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Gymnasium testet Gleitzeit für Schüler

Bundesweit einmalige Studie Gymnasium testet Gleitzeit für Schüler

An einem Gymnasium in NRW dürfen Schüler selbst entscheiden, ob sie zur ersten oder zur zweiten Stunde kommen. Die Schulleitung hat eine Gleitzeit für sie eingeführt, damit die Jugendlichen länger schlafen können. Wissenschaftler prüfen, wie sinnvoll das Modell ist.  

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Gleitzeit für Schüler: An einem Gymnasium in Nordrhein-Westfalen dürfen Oberstufenschüler später zum Unterricht kommen

Quelle: Julian Stratenschulte/dpa

Alsdorf. Für viele Schüler beginnt der Unterricht zu früh. "Jeder Mensch hat eine eigene innere Uhr", erklärt Chronobiologin Eva Winnebeck von der Universität München. "Der eine ist morgens schon hellwach, der andere erst am Vormittag, und gerade Schüler ab 15 Jahren haben eine späte innere Uhr."

Bei Menschen mit einer späten inneren Uhr schüttet der Körper das Schlafhormon Melatonin erst spät am Abend aus. Diese Menschen werden deshalb erst spät müde und am Morgen auch erst spät wach - wenn sie nicht durch den Wecker aus dem Schlaf gerissen werden.

Erst zur zweiten Stunde Anwesenheitspflicht

"Schüler mit einer späten inneren Uhr leiden unter Schlafmangel, wenn die Schule frühmorgens beginnt, sie sind dann in der ersten Stunde noch nicht ganz wach", erläutert Winnebeck. "Das kann Auswirkungen auf die Laune, die Leistungen in der Schule und auch auf die Gesundheit der Schüler haben."

Das städtische Gymnasium in Alsdorf bei Aachen hat deshalb eine Gleitzeit für Schüler eingeführt. Die Mädchen und Jungen dürfen selbst entscheiden, ob die Schule für sie montags bis freitags um 8:00 Uhr oder um 8:50 Uhr beginnt. Erst in der zweiten Unterrichtsschule ist Anwesenheitspflicht.

Schultag endet trotzdem weiter um 15:15 Uhr

Die Gleitzeit gilt aber nur für die Oberstufenschüler, weil ihr Schultag immer mit einer sogenannten Dalton-Stunde beginnt. Hintergrund ist, dass das Gymnasium nach dem Dalton-Plan unterrichtet: Die Schüler erarbeiten sich etwa ein Drittel der Unterrichtsinhalte selbst - in den Dalton-Stunden. 

Pro Woche müssen die Jugendlichen eine bestimmte Anzahl dieser selbstständigen Einheiten absolvieren - wann, bleibt ihnen überlassen. Sie können ihre Dalton-Zeit deshalb auch in eine Freistunde später am Tag legen. Dann können sie länger schlafen, und trotzdem endet der Schultag für sie wie bisher um 15:15 Uhr. 

Schüler sind im Unterricht aufmerksamer

Aber was macht eine Stunde mehr Schlaf aus? "In den USA gibt es Studien, bei denen Schüler 25 oder 30 Minuten später zum Unterricht kommen durften", erzählt Winnebeck. "Ihre Aufmerksamkeit im Unterricht war dadurch höher, es kamen auch weniger Schüler zu spät zur Schule."

Diese Wirkung erhofft sich auch die Schulleitung in Alsdorf - und bisher fühlt sie sich bestätigt. "Wir testen den flexiblen Tageseinstieg seit dem 1. Februar, der Eindruck im Unterrichtsalltag ist sehr positiv", sagte Schulleiter Wilfried Bock zu "Spiegel Online".

Haben die Schüler bessere Noten?

Ob dieser positive Eindruck anhält, wird gerade wissenschaftlich ausgewertet: Unter der Leitung des renommierten Chronobiologen Till Roenneberg begleiten Winnebeck und ihre Kollegen den Gleitzeit-Versuch in Alsdorf.

"Wir wollen wissen, ob sich die Leistung der Schüler durch den späteren Unterrichtsbeginn gebessert hat und ob die Schüler in der Woche länger und auch besser geschlafen haben", erklärt Winnebeck.

Erste Studie dieser Art in Deutschland

Dafür haben 45 Schüler über mehrere Wochen einen sogenannten Actimeter getragen. Der kleine Computer am Handgelenk zeichnete auf, wann die Mädchen und Jungen geschlafen haben und wann sie aktiv waren. Einige von ihnen haben außerdem ein Schlaftagebuch geführt, genauso wie noch ein paar andere Schüler.

"Wir haben riesig viele Daten von den Schülern bekommen. Es wird etwa ein halbes Jahr dauern, diese Daten auszuwerten", erklärt Winnebeck. Die Ergebnisse sind dann vermutlich auch für Lehrer, Schüler und Eltern in anderen Städten interessant: "Es ist die erste Studie dieser Art in Deutschland", sagt Winnebeck.

wer

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