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Rausch ohne Reue

Getränk aus Japan Rausch ohne Reue

Ein Getränk aus Japan verspricht, wonach sich schon jeder einmal gesehnt haben dürfte: Alkoholgenuss ohne Kater danach.

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Hilft das wirklich? "Ukon no chikara" soll Kopfschmerzen verhindern.

Quelle: reddit.com

Tokio. Kaori Saito hat über Nacht noch etwas vor. Wenn die Studentin aus Hiroshima wie heute mit ihren besten Freundinnen zum Karaokesingen verabredet ist, nimmt das Feiern eigentlich immer denselben Verlauf. "Wir mieten eine Box für die ganze Nacht und singen unsere Lieblingslieder, irgendwann sind wir müde und betrunken", sagt sie. Und da die 24-Jährige dies genau weiß, macht sie vorher noch ein paar Besorgungen für sich und ihre Freundinnen. "Drei Ukon bitte", sagt sie an der Kasse eines Convenience Stores und reicht gut ­600 Yen (rund 4 Euro) über den Tresen. "Der Morgen!, beteuert sie, "ist jetzt gerettet."

"Die Kraft der Gelbwurz"

Kaori Saito gehört zu den vielen Japanern, die sich mit dem hochkonzentrierten Getränk "Ukon no chikara" auf den Tag nach dem Suff vorbereiten. Nach Aussage des Herstellers beugt es Kater vor, zu haben ist es an jeder Straßenecke, an der es einen der unzähligen Convenience Stores im Land gibt. In gesonderten Kühlregalen wird der süßliche Trunk als heilwirksame Drogerieware präsentiert, in kleinen 100-Milliliterfläschchen aus Aluminium, die man in einem Ruck rund eine Stunde vorm Alkohol leeren soll.

Der Name des Getränks lässt sich mit "die Kraft des Gelbwurz" übersetzen, Gelbwurz ist eine Pflanze, die in Japan vor allem im weit südwestlich der Hauptinseln gelegenen Okinawa angebaut wird. Auch in Südostasien ist das dem Ingwer verwandte Gewächs bekannt und wird etwa in der indischen Küche zum Würzen genutzt. Und in Japan soll das Getränk nun genau das bringen, worüber sich Menschen seit Ewigkeiten sprichwörtlich den Kopf zermartern?

Test an 30 Erwachsenen

Biologisch gesehen taucht ein Kater auf, weil die Niere durch hohen Alkoholkonsum mehr Wasser ausscheidet als sonst, sodass der Körper dehydriert. Der Inhaltsstoff Kurkuma, der in der Gelbwurz-Pflanze enthalten ist, kann laut Japans nationalem Institut für Gesundheit und Ernährung tatsächlich der Katerstimmung vorbeugen, indem er neben seiner krebshemmenden Wirkung die Funktionsfähigkeit der Leber anrege, die für den Abbau von Alkohol zuständig ist. Allerdings wurden die Versuche, die diese Ergebnisse brachten, bisher nur an Tieren durchgeführt. Die katerpräventive Wirkung von Kurkuma gilt daher als nicht nachgewiesen.

Yasuo Watanabe, Direktor am Yokohama College of Pharmacy und Entwickler von "Ukon no chikara", testete sein Getränk daher gleich selbst an menschlichen Probanden. 30 Erwachsenen hatte er ein Kurkuma-Getränk beziehungsweise ein Placebo trinken lassen, danach nahmen sie Alkohol zu sich. "Die Ergebnisse haben mir klar gezeigt, dass es einen Effekt von Kurkuma gibt", sagt er. "Erstens wird die Absorption von Alkohol gehemmt, man wird also langsamer betrunken. Zweitens wird der Stoffwechsel angeregt, um den Alkohol besser abzubauen."

Online bestellbar

Längst sind ähnliche Produkte von der Konkurrenz auf dem Markt. Der Konzern Lotte bietet "Nomi Tomo" (Trinkkumpel) an, die Großbrauerei Kirin hat "Kirin Hakko Ukon" (fermentierter Gelbwurz) ins Rennen gebracht, der Lebensmittelhersteller Ajimoto vertreibt "No Mikata" (Trinkunterstützung). Die Liste ließe sich fortführen.

Mit rund 20 Milliarden Euro Umsatz im Jahr und einem Weltmarktanteil von knapp 20 Prozent ist Japan hinter den USA der zweitgrößte Markt der Welt für Functional Food. Mittlerweile wird "Ukon no chikara" unter anderem in den USA und Singapur vertrieben, wo es zu einem Szenegetränk geworden ist. Im deutschsprachigen Raum ist es online bestellbar.

"Ich finde, Ukon funktioniert gut", sagt Kaori Saito auf dem Weg zum Karaokeladen, wo sie gleich ihre Freundinnen treffen wird. Ein Problem sieht aber auch die junge Frau: "Manchmal frage ich mich, ob ich durch 'Ukon' vielleicht mehr trinke, weil ich weniger Angst vorm nächsten Tag habe."

Von Felix Lill

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