostenloses W-Lan an. Das ist den Konkurrenten, der Deutschen Bahn, bisher noch nicht gelungen.

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Enge Kiste: In den Innenstädten verstopfen immer mehr Fernbusse die Straßen – insbesondere zur Hauptverkehrszeit.

Quelle: dpa

Hannover. Wer in Deutschland in ein Auto oder einen Bus steigt, der geht ein hohes Risiko ein. Zumindest im Vergleich zu denjenigen, die die Bahn benutzen. Die Allianz Pro Schiene hat ermittelt, dass die Gefahr, im Auto zu sterben, 63-mal höher ist. Und auch für Busreisende liegt das Risiko noch immer viermal höher als im Zug. Dennoch kehren immer mehr Fahrgäste der Bahn den Rücken und steigen auf den Fernbus um – mit spürbaren Folgen für die Innenstädte.

An anderer Stelle ist das Ergebnis sogar noch drastischer – 113-mal mehr Menschen verletzen sich bei Autounfällen. Unterschiede zwischen Fern- und Reisebussen sowie dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) werden hierbei nicht gemacht.

Ergebnisse von Untersuchungen der Allianz pro Schiene auf Basis von Daten des Statistischen Bundesamts, TREMOD. (Daten im Durchschnitt für die Jahre 2004 bis 2014.)

Quelle: Foto: Allianz pro Schiene (Stand 09.12.2015)

Bei Berufspendlern ist besonders der Zug beliebt, um während der Fahrtzeit zu arbeiten. Mit ihren günstigeren Preisen allerdings liefern die Fernbus-Betreiber für viele ein Argument für den Umstieg. Kein Wunder also, dass die markant lackierten Busse immer häufiger in der Stadt und auf der Autobahn auftauchen.

Teilweise reiht sich das Grün von Mein Fernbus und Flixbus an das Gelb vom Postbus, und dahinter fährt der blaugraue Berlinlinienbus. Zum Ärger der anderen Verkehrsteilnehmer:  Rund um die zentralen Omnibusstationen (ZOB) in Großstädten staut es sich zunehmend. "Es mag so erscheinen, dass man immer mehr Fernbusse auf den Straßen sieht. Ein Bus ersetzt aber auch 15 bis 20 Autos – das ist eine gute Bilanz", sagt Mein Fernbus-Sprecher Gregor Hintz. Während das für Autobahnen und Fernfahrten gelten mag, können Fernbusse jedoch nicht den ohnehin schon belasteten Berufsverkehr verhindern. Gerade zu Stoßzeiten kommt es in Innenstädten zu Chaos auf den Straßen. 

Städte wie Hannover und Heidelberg haben trotzdem bewusst in ihre ZOB investiert und die Kapazitäten für die Busse erhöht. Anderswo sollen die Fernbusse hingegen aus dem Innenstadtverkehr verschwinden. In Köln wird die Haltestelle am Breslauer Platz seit Oktober nicht mehr angefahren – eine Entscheidung aus dem Jahr 2012, also noch bevor der Markt für Fernbusse liberalisiert wurde. Das Ziel: Busse sollen generell nicht in der Stadt auftauchen.

Fernbusse nur in der Innenstadt unbeliebt

Nun muss auf die Haltestellen in Leverkusen oder am Flughafen Köln Bonn ausgewichen werden. Von dort ist die Weiterreise mit den ÖPNV möglich.Befürworter einer zentralen Haltestelle sehen vor allem Vorteile in Umstiegsmöglichkeiten und Erreichbarkeit. Gegner argumentieren dagegen, dass gerade im Berufsverkehr die Fahrt mit dem Bus durch dichten Verkehr länger dauern kann als die Fahrt vom Flughafen mit der Bahn.

30000 Unterstützer haben eine Petition für den Verbleib der Kölner Haltestelle in der Nähe des Hauptbahnhofs unterschrieben. Diese wurde kürzlich dem Rat der Stadt übergeben, der nun Stellung beziehen muss. Auch Mein Fernbus ist an der Diskussion beteiligt.

"Wir sind mit der Stadt Köln und weiteren Entscheidern im Gespräch und hoffen auf eine baldige Lösung. Wenn der Breslauer Platz nicht zu halten ist, versuchen wir mit Partnern einen privaten Omnibushalt aufzubauen", erklärt Gregor Hintz.

DB macht Kompromisse

Wegen des Umbaus des Stuttgarter Hauptbahnhofs ("Stuttgart 21") wird auch dort die Haltestelle nicht mehr angefahren, ohnehin ist die Innenstadt schlecht von der Autobahn zu erreichen. "In Stuttgart scheint der Flughafen eine geeignete Alternative zu sein. Allerdings ist die Eröffnung bereits zweimal verschoben worden. Da wir investiert und die Fahrpläne angepasst haben, hoffen wir, dass der dortige Fernbus-Terminal im April endlich eröffnet", sagt Hintz.  

Der Aufwand lohnt: Im vergangenen Jahr stiegen etwa 16 Millionen Fahrgäste in einen Fernbus. Dieses Jahr wird sich die Zahl noch weiter erhöhen. Nicht zuletzt, da der Lokführerstreik Pendler und Reisende geradezu in die Busse getrieben hat. Verspätungen, Zugausfälle und die aktuell günstigen Benzinpreise führen zu weiteren Verlusten. Konsequenz der Deutschen Bahn: Dieses Jahr werden nicht wie sonst üblich im Dezember die Preise für Zugtickets erhöht.

Datenklau

Gratis-Internet: Fernbusse schaffen heute schon das, woran die Fernzüge noch arbeiten müssen: Gratis-Internet für alle Reisenden. Das spart den Kunden nicht nur Datenvolumen, sondern erweist sich häufig auch als stabilere Verbindung auf den Bundesstraßen und Autobahnen. Das wissen nicht nur die Mitreisenden, sondern auch die PKW-Fahrer hinter den auffällig lackierten Reisebussen. 

Willkommene Werbung: „Das WLan darf gerne auch drumherum genutzt werden – sind ja alles potenzielle zukünftige Fahrgäste“, sagt Geschäftsführer Marc Fleischhauer, der 90 Busse auf deutschen Straßen von Stadt zu Stadt schickt.

Von Eva-Maria Weiß

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