Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Panorama Wie Bill Cosby mit Frauen umsprang
Nachrichten Panorama Wie Bill Cosby mit Frauen umsprang
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:13 20.07.2015
Über Jahrzehnte ein ganzes System aus Verführung, falschem Mitgefühl und notfalls sogar Drogen aufgebaut: Neue Vorwürfe gegen Bill Cosby. Quelle: dpa
Anzeige
New York

Als die Mutter einer jungen Frau sich bei ihm per Telefon beschwerte, wollte er nicht als "obszöner alter Mann" erscheinen. "Erzähle Deiner Mutter vom Orgasmus! Erzähle ihr, wie wir uns unterhalten haben!", forderte Bill Cosby von der Tochter – als Beweis einer Harmonie zwischen ihm und der 36 Jahre Jüngeren. Es half nichts, die junge Kanadierin strengte 2005 ein Verfahren gegen den Schauspieler an.

Die jetzt freigegebenen Gerichtsdokumente von damals offenbaren den Abgrund einer Mischung aus Charme, Heuchelei und notfalls Drogen, um Frauen ins Bett zu bekommen. Hauptbelastungszeuge gegen Bill Cosby: Bill Cosby. Denn der Star, der vor ein paar Tagen 78 wurde und seit 51 Jahren verheiratet ist, plauderte selbst über seine Maschen, um Sex mit Frauen zu haben, die er nach eigenen Worten begehrte, aber nicht liebte.

Cosby als Playboy

Er habe über Jahrzehnte ein ganzes System aus Verführung, falschem Mitgefühl und notfalls sogar Drogen aufgebaut, schließt die "New York Times" am Sonntag aus den zehn Jahre alten Gerichtsdokumenten. Cosby habe jungen Frauen in Aussicht gestellt, ihnen bei ihrer Karriere zu helfen. Der jungen Kanadierin, um die es im Verfahren ging, hatte er angeboten, ein paar Strippen zu ziehen und die richtigen Leute anzurufen. Ein Model habe er verführt, indem er der jungen Frau Anteilnahme am Krebs ihres Vaters vorspielte.

In der viertägigen Anhörung habe sich der damals 68-Jährige als Playboy präsentiert, "einer, der eine Mischung aus Prominenz, angeblicher Anteilnahme und starken Betäubungsmitteln für seine Jagd auf Frauen nutzt", schrieb die Zeitung. Dabei habe sich Cosby in der Rolle offenbar wohlgefühlt. So habe er davon erzählt, wie er eine Beziehung zu einem Model zugunsten eines anderen Seitensprungs beendete. "Moving on", also "weitermachen" oder "die Vergangenheit hinter sich lassen", habe er das schlicht genannt.

"Das ist Vergewaltigung"

Cosby habe sogar Stolz anklingen lassen. "Ich glaube, ich kann die Gefühle von Menschen in romantischen Dingen, oder wie immer Sie es nennen wollen, ziemlich gut erfassen" sagte er. Als ihm die Anwältin der Frau darauf sagte, er nehme offenbar eine sehr ernste Sache sehr leicht, habe er gesagt: "Das kann gut sein." Alles unmoralisch, aber nicht strafbar – wenn da nicht die Sache mit den Drogen wäre. Denn er hatte tatsächlich Sex mit der Kanadierin.

Vorher habe er ihr "zur Entspannung" eine halbe Benadryl gegeben, ein in den USA weit verbreitetes Antihistaminikum. Die Anwältin der Frau behauptet jedoch, es sei eine stärkere Droge gewesen. Nach dem Anruf der Mutter habe er angeboten, die weitere Ausbildung der Frau zu bezahlen.

Obwohl die Vorwürfe teilweise vier Jahrzehnte zurückliegen, wird die Luft für Cosby immer dünner. Der einst beliebte Unterhalter und Serienvater verliert immer mehr Unterstützer und einige fragten sogar, ob ihm das Weiße Haus eine Medaille aberkennen soll. Präsident Barack Obama hatte dazu am Mittwoch gesagt, dafür gebe es keine rechtliche Grundlage. Er sagte aber auch: "Wenn man einer Frau oder einem Mann eine Droge gibt und mit diesem Menschen Sex ohne dessen Einverständnis hat, ist das Vergewaltigung."

Von Chris Melzer

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Empört seien die Hinterbliebenen, enttäuscht sowieso: Im Streit um ein Schmerzensgeld nach der Germanwings-Katastrophe haben nun die Anwälte das Wort. Die Angehörigen der Opfer erwartet ein langes Feilschen um die Summe.

19.07.2015
Panorama Surfwettbewerb "Jeffreys Bay Open" - Surf-Profi wehrt Hai-Attacke ab

Dramatische Bilder vor der Küste Südafrikas: Der australische Surf-Profi Mick Fanning (34) wehrte vor laufenden Kameras eine Hai-Attacke erfolgreich ab und entwischte dem Raubfisch unverletzt. Rettungskräfte zogen den Australier, der letztlich nur seine Fußleine verloren hatte, aus dem Wasser.

19.07.2015
Panorama Buschfeuer im Westen der USA - Hunderte Kalifornier flüchten vor Feuer

Hunderte Menschen sind am Wochenende vor einem Buschfeuer im US-Bundesstaat Kalifornien in Sicherheit gebracht worden. Betroffen waren nach Angaben der Behörden auch fast 400 Kinder. Der sich schnell ausbreitende Brand zerstörte auf einer Autobahn zwischen Los Angeles und Las Vegas dutzende Autos und Lastwagen.

19.07.2015
Anzeige