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Panorama Gericht beendet Husten-Affäre bei Bridge-WM
Nachrichten Panorama Gericht beendet Husten-Affäre bei Bridge-WM
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17:01 15.11.2017
Die beiden Kläger, Entscho Wladow (l) und Michael Elinescu können einen Erfolg verbuchen – doch der Schaden ist groß. Quelle: dpa
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Düsseldorf

Ein Gewinner sieht anders aus. „Mein Lebenszweck ist zerstört“, sagt Entscho Wladow. Immerhin habe er seine Arztpraxis aufgegeben, um sich ganz dem Bridgespiel zu widmen. Doch dann wurde er für alle Turniere gesperrt. Nach vier Jahren juristischem Kampf hat Wladow am Mittwoch vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht einen Erfolg fast auf ganzer Linie errungen. Die Sperre war rechtswidrig. „Besser hätte es nicht laufen können“, sagt auch sein Anwalt Georg Engelbrecht nach dem Prozess um die „Husten-Affäre“ bei der Bridge-Weltmeisterschaft.

Doch so richtig freuen kann sich sein Mandant Wladow nach „vier Jahren Quälerei“ in Gerichtsverfahren nicht - und das an seinem 75. Geburtstag. Trotz des Gerichtserfolgs stehe er schließlich vor einem Scherbenhaufen.

„Die haben unseren Ruf total ruiniert“

Bei der Weltmeisterschaft 2013 auf Bali wurde er mit seinem Spielpartner Michael Elinescu Senioren-Teamweltmeister. Monate nach dem WM-Sieg wurde ihr WM-Titel wegen angeblichen Betrugs durch einen geheimen Husten-Code plötzlich aberkannt. „Das ist eine Hexenjagd. Die haben unseren Ruf total ruiniert“, hatte sein Spielpartner Elinescu vor der Verhandlung bereits bekräftigt.

Am Mittwoch hob das Gericht sämtliche Strafen gegen das Spielerpaar auf. Die Sanktionen – lebenslange Turniersperre als Paar und je zehn Jahre Sperre als Einzelspieler – seien rechtswidrig gewesen und damit nichtig, sagt Richter Prof. Jürgen Kühnen. Der Weltverband habe nicht die Befugnis besessen, die Sanktionen zu verhängen. Und der Deutsche Bridge-Verband DBV hätte sie nicht einfach übernehmen dürfen. Wo der DBV wenige eigene Feststellungen getroffen habe, seien diese auch noch fehlerhaft gewesen.

„Es ist unglaublich, was da gelaufen ist. Wir sind auf eine Bande von Betrügern und Manipulatoren hereingefallen“, sagt Amateurspieler Wladow im Gerichtsflur. Wen er meint, ist klar: Die US-Bridgeprofis und ihre angeblichen Helfer beim Weltverband.

Richter: „Das kommt in die Nähe eines Willkür-Urteils“

Richter Kühnen lässt durchblicken, was er von den Verbandsentscheidungen hält: „Das kommt in die Nähe eines Willkür-Urteils. Man verhängt gegen den klaren Wortlaut der eigenen Satzung Sanktionen“, sagt er. „Das ist alles auch verfahrensrechtlich sehr verwunderlich.“

Den zwei deutschen Ärzten war vorgeworfen worden, sich den ersten Weltmeistertitel eines deutschen Seniorenteams ergaunert zu haben. Beide bestreiten dies vehement und beteuern ihre Unschuld: Die Monate später vorgelegten Videoaufzeichnungen seien manipuliert.

Er habe gehustet, aber nur wegen seiner asthmatischen Bronchitis, sagt Bridge-Spieler Wladow. „Ich war schwer krank und habe gehustet wie verrückt. Das meiste ist aus den Aufnahmen aber herausgeschnitten worden.“

Nur wegen seiner Bronchitis gehustet

Das Gericht spricht den beiden Ärzten sogar Anspruch auf Schmerzensgeld zu. Wie hoch das ausfallen wird, muss in einem gesonderten Verfahren geklärt werden. Den WM-Titel bekommen beide durch das Urteil aber nicht zurück. Das überschreite ihre Klage-Befugnis, befanden die Richter. Ob nun betrogen wurde oder nicht, lässt das Gericht offen (Az.: VI U 8/17).

In den Zuschauerreihen des Gerichtssaals verfolgt Bridge-Spielerin Uta Düttmann (80) aus Düsseldorf das Verfahren. Sie kennt Elinescu seit Jahrzehnten und hält ihn für einen exzellenten Bridgespieler: „Ich habe den Deutschen Bridge-Verband nicht verstanden. Die hätten doch stolz sein müssen.“

Von dpa/RND

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