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Panorama Haben Männer das Prügeln verlernt?
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19:44 20.05.2016
In einer Situation wie der Kölner Silvesternacht seien deutsche Männer hilflos, meint der Gewaltforscher Jörg Baberowski. Quelle: dpa
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Köln

"Sofort Box- und Ringkampf als Pflichtfach an deutschen Schulen", fordert ein Mann auf Twitter. "Das wäre ein erster Schritt. Sonst bleiben deutsche Männer Opfer." Damit reagiert er auf Äußerungen des Gewaltforschers Jörg Baberowski – und die Forderung des Twitter-Nutzers zeigt, in welche Richtung die Diskussion noch gehen könnte.

Baberowski hatte am Donnerstag auf dem Philosophie-Festival Phil.Cologne in Köln gesagt: Deutsche Männer könnten sich nicht mehr prügeln. Das habe man in der Kölner Silvesternacht gesehen, als die deutschen Männer ihre Frauen nicht gegen Übergriffe verteidigt hätten. "Wir sehen, dass Männer in Deutschland gar nicht mehr wissen, wie man mit Gewalt umgeht", sagte der Historiker, der an der Humboldt-Universität zu Berlin arbeitet.

Baberowski: Männer in der Silvesternacht hilflos

Zwar fügte er hinzu: "Gottseidank." Aber Baberowski ergänzte: Deutsche Männer vertrauten auf den Staat. In einer Situation wie der Silvesternacht mache ein solches Verhalten natürlich sehr hilflos. Wenn der Staat sein Gewaltmonopol dann nicht behaupte, erschüttere dies das Vertrauen der Bürger massiv. Baberowski ließ jedoch offen, welche Konsequenz er daraus ziehen würde.

Das machen dafür andere. Wie der Twitter-Nutzer, der Schülern das Ringen und Boxen beibringen möchte. Aber es gibt auch andere Stimmen – kritisische, die Baberowskis Äußerungen anzweifeln. Womit belege der Gewaltforscher seine Einschätzung, fragt jemand. Ein anderer stellt fest: "Hemmschwelle bei Gewalt für Deutsche Männer größer! Das nennt man 'Zivilisation'!" Und die SWR-Journalistin Christine Helmeke stellt die rhetorische Frage: "Deutsche Männer können sich nicht mehr prügeln? Und wer sind dann die tobenden Horden bei den Fußballspielen?"

Eine "Focus"-Journalistin erinnerte in einem Kommentar zu Baberowskis These an Hesham Ahmad Mohammad, einen Flüchtling aus Syrien, der einer amerikanischen Studentin in der Kölner Silvesternacht geholfen hatte – er bildete mit Freunden einen Schutzring um die Studentin, wie sie später der "New York Times" erzählte. "Als die Lage bedrohlich wurde, schlug er nicht zu – er holte seine Freunde zur Hilfe. Gemeinsam geleiteten sie die Frau aus der Gefahrenzone", schreibt die "Focus"-Journalistin. "So funktioniert Heldentum – auch in den postheroischen Zeiten."

In der Silvesternacht waren Hunderte Frauen am Kölner Hauptbahnhof von ausländischen Männergruppen drangsaliert, beraubt und belästigt worden – auch Vergewaltigungen wurden angezeigt. Ein großer Teil der Beschuldigten ist nach Erkenntnissen der Ermittler nordafrikanischer Herkunft.

Forscher: Übergriffe haben nichts mit Islam zu tun

Baberowski sagte auch, dass die Kölner Übergriffe aus seiner Sicht nichts mit dem Islam zu tun hätten, wohl aber mit der Situation in den Flüchtlingslagern. In diesen Lagern sei der Staat abwesend. Kleine organisierte Männergruppen übernähmen dort das Kommando.

Als diese Gruppen in der Silvesternacht auf die Domplatte gekommen seien, hätten sie dies ebenfalls als rechtsfreien Raum betrachtet. "Diese Leute hätte man sofort ins Gefängnis bringen müssen, dann hätte man was fürs Leben gelernt", sagte Baberowski, der zuletzt das Buch "Räume der Gewalt" geschrieben hat und für seine Werk "Verbrannte Erde. Stalins Herrschaft der Gewalt" den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie "Sachbuch/Essayistik" erhalten hatte.

dpa/RND/wer

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