Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -6 ° heiter

Navigation:
Gegner des Flughafens hoffen auf Baustopp wegen eines Käfers

Braunschweig Gegner des Flughafens hoffen auf Baustopp wegen eines Käfers

Schützenswerte Hamster oder Vögel haben bereits große Bauvorhaben wie Autobahnen oder Gewerbegebiete ins Stocken gebracht. Gegner des Ausbaus des Braunschweiger Flughafen hoffen nach dem Fund eines seltenen Käfers auf einen Stopp der bereits angelaufenen Arbeiten.

Voriger Artikel
Popduo Ich + Ich macht „kreative Pause“
Nächster Artikel
Fünffache Kindsmörderin fordert drei Millionen Euro von Psychiater

Streitpunkt: Der Braunschweiger Flughafen.

Quelle: Krone

Er gilt als flugträge, legt in seinem ganzen Leben höchstens zwei Kilometer zurück. Dennoch spielt er auf dem Braunschweiger Flughafen derzeit eine große Rolle: der Eremit, ein von der EU geschützter Käfer. Obwohl die Verlängerung der Startbahn von knapp 1700 auf 2300 Meter längst höchstrichterlich abgesegnet ist und 30 Hektar der etwa 55 betroffenen Hektar Waldes bereits gefällt sind, wollen die Gegner nicht aufgeben. Mit Mahnspaziergängen, Demonstration und nun auch mithilfe des seltenen Insekts hoffen sie noch immer das Vorhaben stoppen zu können.

„Da sind die Messen gesungen“, ist sich der Geschäftsführer des Flughafens, Boris Gelfert, sicher. Schließlich habe das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig schon im November 2009 festgestellt, dass die Bahn in ein Europäisches Vogelschutzgebiet hereinragen darf. Es überwiege das Interesse, die Zukunft der Forschungseinrichtungen am Flughafen zu sichern, heißt es.

„Es ist der größte Forschungsflughafen Deutschlands und der zweitgrößte Europas“, hebt Braunschweigs Oberbürgermeister Gert Hoffmann (CDU) hervor. Rund 2000 hoch qualifizierte Arbeitsplätze seien derzeit dort angesiedelt. Die Stadt hält - neben VW und den umliegenden Kommunen - rund 42,6 Prozent am Flughafen und sieht ihn als ein Aushängeschild.

Unter anderem sind dort das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), das Luftfahrtbundesamt (LBA) und ein ganzer Campus der Technischen Universität Braunschweig (TU) angesiedelt, hinzu kommen mehrere Firmen, wie etwa Aero Data, die technische Neuerungen für die Luftfahrt entwickeln und verkaufen. Zudem wird der kleine Regionalflughafen von Unternehmen - vornehmlich von Volkswagen - für Geschäftsflüge genutzt. Charter- und Frachtflüge spielen hingegen keine nennenswerte Rolle.

Die Befürworter des rund 38 Millionen Euro teuren Ausbaus sagen, alle Anlieger des Flughafens würden von der längeren Startbahn profitieren. „Für die Forschung ist die Verlängerung nicht zwingend nötig“, betont dagegen Uta Ernst von einer der Bürgerinitiativen, die seit fast zehn Jahren gegen das Projekt angehen.

So lange schon wird das Für und Wider diskutiert, unzählige Gutachten - die Rede ist von mehr als 60 - wurden geschrieben, Beschlüsse gefasst. Der Naturschutzbund und einige Anlieger haben das Bauvorhaben vom Gericht prüfen lassen - und unterlagen.

Horst Gasse, der in Hondelage nahe des Flughafens lebt, ist entsetzt: „Die Vorgehensweise was den Naturschutz betrifft, ist beklagenswert“, sagt der 70-Jährige. Schon die Gutachter-Auswahl sei nicht okay gewesen. Politikern wie Richtern trauen die Gegner nicht ganz über den Weg, der Wert des Waldes als Naherholungs- und Tierschutzgebiet sei nicht ausreichend gewürdigt worden.

Im Wohnzimmer von Uta Ernst stapeln sich die Akten: Von Gerichtsbeschlüssen über schon vergilbten Auszügen des Vogelschutzes bis hin zu einer Anzeigenkampagne von VW, in der der Autobauer sich als umweltfreundlich darstellt.

Dem Autobauer im benachbarten Wolfsburg bringen die Gegner besonders viel Misstrauen entgegen. Noch bis zu diesem Donnerstag gehören VW rund 35,6 Prozent des Flugplatzes. Die Anteile werden dann jedoch in den Besitz der Flughafengesellschaft übergehen - mit einem Privatunternehmen im Boot wäre die Strukturförderung in Gefahr, hatte die Stadt unlängst als Begründung mitgeteilt.

Als größtes Unternehmen in der Region ist und bleibt VW jedoch einer der größte Privatnutzer des Platzes. So ist von den Gegnern immer wieder zu hören, der Ausbau sei vor allem für die Fernflüge des Topmanagements nötig. Die Vermutung, die längere Startbahn sollte der Ansiedlung eines Luftfracht-Unternehmensdienen, wurde dementiert.

Hoffmann sieht der Zukunft gelassen entgegen: „Vieles, was seit Jahresbeginn über die Bühne geht, ist durch nichts gerechtfertigter Klamauk“, sagt der Lokalpolitiker. Und der Eremit, schließlich hat die EU dem Insekt Schutz versprochen? Uta Ernst, Horst Gasse und andere Gegner haben der EU-Generaldirektion für Umwelt den Fund gemeldet. Auf eine Antwort warten sie noch.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Panorama
Familiendrama mit sechs Toten in Österreich

Ein Familiendrama erschüttert Österreich. Eine Frau soll mehrere Angehörige erschossen haben.