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"Zum Sprecher der Grünen werde ich es nie bringen"

George Clooney im Interview "Zum Sprecher der Grünen werde ich es nie bringen"

Die Clooneys haben einen Deal: Sie versuchen, nicht länger als eine Woche voneinander getrennt zu sein. Ob das klappt, warum er Albert Einstein gerne betrunken gemacht hätte und warum George Clooney Politiker nicht um ihr Amt beneidet.

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George Clooney mit seiner Ehefrau Amal: "Ich bin stärker im Armdrücken".

Quelle: dpa

Hollywood. George Clooney will nicht nur auf der Leinwand die Welt retten. So engagierte er sich immer wieder für die afrikanische Krisenregion Darfur. Inzwischen gibt es an seiner Seite jemanden, der so etwas noch besser kann: die Starjuristin und Menschenrechtsanwältin Amal Clooney, geborene Alamuddin, seine Ehefrau. „Sie ist klüger als ich“, sagt Clooney. Dierk Sindermann hat mit ihm in Hollywood gesprochen.

Herr Clooney, ich glaube, ich kann Sie jetzt leider nicht mehr wie in den vergangenen Jahren fragen, ob sie noch einmal heiraten werden...
Ja, so gehen einem Journalisten die Fragen aus. (Augenzwinkern) Aber ich bin sicher: Ihnen wird schon ein anderes Thema einfallen...

Klar. Wann werden Sie Vater?
(lacht) Geben Sie mir ein bisschen Zeit. Wir haben ja gerade erst geheiratet.

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Im Ernst: Wie hat die Hochzeit mit Amal Alamuddin Ihr Leben verändert?
Allein Amal zu treffen, hat es schon verändert. Glauben Sie mir, ich hatte nicht die Absicht zu heiraten. Als ich um ihre Hand anhielt, hatten wir nie vorher über das Thema Ehe geredet. Sie hätte in dem Moment sagen können: „Bist du verrückt. Ich dachte, wir hätten hier nur unseren Spaß“.

Doch offensichtlich ist dann aus diesem Moment etwas Neues entstanden, etwas Zukunftsweisendes.
Ja, und so freue mich darauf, den Rest meines Lebens mit ihr zu verbringen. Unsere Verbindung macht mich sehr glücklich. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass mir so etwas je widerfahren würde.

Ihre Frau ist hochintelligent. Sie arbeitet als Rechtsanwältin, als Juraprofessorin, als Menschenrechtsaktivistin. Schüchtert Sie das ein?
(grinst) Nein. Ich bin stärker im Armdrücken. Da kann ich gewinnen. (wird ernst) Gar keine Frage: Sie ist klüger als ich. Und ich finde das toll. Es ist gut, wenn man sich mit Menschen umgeben kann, die klüger sind als man selbst. Ich bin sehr stolz auf sie und ihre Arbeit als Menschenrechtsanwältin.

Die Hochzeit von George Clooney und Amal Alamuddin.

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Stört es Amal, als Frau von George Clooney jetzt auch selbst ein Promi geworden zu sein?
Sie fühlt sich nicht als Promi. Aber ihr Status hat auch einen Vorteil. Wenn sie über den Völkermord an den Armeniern redet, dann greifen jetzt auch die Entertainment-Medien das Thema auf. Das ist ein guter Nebeneffekt.

Wie haben Sie die Umstellung von Junggeselle auf Ehemann verkraftet?
Es war gar nicht besonders schwer. Wir haben so gut wie keine Meinungsverschiedenheiten. Das einzige Problem so weit ist, Zeit für Gemeinsamkeit zu finden. Ich bin als Schauspieler unterwegs und sie als Anwältin. Aber wir kriegen das hin. Wenn ich meinen nächsten Film in New York drehe, dann wird sie eine Gastprofessur an der Columbia Universität annehmen. Unser Deal ist: Wir können nicht mehr als eine Woche voneinander getrennt sein. Bisher klappt das ganz gut.

