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Panorama Flüchtig geküsst und echt geweint bei der Hochzeit in Monaco
Nachrichten Panorama Flüchtig geküsst und echt geweint bei der Hochzeit in Monaco
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19:49 03.07.2011
Eine Geste gegen alle bösen Trennungsgerüchte: Albert von Monaco küsst seine Charlene, nachdem am Sonnabend nun auch die Kirche der Verbindung ihren Segen gegeben hatte. Quelle: dpa
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Monaco

Mitternacht ist längst vorbei, der Sonntag angebrochen, als seine Hoheit Albert II. doch noch Order gibt, „das Meer in Brand zu setzen“. So haben der fürstliche Feuerwerker Jacques Couturier und sein ihm zur Hand gehender Sohn Joseph jedenfalls beschrieben, was zum krönenden Abschluss des zweitägigen Hochzeitsfests am Port Hercule passieren würde. Es regnet Sterne vom Himmel. Leuchtblumen zerstäuben zu Sprühregen. Herzen erstrahlen feuerrot am Firmament. Und zum Schluss schimmert der ganze Nachthimmel, ja ganz Monte Carlo in den Landesfarben rot und weiß.

Ein Gutteil der Monegassen, die an der zum Palast hinaufführenden Avenue de la porte neuve das Spektakel anschauen wollten, waren noch vor Beginn des Feuerzaubers unverrichteter Dinge wieder abgezogen. Gerüchte machten die Runde, der auf den Casinoterrassen mit 500 Gästen dinierende Fürst habe vergessen, dass er seinen Untertanen für 23.30 bis 24 Uhr ein Feuerwerk versprochen hatte.

Diejenigen freilich, die ausgeharrt haben, dürfen einen dieser märchenhaften Momente der Fürstenhochzeit erleben, die zwar zwei Tage lang als großes Spektakel daher kam, aber eben nur selten grandios oder märchenhaft war. Wobei die märchenhaftesten wie peinlichsten Augenblicke erst ein paar Stunden zurückliegen. Am späten Sonnabendnachmittag war es gewesen, bei der kirchlichen Trauung: Im Ehrenhof des Palasts schreitet Charlene am Arm des Vaters unter Schatten spendenden Sonnensegeln dem Altar entgegen. „Magnifique, magnifique“, entfährt es einem zur Feier des Tages mit rot-weißem Halstuch erschienenen Monegassen, „großartig, großartig“. Das durch Seidentüllschleier schimmernde makellose Madonnengesicht der Braut, ihr dann und wann aufscheinendes liebevolles Lächeln, die von Giorgio Armani entworfene körpernahe Satin- und Seidenrobe mit der rekordverdächtig langen Schleppe: Der ehemalige Schwimmstar gibt die Fürstin in Vollendung.

Aber dann kommt Albert in Carabinieri-Uniform. Er wirkt überhaupt nicht verliebt. Nicht ein Hauch von Rührung zeichnet sich auf dem Gesicht des Mannes ab, der mit absolutistischer Machtfülle die Geschicke seines zwei Quadratkilometer großen Reiches bestimmt. Immerhin gelingt der Hochzeitskuss diesmal besser als bei der standesamtlichen Trauung. Er ist zwar wieder kurz und flüchtig, aber weniger verrutscht. Dafür verfehlen sich dann beim gegenseitigen Überstreifen der Hochzeitsringe die Hände der Brautleute. Draußen vor dem Palast sind Albert und Charlene auf Riesenbildschirmen in unterschiedlichen Fenstern zu sehen, was den Eindruck noch verstärkt: Zwischen den beiden stimmt etwas nicht. Sollte Albert tatsächlich, wie gewöhnlich gut unterrichtete Klatschkreise zu wissen glauben, zum Ärger von Charlene ein drittes uneheliches Kindes gezeugt haben?

