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Gericht senkt Strafmaß für Vater des Amokläufers von Winnenden
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Revisionsprozess Gericht senkt Strafmaß für Vater des Amokläufers von Winnenden

Vier Jahre nach dem Blutbad von Winnenden gibt es ein neues Urteil gegen den Vater des Amokläufers. Die Bewährungsstrafe wurde im zweiten Anlauf reduziert - doch es bleibt dabei: Der Vater von Tim K. muss dafür büßen, dass der Sohn seine Waffen benutzen konnte.

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Die Richter am Landgericht Stuttgart Andreas Müller (v.l.), Ulrich Polachowski (Vorsitzender) und Sybille Wuttke eröffnen den zweiten Prozess gegen den Vater des Amokläufers von Winnenden und Wendlingen.

Quelle: dpa

Stuttgart. Der Vater des Amokläufers von Winnenden trägt eine Mitschuld an dem Blutbad vor vier Jahren. Das bekräftigte ein Gericht nach erneuter Überprüfung des Falls. Die Stuttgarter Richter verurteilten den 54-jährigen Unternehmer am Freitag zu 18 Monaten Haft auf Bewährung unter anderem wegen fahrlässiger Tötung. Er hatte die Pistole unverschlossen im Kleiderschrank aufbewahrt, mit der sein Sohn Tim K. am 11. März 2009 in Winnenden und Wendlingen 15 Menschen und sich selbst erschoss.

„Es ist die Überzeugung der Kammer, dass es nicht zum Amoklauf gekommen wäre, wenn Sie Waffen und Munition ordnungsgemäß verwahrt hätten. Punkt. Aus“, sagte der Vorsitzende Richter Ulrich Polachowski. Der Angeklagte sei mit den waffenrechtlichen Anforderungen schlicht „schlampig umgegangen“, betonte der Richter.

Dennoch könne nicht davon ausgegangen werden, dass die Eltern von den Tötungsfantasien ihres 17-jährigen Sohnes wussten. Damit begründete Polachowski, dass die Kammer das Strafmaß aus dem ersten Urteil um 3 auf nunmehr 18 Monate reduzierte.

Die Kammer sprach den 54-Jährigen der fahrlässigen Tötung in 15 Fällen und der 14-fachen fahrlässigen Körperverletzung für schuldig. Zudem sahen die Richter es als erwiesen an, dass er gegen das Waffengesetz verstoßen hat. Die meisten Opfer des Amoklaufs waren Schüler und Lehrer der Albertville Realschule in Winnenden.

Die Staatsanwälte hatten auf die gleiche Strafe wie im ersten Urteil plädiert und angeführt, der Revisionsprozess habe keine neuen Erkenntnisse gebracht. Das bewerteten die Verteidiger des Vaters anders: Sie sahen nur einen Verstoß gegen das Waffengesetz und forderten, die Kammer solle von einer Strafe absehen. Der Angeklagte habe wegen des Verlusts seines Sohnes schon genug gelitten, hieß es in der Begründung von Rechtsanwalt Hubert Gorka.

Der zweite Prozess war nötig, weil der Bundesgerichtshof das erste Urteil wegen formaler Fehler kassiert hatte. Da damals nur die Verteidigung und nicht die Staatsanwaltschaft Revision beantragt hatte, konnte die Strafe für den Angeklagten diesmal nicht höher ausfallen als im ersten Verfahren.

Das jetzige Urteil kann erneut angefochten werden. Selbst wenn es rechtskräftig wird, haben die gerichtlichen Auseinandersetzungen damit noch kein Ende: Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe kommen auf den Vater zu. Sechs Geschädigte haben beim Landgericht schon Klage eingereicht. Der Vater selbst strebt eine Klage gegen das Psychiatrische Klinikum in Weinsberg an, dem er vorwirft, ihn nach Untersuchungen seines Sohnes nicht über eine erkannte Gefahr informiert zu haben.

dpa

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