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Eine Woche Jugendarrest für Antanz-Trick

Prozess in Köln Eine Woche Jugendarrest für Antanz-Trick

In Köln standen am Freitag zwei Männer vor Gericht, die eventuell zu den Tätern der Silvesternacht gehören. Aber nicht dafür wurden sie verurteilt, sondern weil sie drei Tage später zwei anderen Männern die Handys gestohlen hatten – mit einem Antanz-Trick.

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Zwei der möglichen Täter von der Silvesternacht in Köln standen am Freitag vor Gericht – wegen eines Taschendiebstahls an einem anderen Tag.

Quelle: Markus Böhm/dpa

Köln. Die 18 und 19 Jahre alten Angeklagten hätten am 3. Januar 2016 zwei Männer abgelenkt, indem einer einen Fußballtrick vorführte und der andere den Opfern die Handys aus den Taschen zog, sagte eine Sprecherin des Kölner Amtsgerichts. Die jungen Männer seien deshalb zu einer Woche Jugendarrest verurteilt worden.

Beschleunigtes Verfahren

Die beiden Diebe seien festgenommen und im Rahmen eines beschleunigten Verfahrens bis zur Verhandlung in Untersuchungshaft genommen worden. "Solche Fälle haben wir hier tagtäglich", sagte die Sprecherin. Am Freitag hätten die beiden Angeklagten das Gericht dann als freie Männer verlassen, meldete Spiegel Online: Die eine Woche Jugendarrest, zu der sie verurteilt worden waren, hätten sie bereits mit der Untersuchungshaft abgesessen.

Wie Spiegel Online weiter berichtete, könnten die beiden Männer zu den Tätern der Silvesternacht vorm Kölner Hauptbahnhof gehören. Das werde von der Polizei noch geprüft. Auf Nachfrage des Spiegel-Reporters habe einer der beiden Männer verneint, in der Silvesternacht in Köln gewesen zu sein. Er stamme genauso wie der andere aus Marokko. Sie hätten beide in Deutschland Asyl beantragt.

Kritik an mildem Urteil

Die Deutsche Polizeigewerkschaft reagierte auf Spiegel Online enttäuscht. "Für uns Polizisten sind solche Urteile vollkommen unverständlich", sagte Erich Rettinghaus, NRW-Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft.

"Es kann doch nicht sein, dass wir gerade in diesem Fall, in dem es Bezüge zu den Übergriffen an Silvester gibt, eine derart niedrige Strafe verhängen." Er befürchte, dass sich die Männer zu weiteren Taten ermuntert fühlen könnten. "Leider verstehen gerade solche Täter die Milde eines Richters fälschlicherweise als Schwäche des Rechtstaats."

dpa/wer

Ablenkmanöver "Antanz-Trick"

Der Fremde nähert sich, seine Hände streifen am Körper entlang und plötzlich fehlen Smartphone oder Geldbeutel. Diese Masche von Betrügern kennt die Polizei allzu gut. In der Aufarbeitung der sexuellen Übergriffe auf Frauen in der Neujahrsnacht am Kölner Hauptbahnhof fällt immer wieder ein Begriff: der Antanz-Trick.

Was ist das Ziel der Masche?

Um ein Opfer heimlich zu bestehlen, müssen Trickbetrüger erst durch eine Berührung mit ihm in Kontakt kommen - scheinbar versehentlich. "Früher fand das häufig durch Anrempeln statt. Heute haben Diebe mit dem Antanzen eine andere Methode im Trickdiebstahl gefunden", sagt eine Sprecherin des Bundeskriminalamts.

Wie funktioniert der Antanz-Trick?

Mindestens ein Täter lenkt das Opfer durch tänzelnde Bewegungen ab, um es selbst zu beklauen oder durch andere ausplündern zu lassen. Beliebt bei Kriminellen sind oft Betrunkene, die nicht merken, wie ihnen bei den scheinbar spaßigen Annäherungen das Handy aus der Tasche gezogen wird. Das Polizeipräsidium Köln analysiert die Masche seit 2013.

Was hat der Antanz-Trick mit den Übergriffen in Köln zu tun?

Das ist noch weitgehend unklar. Die Polizei ermittelt momentan, ob ein Zusammenhang zwischen dem Trickbetrüger-Klientel und den Tätern bei den Vorfällen vor dem Kölner Dom besteht.

In welchen Regionen und Orten häufen sich die Vorfälle?

Seit 2014 nehmen bundesweit die Berichte der Polizei von Antanz-Diebstählen in Großstädten zu. Besonders Nordrhein-Westfalen ist - in Bezug auf die Menge an Polizeiberichten - betroffen. Auch belebte Plätze in Innenstädten von Mannheim, Berlin, Hamburg oder Bremen sowie Hauptbahnhöfen zählten zu den Tatorten. Gefährdete Orte sind nach Auskunft des Bundeskriminalamts zudem Fußgängerzonen, Diskotheken und Großveranstaltungen.

dpa

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