Was der im Publikum sitzende Modeschöpfer Karl Lagerfeld von all dem hält, ist nicht zu erraten. Seine Gesichtszüge sind undurchdringlich, die Augen hinter Sonnenbrillengläsern verborgen. Das Model Naomi Campbell wünscht dem Paar politisch korrekt „alles Glück der Welt“. Und der bei Hochzeiten und Todesfällen regelmäßig zusammenkommende, skandalerprobte Hochadel ist ohnehin nicht so leicht zu erschüttern. Die Blicke der Fürsten, Prinzessinnen und Könige signalisieren mal freundliche, mal gelangweilte Anteilnahme.

Auf den Großbildschirmen wird die Marke des Wagens herangezoomt, in dem die Brautleute ein Bad in der Menge zu nehmen gedenken. Werbewirksam kommt der Hochzeitssponsor zur Geltung, ein Glück, das zuvor auch schon dem Hersteller des Füllfederhalters zuteilgeworden war, mit dem Albert und Charlene den Bund fürs Leben besiegelt haben. Das hat wenig mit Hochzeitsromantik zu tun.

Aber dann, inmitten des Inszenierten, bricht sich das Authentische Bahn. Die kirchliche Trauung ist vorbei. Albert und Charlene sind im offenen Hybridauto vorbei an Fähnchen schwenkenden Untertanen zur Kapelle gelangt, in der die Fürstin der Heiligen Dévote, der Schutzherrin von Monaco, „traditionsgemäß den Brautstrauß darreichen will“, wie einem Kommunique des Palasts zu entnehmen ist. Um eine blutjunge Tradition geht es, beruht sie doch schlicht darauf, dass die von Alberts Vater Rainier gefreite Hollywoodikone Grace Kelly 1956 als erste und bisher einzige Fürstenbraut ihr Blumengebilde in der Kapelle abgelegt hat.

Marie-Clotilde Würz-de Baets und ihre elfjährige Tochter Juliette erwarten das frisch getraute Paar vor dem Altar. Unbekümmert, fast ausgelassen singen sie drauflos, freuen sich an ihren Stimmen. Der Einbruch des Echten nach all der Etikette, dem von Protokollzwängen geprägten Hochzeitszeremoniell, ist mehr, als Charlene verkraften kann. Tränen rinnen ihr über die Wangen. Irritiert über die nicht vorgesehene sentimentale Einlage blickt Albert zur Braut hinüber und versucht sie zu beruhigen, indem er leise das Lied mitsingt. Die Monegassen, die das Ganze auf Großbildschirmen verfolgen, sind nun erst Recht hingerissen von ihrer Fürstin, die sich nun auch noch als sehr empfindsam erweist.

Und doch ist die Hochzeit nicht nur ein Wechselbad der Gefühle. Eine Konstante gibt es auch. Es ist die Größe. Eine astronomische Zahl toppt die andere. 20.000 Perlmutttropfen und 30.000 Goldperlen schmücken das Hochzeitskleid der Braut. Für das Diner zeichnet Alain Ducasse verantwortlich, der Koch, der weltweit die meisten Michelinsterne erhalten hat. Der Elektromusiker Jean Michel Jarre hat rekordverdächtige 85.000 Zuschauer in Bann gezogen. Mehr als das Zweieinhalbfache der Bevölkerung Monacos ist das.

Man kann Albert viel vorwerfen, aber nicht, dass er über die Hochzeit seine Amtspflichten aus dem Blick verloren hätte. Monaco ist eine Marke. Die umworbene Kundschaft, die Reichen und Schönen, verlangen das Maximale. Und der Fürst handelt danach. Weil dem Herrscher die 500 Menschen fassende Kathedrale nicht groß genug erschien, hat er sich nicht einmal gescheut, Erzbischof Bernard Barsi an den Sitz weltlicher Macht zu zitieren und die Hochzeitsmesse im provisorisch überdachten Palasthof zelebrieren zu lassen. Nicht zu vergessen, was Monacos Tourismusbeauftragter Michel Bouquier das „Feuerwerk des Jahrhunderts“ nennt. Vier Tonnen entzündliches Material sind dabei in die Luft geflogen.

Axel Veiel

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