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Prostitutionswelle rollt auf Saarbrücken zu

Neues Großbordell und größerer Straßenstrich Prostitutionswelle rollt auf Saarbrücken zu

In Saarbrücken soll im Dezember ein Großbordell seinen Betrieb aufnehmen. Gleichzeitig kämpft die Stadt gegen einen ausufernden Straßenstrich. Ausgerechnet die Grenznähe zu Frankreich bringt die Landeshauptstadt in Bedrängnis.

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Großbordell und neuer Straßenstrich: Auf Saarbrücken kommt einiges zu.

Quelle: dpa

Saarbrücken. Thomas Blug dürfte sich derzeit wie am internationalen Film-Set vorkommen. Normalerweise muss er Fragen zu höheren Parkgebühren oder Baustellenärgernisse beantworten. Es sind aber derzeit keine normalen Zeiten für den Medienreferenten der saarländischen Landeshauptstadt. Er muss Journalisten samt Kamerateams aus halb Europa, zuletzt aus Warschau und selbst aus Kanada koordinieren. Saarbrücken, das sonst gerne mit Sternenköchen und Frankreich-Nähe wirbt, ist seit einigen Wochen im Fokus einer Prostitutionsdebatte. „Die internationalen Anfragen erreichen uns gerade wegen des grenzüberschreitenden Problems. Da geht es nicht nur um Saarbrücken, das ist ein europäisches Thema“, stellt Blug fest.

Voraussichtlich im Dezember will der Stuttgarter Investor Jürgen Rudloff in Saarbrücken ein 6000 Quadratmeter umfassendes Großbordell eröffnen, die Arbeiten an dem 4,5 Millionen Euro Projekt laufen auf Hochtouren. Die Standortentscheidung sei auch mit Blick auf die Grenz-Nähe zu Frankreich, wo Bordelle verboten sind, gefallen, hatte das Unternehmen mitgeteilt. Wie hoch allerdings der Anteil französischer Kunden ist, die derzeit in der Landeshauptstadt die „Dienste der Damen“ nachfragen, kann allerdings niemand sagen. „Die geben ja danach nicht ihre Postleitzahl an“, sagt Blug.

Dabei ist das Großbordell für Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD) zwar ein imagemäßiges Ärgernis, aber was dagegen tun kann die Stadt kaum. Es sei schließlich einfacher, ein solches Haus zu eröffnen als eine Frittenbude, betont Blug mit Hinweis auf die Rechtsvorschriften.

Die Sorgen der Verwaltungschefin sind eher auf dem Straßenstrich zu besichtigen. „Die Prostitution hat ein unerträgliches Maß angenommen“, konstatiert Britz. Sie hat die Landesregierung um Unterstützung gebeten, um etwa eine Sexsteuer einführen und größere Sperrbezirke schaffen zu können.

Dass sich die „Situation massiv verschärft“ hat, räumt auch Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) ein, warnt aber vor Maßnahmen, die angesichts der geltenden Gesetzeslage und Gerichtsurteilen nicht gerichtsfest seien. Das Problem habe sich mit der EU-Erweiterung massiv verschärft. Sie verweist auf Polizeikontrollen im vergangenen Jahr. Rund die Hälfte der kontrollierten Personen in Bordellen und auf dem Straßenstrich sei aus Rumänien, Bulgarien sowie Ungarn und Polen gekommen.

Auch Barbara Filipak von der Prostituiertenberatung „Aldona“ sieht in der EU-Erweiterung eine der Ursache der Entwicklung. Vor drei Jahren habe es noch kaum einen Straßenstrich in Saarbrücken gegeben. „Es ist ein europäisches Problem. Woher sollen die Frauen in Rumänien, die oft Analphabetinnen sind, wissen, dass es solche Straßen in Saarbrücken gibt, dass es überhaupt Saarbrücken gibt?“

Gleichzeitig verärgert sie die rechtliche Situation in Deutschland: „Es kann nicht sein, dass Frauen, die legal putzen wollen, sich anmelden und ein Gewerbe anmelden müssen und so weiter, aber um sich legal zu prostituieren, brauchen sie das alles nicht. Sie können sich sofort auf die Straßen stellen.“

Eine verschärfte Sperrbezirksregelung in Saarbrücken würde sie begrüßen, wenn dann auch für die Frauen eine adäquate Infrastruktur vorhanden wäre. Filipak schränkt ein: „Das würde das Problem vor Ort vielleicht lösen, aber die Frauen würden woanders weiterarbeiten.“

Tatsächlich hat die Saarbrücker Debatte schon andernorts Befürchtungen aufkommen lassen. So sind im gut zehn Kilometer entfernten Völklingen und dessen Nachbargemeinden Forderungen laut geworden, angesichts eines möglichen Verdrängungseffektes aus Saarbrücken vorsorglich Sperrbezirksverordnungen zu prüfen. Das aber dürfte genau so wenig am grundsätzlichen Problem etwas ändern wie das neue Großbordell. „Damit wird der Straßenstrich nicht verschwinden“, betont Filipak.

dpa

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