Ihre Frau ist Libanesin. Bekommen Sie durch sie mehr Einsicht in die politischen Probleme des Mittleren Ostens?
Eigentlich nicht. Amal und ich reden jeden Tag darüber, aber was beispielsweise gerade in Syrien passiert, ist verwirrend. Ich glaube, wir alle verstehen doch, wenn wir ehrlich sind, weniger und weniger, was da vor sich geht. Es wird immer komplizierter. Unsere Verbündeten sind Freunde unserer Feinde . Und unsere Freunde sind Verbündete unserer Feinde. Man stellt das Fernsehen an und da sind überall Brandherde auf der Welt.

Deprimiert Sie das?
Ein bisschen. Weil wir rund um die Uhr damit konfrontiert werden. 24 Stunden News bedeutet aber nicht unbedingt mehr News. Man sieht ständig dieselben Bilder und wir verlieren die Perspektive dafür, was wirklich auf der Welt abgeht. Es sind schreckliche Zeiten, aber es passiert auch vieles, das gut ist. Wir verlieren es nur aus dem Auge. Und das deprimiert mich mehr.

Könnten Sie mehr bewirken, wenn Sie in die Politik gingen?
Ich lese auch diese Geschichten mit Überschriften wie „George lässt sich als Gouverneur aufstellen“. Oder dass ich eine Frau mit Allah in ihrem Nachnamen geheiratet habe, weil das gut „fürs Spektrum“ ist. Glauben Sie mir, ich habe eine Menge Freunde in der Politik, und ich beneide sie nicht einen Augenblick um ihr Amt. Ich möchte keine Kompromisse machen. Ich will für eine Sache kämpfen, ohne mir Sorgen machen zu müssen, jemandem auf die Füße zu treten, der vielleicht eine Million Dollar in meine Wahlkampfkasse eingezahlt hat. Ich kann wesentlich effektiver arbeiten, ohne die Handschellen der Politik zu tragen.

Was tragen sie persönlich dazu bei, die Probleme auf der Welt zu lösen?
Ich glaube, dass meine Arbeit für Darfur Erfolge gebracht hat, auch wenn es Momente großer Fehlschläge gab. In dieser leidgeprüften Krisenregion im Westen des Sudan erleben die Menschen seit langem eine Mischung aus Fortschritt und Rückschritt, und so wird das wahrscheinlich immer sein, auch noch lange nach meinem Tod. Mir ist klar, dass es ein hoher Berg ist, den man besteigen muss.

Was tun Sie für die Umwelt? Würden Sie sich als Kämpfer für eine sauberere Umwelt sehen?
Ich tue, was ich kann. Doch ganz ehrlich: Ich habe immer auch klar gemacht, dass ich es wohl nie zum Sprecher der Grünen bringen werde. Das wäre Heuchelei. Ich fahre zwar ein stromgetriebenes Auto, aber ich nutze dann und wann auch einen Privatjet.

Zurück zu den Frauen: Selbst im liberalen Hollywood dominieren nach wie vor die Männer das Management.
Ja. Und das gibt es leider überall. Für jeden Dollar, den ein Mann verdient, bekommt eine Frau statistisch gesehen nur 78 Cent. Das ist ein Riesenfehler. Die fünf Leute, die meine Produktionsfirma „Smokehouse“ als Manager leiten, sind alle weiblichen Geschlechts.

Warum das?
Weil sie die Besten für den Job waren. Wenn man sich in einem Büro umschaut, und es ist voller Männer, dann gibt es ein Problem: Man hat nicht intensiv genug nach den besten Kräften gesucht.

Wer ist bei Ihnen zu Hause die beste Kraft in der Küche?
Sagen wir mal so: Ich koche nicht schlecht. Meine Frau macht am besten Reservierungen. Das hat sie von ihrer Mutter gelernt.

Wenn Sie drei einflussreiche Leute der Geschichte zum Dinner einladen könnten, wer wäre das?
Thomas Jefferson, weil er so ein tiefes Verständnis für unsere Verfassung hatte. Tesla, der brillante Physiker und Futurist, der unsere Stromversorgung entwarf. Und vielleicht Albert Einstein. Es heißt, dass er auf Parties sehr unterhaltsam war. Also Einstein betrunken machen und sich dann von ihm erklären lassen, was er wirklich mit dieser „Relativitäts-Therapie“ genau gemeint hat - das wär‘s! (lacht schallend).

Herr Clooney, vielen Dank für dieses Gespräch.

Interview: Dierk Sindermann

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