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So erlebte DJ Westbam die letzte Loveparade

Fünf Jahre nach der Katastrophe So erlebte DJ Westbam die letzte Loveparade

Vor fünf Jahren brach bei der Loveparade in Duisburg eine Massenpanik aus. 21 Menschen starben, über 500 wurden verletzt. Mit der Technoveranstaltung untrennbar verbunden war DJ Westbam. Er meint, das Unglück im Ruhrgebiet hätte vermieden werden können. Ein Interview.

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DJ Westbam aus Münster hat bei allen Loveparades seit 1989 aufgelegt.

Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert

Wie hat die LoveParade die Szene verändert?
Westbam: Die Loveparade hat in den 90er Jahren wesentlich zu einem positiveren Deutschlandbild beigetragen, das unter anderem auch so etwas wie das Sommermärchen 2006 möglich gemacht hat. Gerade die Bilder, bei denen Deutsche, Polen und Israelis gemeinsam feiern, hat es ja vorher nicht gegeben.

Welche Bilder sind Ihnen im Kopf geblieben?
Es sind vor allem die Bilder der frühen Loveparades vom Kudamm und der großen Loveparade mit der Abschlusskundgebung an der Siegessäule. Später hatte die Loveparade schon lange nicht mehr die Bedeutung wie früher.

Wie haben Sie damals die Katastrophe erlebt?
Ich saß im Flieger zur Veranstaltung, als die Katastrophe passiert ist. Es sollte ohnehin meine letzte Loveparade werden, ich hatte meinen Rücktritt angekündigt, weil mir die Veranstaltung fremd geworden war. Als ich ankam, hatte ich 30 SMS auf dem Handy. Im ersten Moment habe ich es gar nicht begriffen. Als aber klar war, dass es Tote gegeben hätte, wusste ich sofort, dass dies das Ende der Veranstaltung bedeutet.

Tausende Raver drängten sich am 24. Juli 2010 auf der Loveparade in und vor dem Tunnel in Duisburg, in dem sich die Massenpanik ereignet hatte.

Quelle: Erik Wiffers

Wie empfinden Sie, dass die Schuldfrage bis heute nicht geklärt wurde?
Es ist natürlich klar, dass jeder gerne einen oder den Schuldigen benannt hätte, dieser verurteilt würde und die Sache abgeschlossen wäre. Mal abgesehen davon, dass das nun auch keines der Opfer wieder lebendig machen würde, ist der Fall halt wirklich komplex und die Schuld liegt auf vielen Seiten: Bei der Stadt, die die Loveparade unbedingt haben wollte, bei den Behörden und beim Veranstalter, der die Gegebenheiten nicht genau überprüft hat, sowie bei der Polizei, die viel früher hätte einschreiten müssen. Es wird wahrscheinlich nie letztgültig geklärt werden.

Hätte das Unglück vermieden werden können?
Natürlich. Wenn man sich den Tunnel ansieht, hätte jeder Fachmann sehen können, dass das problematisch werden könnte. Die Loveparade hatte bis zu diesem Tag immer den Nimbus einer komplett friedlichen Veranstaltung, bei der 20 Jahre lang nichts Nennenswertes passiert war. Vielleicht hat dies in gewisser Weise blind gemacht.

Sie sollten damals trotz des Unglücks auflegen. Wie haben Sie diese Bitte interpretiert?
Mir wurde es so erklärt, dass ich auflegen solle, um keine Panik aufkommen zu lassen. Dennoch hätte ich einen Auftritt von mir als geschmacklos empfunden. Ich hätte auch gar keine passende Musik dabeigehabt und irgendwelche fröhlichen Raveslammer wollte ich wirklich nicht spielen.

Hat Deutschland aus den Folgen gelernt?
Mir kommt es so vor, als würde bei Großveranstaltungen mehr auf die Sicherheit und Fluchtwege geachtet werden.

Wie begegnen Ihnen die Menschen heute, wenn die LoPa zur Sprache kommt?
Es gibt viele, gerade aus dem Ausland, die fragen, ob es wieder eine Loveparade geben würde und sich auch eine solche wünschen. Ich antworte denen immer, dass das nicht dasselbe wäre und dass man die Zeit nicht wiederholen kann.

Interview: Carsten Bergmann

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Foto: Schemenhafte Figuren im Tunnel zum ehemaligen Gelände der Loveparade in Duisburg (Nordrhein-Westfalen).

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seither unverändert.

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