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Frachter im Bermuda-Dreieck verschollen

Hurrikan "Joaquín" Frachter im Bermuda-Dreieck verschollen

Die Hoffnung schwindet mit jedem Tag. Vor der Ostküste der USA droht eine der schlimmsten Schiffskatastrophen im Atlantik der vergangenen Jahrzehnte. Der Containerfrachter „El Faro“ geriet offenbar im schweren Hurrikan „Joaquín“ in Seenot.

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Kein Kontakt mehr: Das Containerschiff „El Faro“ ist in den Hurrikan „Joaquín“ geraten und offenbar gesunken.

Quelle: dpa

Zur 33-Mann-Besatzung gibt es keinen Kontakt mehr. Auch fanden Bergungstrupps bereits eine Leiche, Wrackteile sowie eine dicke Ölspur. Die Behörden sind überzeugt: Der 242 Meter lange Ozeanriese ist vor den Bahamas im Bermuda-Dreieck gesunken. Der Tanker hatte vergangene Woche Dienstag den Hafen in Jacksonville/Florida verlassen.

Zu dem Zeitpunkt näherte sich der Wirbelsturm „Joaquín“ von der Karibik der US-Ostküste. Am Donnerstag riss dann morgens der Funkkontakt zu dem unter US-Flagge fahrenden Containerfrachter ab. Seitdem suchten Dutzende Hubschrauber, Aufklärungsflugzeuge und Schiffe nach Frachter und Besatzung. US-Küstenwache und US-Marine beteiligten sich mit Aufklärungs- und Transportflugzeugen.

Ein Rettungsring mit der Aufschrift "El Faro"

Am Sonntag entdeckten Suchmannschaften dann Wrackteile etwa 35 Seemeilen nördlich der Bahamas. Im Wasser trieb außerdem eine Leiche in einem Überlebensanzug unweit eines schwer beschädigten Rettungsbootes der „El Faro“, teilte die US-Küstenwache mit. Auch fanden sie einen Rettungsring mit der Aufschrift „El Faro“ und dem Heimathafen San Juan.

Von Überlebenden war jedoch keine Spur. „Bei Betrachtung aller Fakten gehen wir davon aus, dass das Schiff gesunken ist“, sagte Captain Mark Fedor von der Küstenwache. Die Behörden schränkten die Suchmaßnahmen in der Folge ein.

Der Reeder hoffte auf einen technischen Defekt

Die 242 Meter lange „El Faro“ war mit Containern auf dem Weg von Florida nach Puerto Rico. An Bord des Frachters waren 28 US-Amerikaner und fünf Polen. Das Schiff pendelte dort mit einem Schwesterschiff in einem Liniendienst der US-Reederei Tote Maritime. Zunächst hatte Reeder Tim Nolan noch die Hoffnung auf einen technischen Defekt.

„Es gibt eine ganze Reihe von Gründen, weshalb eine Kommunikation abreißen kann. Der Hurrikan ‚Joaquín’ gehört dazu“, sagte Nolan einen Tag nach der Funkstille. Doch es sollten nur Durchhalteparolen sein. Drei Suchflugzeuge der US-Küstenwache und zwei Maschinen der US-Navy suchten das 70.000 Quadratkilometer große Gebiet nördlich der Bahamas ab. Erfolglos.

Überbringen die traurige Botschaft: Commander Gabe Somma (l.) und Coast Guard Captain Mark Fedor haben wenig Hoffnung, Überlebende der „El Faro“ zu finden.

Quelle: dpa

Der Untergang der „El Faro“ ist der größte Schiffsverlust seit Jahrzehnten im Atlantik. Im Dezember 1978 verschwand der deutsche Containerfrachter „München“ mit 28 Seeleuten spurlos vor den Azoren. Erst Tage später wurden damals Wrackteile der „München“ gefunden. Von dem 261 Meter langen Schiff und den Seeleuten fehlt aber bis heute jede Spur.

Die „El Faro“ und ihre Schwestern „El Yunque“ sowie „El Morro“ pendeln seit Jahren zwischen der US-Ostküste und Puerto Rico. Die Schiffe sind 40 Jahre alt und sollten im nächsten Frühjahr durch Neubauten ersetzt werden. Erst vor wenigen Tagen feierte die Reederei den Stapellauf des zweiten Neubaus für den Karibik-Dienst in San Diego. Die Neubauten sind die ersten großen Containerfrachter der Welt, die mit verflüssigtem Erdgas (LNG) als Treibstoff fahren sollen.

Großalarm in der Nacht rettet 
Besatzung nach Kollision das Leben

Glück im Unglück hatten in der Nacht zu Dienstag die Besatzungen eines niederländischen Frachtschiffs und eines Gastankers. Auf der Nordsee vor der belgischen Küste sind die beiden Schiffe zusammengestoßen und hatten einen Großalarm ausgelöst. Das Frachtschiff ist nach der Kollision gesunken, meldete die belgische Nachrichtenagentur Belga am Dienstagmorgen unter Berufung auf den Provinzgouverneur Westflanderns, Carl Decaluwé. Die Besatzung des gesunkenen Frachters aus elf bis zwölf Personen wurde gerettet, einige wurden ins Krankenhaus gebracht.

Eine belgisch-niederländische Rettungsaktion mit mehreren Booten und einem Hubschrauber endete gegen 
7 Uhr am Morgen. Das Unglück hatte sich gegen 4.15 Uhr auf Höhe des belgischen Küstenortes Zeebrügge ereignet. Der Gastanker unter der Flagge der Marshall-Inseln wurde laut Belga nur leicht beschädigt. Das Schiff hat laut RTBF eine Länge von 315 Metern und eine Breite von 51 Metern.

Die Gefahr einer Explosion bestand nicht. Es wird nun nach Zeebrügge gebracht. Der gesunkene Frachter „Flinterstar“ aus den Niederlanden ist ein Schiff mit einer Länge von 130 Metern. Es habe keine gefährlichen Güter transportiert, schrieb Belga unter Berufung auf niederländische Behörden.

Wohl aber Mengen an Treib- und Schmierstoffen, die Bergungsteams nun abpumpen sollen. Wie groß die Schäden sind, ist noch nicht abzusehen. Das Schiff verliere Öl, umfangreiche Reinigungsarbeiten hätten bereits begonnen, berichten die Behörden. Carl Decaluwé befürchtet neben dem menschlichen Leid dennoch auch schlimme Folgen für die Umwelt.

Von Frank Behling 
und Carsten Bergmann

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