Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Panorama Riskanter Trend: Für ein Foto an den Abgrund
Nachrichten Panorama Riskanter Trend: Für ein Foto an den Abgrund
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:56 01.02.2016
Gefährlicher Trend: Beim "Rooftopping" klettern Menschen illegal und ohne Sicherung auf Hochhäuser. Quelle: dpa/Montage
Anzeige
New York

Seine Beine baumeln in schwindelerregender Höhe über der Dachkante. Unter ihm erstrecken sich die Lichter des Times Square in New York. Edward, alias Wanted Visual, ist ein "Rooftopper": Das sind Menschen, die illegal ohne Sicherung auf Hochhäuser klettern und spektakuläre Fotos und Videos davon im Internet verbreiten.

Ein gefährlicher Trend, der für einige bereits tödlich endete. Er zieht sich von New York über Hongkong, Toronto und London bis nach Moskau. Der Adrenalinkick und die Liebe für Fotografie sind für die meisten Rooftopper die Hauptgründe, ihr Leben zu riskieren. "Es ist gefährlich und absolut illegal", sagt Edward R. Wie die meisten Rooftopper arbeitet Edward unter Pseudonym, da das Hobby illegal ist. "Man kann von der Polizei erwischt werden. Man kann sich ernsthaft verletzen oder sogar sterben, wenn man nicht weiß, was man tut, oder man nicht vorsichtig genug ist."

Auf der Suche nach neuen Herausforderungen

Vor allem die Internet-Plattformen Instagram und YouTube haben den Trend in den letzten Jahren angekurbelt. Die bekanntesten Rooftopper haben Zehntausende Follower auf Instagram. Sie reisen um die Welt, immer auf der Suche nach neuen Hochhäusern, Herausforderungen und Nervenkitzeln. Viele Rooftopper sehen sich sowohl als Fotografen als auch Extremsportler. "Nicht jeder kann es machen", sagt Edward. "Viele haben Angst vor Höhen, andere sind nicht fit genug, um zu klettern und Dutzende Stockwerke zu erklimmen, andere hätten zu viel Angst, erwischt zu werden."

Auch James McNally alias jamakiss findet immer neue Wege, um sich Zugang zu New York Citys Wolkenkratzern zu beschaffen. In Midtown zieht er sich wie ein Banker an, bei anderen Hochhäusern setzt er sich einen Bauarbeiterhelm auf, um sich als vermeintlicher Arbeiter unter die Menge zu mischen. "Ich will immer Dinge ausprobieren, vor denen ich Angst oder Respekt habe", sagt er. New York mit seinen vielen Hochhäusern und der vielfältigen Architektur für den 34-Jährigen der perfekte Ort für seinen "Sport". McNally schätzt, dass er schon auf 80 Gebäuden in der Stadt war, darunter Ikonen wie das Woolworth Building oder One57.

Vier Tage im Gefängnis

Da Rooftopper meist in der Nacht auf Hochhäuser gehen, laufen sie oft 70 Stockwerke zu Fuß und müssen an Wachpersonal und Kameras in Fahrstühlen unbemerkt vorbei. Bei einer Reise nach Hongkong wurde McNally verhaftet, als er auf einen Wolkenkratzer kletterte. Er musste vier Tage im Gefängnis verbringen. Nicht, dass ihn das abgeschreckt hätte: "Sobald ich (...) wieder nach Hongkong einreisen darf, will ich noch mehr Hochhäuser dort erklimmen."

Der Ukrainer Vitaliy Raskalov und der Russe Vadim Makhorov von On the Roofs gelten als Wegbereiter des lebensgefährlichen Trends. Die zwei Männer haben schon auf den Dächern des Kölner Doms, der Cheops-Pyramide und des Shanghai Towers gesessen. Zu den berühmtesten Rooftoppern weltweit gehören Ivan Kuznetsov alias Beerkus aus Moskau, Roof Topper aus Toronto und MustangWanted aus Kiew.

"Gefahr verkauft sich"

Doch es gibt auch kritische Stimmen. Neil Ta, ein Fotograf in Toronto, war selbst jahrelang Rooftopper, gehört mittlerweile aber zu den größten Kritikern. "Gefahr verkauft sich", sagt er und nennt den Trend eine "Sucht nach mehr Aufmerksamkeit".

Ta kritisiert: "Füße über dem Abgrund baumeln zu lassen und "Ich bin in Gefahr"-Fotos sind nur ein purer Schrei nach Aufmerksamkeit." Die Fotos seien sehr oberflächlich und hätten keine Substanz, sagt Ta. Durch den Konkurrenzkampf in der Fotografie ginge es für die meisten Rooftopper nur noch darum, wer das schwindelerregendste Foto produziert. Dabei bleibe die Kunst der Fotografie auf der Strecke. Der lebensgefährliche und illegale Trend hat oft einen hohen Preis: Ein 20-jähriger Rooftopper fiel am Silvesterabend von einem 52-stöckigen Hotel in New York in den Tod. Er war mit einem Freund auf das Dach geklettert, um nachts Panorama-Aufnahmen der Stadt zu machen.

Von Stephanie Ott

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Bei einem illegalen Autorennen ist in Berlin ein unbeteiligter 69-Jähriger ums Leben gekommen. Drei weitere Autoinsassen wurden bei der Kollission am frühen Montagmorgen schwer verletzt.

01.02.2016

Im Februar wird Supermodel Cindy Crawford 50. Zu diesem Anlass will die 49-Jährige ihre Modelkarriere beenden. "Was sollte ich denn noch machen", fragt die Frau mit dem markanten Leberfleck am Mundwinkel.

01.02.2016

Ein Tierschänder hat nach Überzeugung von Tierschützern in Australien 17 Kängurus gezielt überfahren. "Das war kein Unfall, der Fahrer muss die Tiere absichtlich überfahren haben", sagte ein Sprecher der Tierschutzorganisation.

01.02.2016
Anzeige