Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Gericht verurteilt Geisterfahrer wegen Mordes

Lebenslange Haft Gericht verurteilt Geisterfahrer wegen Mordes

Ein Mann flüchtet vor der Polizei, er rast davon, gerät in den Gegenverkehr – und stößt mit einem anderen Auto zusammen. Eine Frau stirbt. Der Geisterfahrer wird deshalb wegen Mordes verurteilt. Der Richter gibt auch der Polizei eine Mitschuld.

Voriger Artikel
Meistgehasster Manager der USA wieder frei
Nächster Artikel
Prinz George kommt in den Kindergarten

Auf der Flucht vor der Polizei verursachte ein Geisterfahrer einen tödlichen Unfall. Dabei starb eine 21-jährige Frau.

Quelle: Klaus-Dieter Häring/dpa

Limburg. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wollte eine Polizeistreife den 45 Jahre alten Mann im Januar 2015 stoppen, weil dieser mit gestohlenen Nummernschildern unterwegs gewesen sei. Außerdem sei er ohne Führerschein gefahren – wie schon einmal: Dafür war der Mann bereits verurteilt worden. Er verbüßte deshalb eine Haftstrafe, war im Januar aber Freigänger.

Unschuldige Frau getötet

Um die erneute Fahrt ohne Führerschein zu verdecken und die Vorzüge des offenen Vollzugs nicht zu verlieren, habe der Mann das Risiko einer Geisterfahrt in Kauf genommen, erklärte der Richter am Landgericht Limburg (Hessen). Das Argument des Angeklagten, er sei aus großer Angst heraus in den Gegenverkehr geraten, ließ der Richter nicht gelten: "Wer eine solche Flucht unternimmt, zeigt Nervenstärke und keine Panik."

Auf seiner Fahrt war der Mann in falscher Richtung auf die Bundesstraße 49 abgebogen. Dort raste er gegen den Kleinwagen einer 21-Jährigen. Der Geisterfahrer erlitt schwere Verletzungen. Die Frau starb bei dem Unfall nahe Limburg. Der Angeklagte wurde deshalb wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.

Richter kritisiert Justiz und Polizei

Der Richter übte in seiner Begründung aber auch Kritik an der Justiz: Dem Häftling hätte kein offener Vollzug gewährt werden dürfen. Der Staatsanwalt kündigte Ermittlungen gegen das Gefängnis an. Der Mann hatte in der Justizvollzugsanstalt in Diez im benachbarten Rheinland-Pfalz gesessen.

Die Anklage hatte in ihren Plädoyers beantragt, die besondere Schwere der Schuld festzustellen, was eine vorzeitige Entlassung nach 15 Jahren ausschließen würde. Dies wies der Richter wegen einer möglichen staatlichen Mitverantwortung zurück.

Falschaussage eines Polizisten?

Auch die Verfolgungsfahrt der Polizeibeamten sei "unverhältnismäßig" gewesen, befand der Richter. Die Aussage des Angeklagten, er habe die ganze Zeit über Blaulicht hinter sich gesehen, sei von Zeugen gestützt worden. Die davon abweichenden Angaben eines Autobahnpolizisten wertete die Kammer als vorsätzliche Falschaussage.

dpa/wer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Panorama
Familiendrama mit sechs Toten in Österreich

Ein Familiendrama erschüttert Österreich. Eine Frau soll mehrere Angehörige erschossen haben.