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Eltern wütend auf Lufthansa-Chef

Germanwings-Unglück Eltern wütend auf Lufthansa-Chef

Der Ton zwischen den Angehörigen der Germanwings-Opfer und der Lufthansa wird rauer. Nicht nur die Höhe des angebotenen Schmerzensgeldes empört die Verwandten der getöteten Schüler und Lehrer aus Haltern. Es ist vor allem ein Zeichen, das sie von Lufthansa-Chef Carsten Spohr vermissen.

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Lufthansa-Chef Carsten Spohr wird von Angehörigen der Germanwings-Opfer attackiert.

Quelle: dpa

Haltern. Enttäuscht klingen sie, verbittert auch: Nach der Germanwings-Katastrophe haben Angehörige der ums Leben gekommenen Schüler und Lehrer aus Haltern einen wütenden Brief an Lufthansa-Chef Carsten Spohr geschickt. In dem Schreiben werfen sie dem Konzern-Vorsitzenden unter anderem vor, sich nach dem Absturz des Flugzeuges nicht bei den trauernden Verwandten entschuldigt zu haben.

"Ein paar persönliche Worte im Gespräch mit Ihnen hätten uns gezeigt, dass Sie nicht nur für die Öffentlichkeit, sondern auch für uns da sind", heißt es. Außerdem habe er Eltern nicht auf eine Einladung zu einer Beisetzung geantwortet. "Sie waren für Ihre Kunden da, nicht für uns", kritisieren die Verwandten in dem am Dienstag von ihrem Anwalt veröffentlichten Brief.

Vergleich mit Spohrs Gehalt

Das von der Lufthansa angebotene Schmerzensgeld sei beleidigend. "Das Leben eines jeden unserer Kinder und unseren Schmerz mit fünfundvierzig Tausend Euro zu bemessen, beleidigt uns und vor allem unsere Kinder zutiefst", schreiben die Angehörigen. "Das ist der Betrag, den Sie persönlich jede Arbeitswoche von der Lufthansa als Gehalt bekommen."

Zwar könne die Lufthansa mit dem Schmerzensgeld die Kinder den Eltern auch nicht zurückgeben. "Sie können uns aber ein klein wenig der alltäglichen Lebenssorgen nehmen, die uns in unserem Schmerz zusätzlich belasten." Es handle sich um Sorgen, die auch andere Menschen hätten. Etwa die Finanzierung der Ausbildung der Geschwisterkinder oder die Kosten der Pflege der Eltern. Bei ihnen seien diese Sorgen aber größer, "weil wir nicht wissen, ob unser Schmerz uns im Alltag bestehen lässt".

Kein Antwortschreiben geplant

Die Lufthansa äußerte Verständnis für die Wut der Betroffenen. Sprecher Andreas Bartels sagte zugleich: "Wir bedauern sehr, dass nun eine Verschärfung des Tons reingebracht wird." Ein Antwortschreiben Spohrs werde es nicht geben. Die Lufthansa sei mit jedem Angehörigen in Kontakt.

Zum Vorwurf, Spohr verdiene in einer Woche genauso viel, wie die Lufthansa als Schmerzensgeld anbiete, sagte der Lufthansa-Sprecher der "Bild": "Das stimmt so nicht. Herr Spohr bekam im Geschäftsjahr 2014 2,07 Millionen Euro Vergütung." Umgerechnet auf 52 Wochen macht das knapp 40.000 pro Woche.

Angehörige fordern neues Angebot

Beim Absturz der Germanwings-Maschine am 24. März in den französischen Alpen waren alle 150 Menschen an Bord ums Leben gekommen, darunter 16 Zehntklässler eines Gymnasiums in Haltern und ihre zwei Lehrerinnen. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hatte der Copilot Andreas Lubitz die Maschine absichtlich zum Absturz gebracht.

Der Germanwings-Mutterkonzern hatte den deutschen Hinterbliebenen nach der Katastrophe neben einer Soforthilfe von 50.000 Euro pauschal 25.000 Euro als Schmerzensgeld angeboten. Nächste Angehörige wie Eltern, Kinder oder Lebenspartner sollen dazu ohne weitere Prüfung jeweils ein Schmerzensgeld von 10.000 Euro bekommen. Die Anwälte der Angehörigen haben dies abgelehnt und verlangen ein neues Angebot.

dpa/wer

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