Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 1 ° wolkig

Navigation:
„Getötet, fort, für immer – es ist nicht zu begreifen"

Trauer in Norwegen „Getötet, fort, für immer – es ist nicht zu begreifen"

Es sind herzzerreißende Szenen, die sich am Sonntag im Osloer Dom abspielen: Bei einem Gottesdienst versuchen die Menschen Halt zu finden, doch am Ende obsiegt die Trauer und die Frage nach dem Warum.

Voriger Artikel
Amy Winehouse’ Leiche wird obduziert
Nächster Artikel
Unwetter setzt Norddeutschland unter Wasser

Trauernde in Oslo: Norwegen steht nach dem Massenmord unter Schock.

Quelle: rtr

Oslo. Norwegen trauert um die fast hundert Toten der beiden Anschläge vom Freitag. Hemmungslos lautes Weinen kommt aus dem Osloer Dom und Tränen auch bei Norwegens König Harald, als Ministerpräsident Jens Stoltenberg bei einem Trauergottesdienst die unfassbar vielen Toten ehrt: "Jeder einzelne Tote ist ein unersetzlicher Verlust. Zusammen bedeuten sie eine nationale Tragödie", sagt Stoltenberg. Mit den Tränen kämpfend nennt der 52-jährige Regierungschef ihm persönlich bekannte Opfer des Massakers auf der Insel Utøya. Eines von ihnen hatte 20 Jahre in jedem Jahr bei dem Ferienlager mitgewirkt. Ein anderer galt als hoffnungsvoller sozialdemokratischer Nachwuchspolitiker. Stoltenberg sagt: "Getötet, fort, für immer. Es ist nicht zu begreifen."

Es sind herzzerreißende Szenen, die sich am Sonntag im Osloer Dom abspielen: Bei einem Gottesdienst versuchen die Menschen Halt zu finden, doch am Ende obsiegt die Trauer und die Frage nach dem Warum.

Zur Bildergalerie

Nach dem doppelten Terroranschlag ist Oslo wie gelähmt. Wo sonst reges Treiben herrscht, ist kaum jemand zu sehen. Nur an den Absperrungen im Regierungsviertel kommen am Tag danach Gruppen von Menschen zusammen - erst wenige dann immer mehr. In den Gesichtern spiegelt sich Fassungslosigkeit. Unter einem bleiernen Himmel weht die norwegische Flagge auf halbmast. "Das ist unfassbar, zu was Menschen fähig sind", sagt Bernard Böhmer, Inhaber des Cafés Eger, das ganz in der Nähe des Anschlagsortes im Regierungsviertel liegt. Böhmer war am Freitagnachmittag in der Straße, in der auch das Finanzministerium liegt, er wollte zu seinem Auto gehen. "Da habe ich den Knall gehört und die Druckwelle auf der Brust gespürt. Ich wurde nach hinten geschleudert. Und ich wusste sofort: Das war keine Gasexplosion, sondern eine Bombe." Explosionen von Granaten und anderen Sprengsätzen kenne er noch aus seiner Zeit als Blauhelmsoldat im Libanon.

Vor dem Rathaus von Oslo blickt Bürgermeister Fabian Stang auf seine Stadt, die mit einem Schlag eine andere geworden ist. Wird das die für Friedensliebe und Toleranz bekannte norwegische Gesellschaft verändern? "Ich hoffe nicht", antwortet Stang. Gerade der Respekt vor den Toten gebiete es, "dass wir diese Stadt noch sicherer und offener, und den Umgang miteinander noch respektvoller gestalten". Norwegen werde diese schreckliche Situation dazu nutzen, "eine bessere Gesellschaft zu entwickeln".

In der Domkirche kommen die Menschen zusammen, suchen Beistand in der Gemeinschaft. Ein steter Strom von Menschen zieht in die Kirche, hält inne vor dem Altar mit einer Darstellung der Kreuzigung Christi. Viele zünden ein Kerzenlicht an. Vor der Kirche werden Blumen abgelegt, viele rote Rosen darunter, Kerzen und kleine norwegische Fahnen. Die Zeit steht still, Oslo hält den Atem an.

dpa/frs

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Anschläge in Norwegen
Foto: Anders B. Breivik

Neun Jahre lang plante Anders B. Breivik einen Massenmord. Er schrieb darüber ein wirres, ideologisches Manifest - er habe Europa retten wollen. Dem Geheimdienst war der Norweger nicht bekannt. Im Internet hinterlässt er eine inszenierte Visitenkarte.

mehr
Mehr aus Panorama
Augenblicke: Bilder aus Hannover und der Welt

Klicken Sie sich durch spektakuläre Fotos – ausgewählt von der HAZ-Redaktion.